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Studie der TU Dortmund zeigt: Der Heimvorteil im Fußball wird seit Jahren immer schmaler

05.06.2008
Bei der diesjährigen EM sehen sich Österreich und die Schweiz im Vorteil. Von der lautstarken Unterstützung durch den "zwölften Mann auf dem Platz" - die heimischen Fans - erhoffen sich die Alpenkicker den entscheidenden Kick fürs eigene Spiel.

Und auch für die deutsche Mannschaft könnten sich die Partien aufgrund der kurzen Anreisewege als Heimspiele erweisen. Dies ist allerdings nur dann ein Vorteil, wenn er wirklich existiert - der Heimvorteil.

Eva Heinrichs, angehende Diplom-Statistikerin der Technischen Universität Dortmund, hat in Ihrer Abschlussarbeit den "Mythos Heimvorteil" unter die wissenschaftliche Lupe genommen. Nach Analyse aller Spiele der ersten und zweiten Bundesliga sowie der spanischen, italienischen und englischen ersten Ligen seit 1963 steht für die Wissenschaftlerin fest: Ein