Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

So funktioniert der Hirnschrittmacher bei Parkinson

11.06.2008
Charité-Studie klärt bislang unbekannten Wirkungsmechanismus

Eine Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin und des Institute of Neurology London erklärt jetzt erstmals, wie es zu den positiven Effekten der tiefen Hirnstimulation bei Morbus Parkinson-Patienten kommt.

Diese Therapie wird seit Beginn der 90er Jahre eingesetzt und verbessert unter anderem deutlich die krankheitsbedingte Bewegungsarmut. Wie der Wirkungsmechanismus genau funktioniert, wurde bislang nur gemutmaßt.

Klarheit bringt die im Fachblatt Journal of Neuroscience* veröffentlichte Studie der Arbeitsgruppe um Prof. Andrea Kühn von der Klinik für Neurologie am Campus Virchow-Klinikum: Die elektrischen Impulse schwächen nachweislich - stellvertretend für den krankheitsbedingt mangelnden Botenstoff Dopamin - die rhythmische Aktivität einer Gruppe von Nervenzellen im so genannten subthalamischen Kern, einer Ansammlung von Nervenzellen in tiefer gelegenen Hirnstrukturen. Bei Parkinson-Patienten synchronisieren Nervenzellen ihre Aktivität, was zum Symptom der Verlangsamung, der so genannten Akinese, führt. Die aktuelle Studie belegt, dass der Hirnschrittmacher genau diesen Prozess einschränkt.

Zur Therapie mit tiefer Hirnstimulation werden Elektroden über ein kleines Loch in der Schädeldecke in den tiefen Hirnbereich eingeführt und dann mit einem externen Gerät durchgehend stimuliert. Für die Studie sind elf Patienten, die sich für einen Hirnschrittmacher entschieden hatten, ausgewählt worden. Nach der Operation wurden sie über die implantierten Elektroden jeweils drei Minuten lang mit hochfrequenten elektrischen Impulsen stimuliert.

Unmittelbar im Anschluss daran wurde die rhythmische Aktivität der Nervenzellen an der behandelten Stelle, dem subthalamischen Kern, gemessen. Das Ergebnis: Die Nerven waren deutlich weniger synchronisiert als ohne die Behandlung. Mit zunehmendem Zeitabstand nahm die "Gleichschaltung" wieder zu.

Dementsprechend hat sich auch die Beweglichkeit wieder verschlechtert. Dies wurde geprüft, indem die Patienten während des Tests die Hände bewegten. Wird die Stimulation - wie es der Hirnschrittmacher vorsieht - kontinuierlich durchgeführt, bleibt auch der positive Effekt bestehen.

Morbus Parkinson ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die meist erst in höherem Lebensalter auftritt. Typische Symptome sind Verlangsamung von Bewegungsabläufen, Zittern und Muskelverspannung. Ursache hierfür ist das Absterben von Zellen in der so genannten schwarzen Substanz im Mittelhirn.

Dadurch entsteht ein Mangel des Botenstoffes Dopamin, aus dem sich letztlich die krankheitsbedingten Symptome ergeben. James Parkinson hat die Krankheit erstmals 1817 als "Schüttellähmung" beschrieben.

* Kühn et al., High-Frequency Stimulation of the Subthalamic Nucleus Suppresses Oscillatory b Activity in Patients with Parkinson's Disease in Parallel with Improvement in Motor Performance, The Journal of Neuroscience, June 11, 2008, 28(24), 6165-6173.

Kontakt:
Prof. Andrea Kühn
Leiterin der Arbeitsgruppe Bewegungsstörungen
Klinik für Neurologie
Charité - Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 660 203
andrea.kuehn@charite.de

Kerstin Endele | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Berichte zu: Hirnschrittmacher Nervenzelle Parkinson

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue ESO-Studie bewertet den Einfluss von Satellitenkonstellationen auf astronomische Beobachtungen
05.03.2020 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht Studie „Digital Gender Gap“
06.01.2020 | Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nachwuchswissenschaftler der Universität Rostock erfinden einen Trichter für Lichtteilchen

Physiker der Arbeitsgruppe von Professor Alexander Szameit an der Universität Rostock ist es in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Universität Würzburg gelungen, einen „Trichter für Licht“ zu entwickeln, der bisher nicht geahnte Möglichkeiten zur Entwicklung von hypersensiblen Sensoren und neuen Technologien in der Informations- und Kommunikationstechnologie eröffnet. Die Forschungsergebnisse wurden jüngst im renommierten Fachblatt Science veröffentlicht.

Der Rostocker Physikprofessor Alexander Szameit befasst sich seit seinem Studium mit den quantenoptischen Eigenschaften von Licht und seiner Wechselwirkung mit...

Im Focus: Junior scientists at the University of Rostock invent a funnel for light

Together with their colleagues from the University of Würzburg, physicists from the group of Professor Alexander Szameit at the University of Rostock have devised a “funnel” for photons. Their discovery was recently published in the renowned journal Science and holds great promise for novel ultra-sensitive detectors as well as innovative applications in telecommunications and information processing.

The quantum-optical properties of light and its interaction with matter has fascinated the Rostock professor Alexander Szameit since College.

Im Focus: Künstliche Intelligenz findet das optimale Werkstoffrezept

Die möglichen Eigenschaften nanostrukturierter Schichten sind zahllos – wie aber ohne langes Experimentieren die optimale finden? Ein Team der Materialforschung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat eine Abkürzung ausprobiert: Mit einem Machine-Learning-Algorithmus konnten die Forscher die strukturellen Eigenschaften einer solchen Schicht zuverlässig vorhersagen. Sie berichten in der neuen Fachzeitschrift „Communications Materials“ vom 26. März 2020.

Porös oder dicht, Säulen oder Fasern

Im Focus: Erdbeben auf Island über Telefonglasfaserkabel registriert

Am 12. März 2020, 10.26 Uhr, ereignete sich in Südwestisland, ca. 5 km nordöstlich von Grindavík, ein Erdbeben mit einer Magnitude von 4.7, während eines längeren Erdbebenschwarms. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ haben jetzt dort ein neues Verfahren zur Überwachung des Untergrunds mithilfe von Telefonglasfaserkabeln getestet.

Ein von GFZ-Forschenden aus den Sektionen „Oberflächennahe Geophysik“ und „Geoenergie“ durchgeführtes Online-Monitoring, das Glasfaserkabel des isländischen...

Im Focus: Quantenoptiker zwingen Lichtteilchen, sich wie Elektronen zu verhalten

Auf der Basis theoretischer Überlegungen von Physikern der Universität Greifswald ist es Mitarbeitern der AG Festkörperoptik um Professor Alexander Szameit an der Universität Rostock gelungen, photonische topologische Isolatoren als Lichtwellenleiter zu realisieren, in denen sich Photonen wie Elektronen verhalten, und somit fermionische Eigenschaften zeigen. Ihre Entdeckung wurde jüngst im renommierten Fachblatt „Nature Materials“ veröffentlicht.

Dass es elektronische topologische Isolatoren gibt – Festkörper die im Innern den elektrischen Strom nicht leiten, dafür aber umso besser über die Oberfläche –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

“4th Hybrid Materials and Structures 2020” findet web-basiert statt

26.03.2020 | Veranstaltungen

Wichtigste internationale Konferenz zu Learning Analytics findet statt – komplett online

23.03.2020 | Veranstaltungen

UN World Water Day 22 March: Water and climate change - How cities and their inhabitants can counter the consequences

17.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltweit einzigartig: Neue Anlage zur Untersuchung von biogener Schwefelsäurekorrosion in Betrieb

27.03.2020 | Architektur Bauwesen

Schutzmasken aus dem 3D-Drucker

27.03.2020 | Materialwissenschaften

Nachwuchswissenschaftler der Universität Rostock erfinden einen Trichter für Lichtteilchen

27.03.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics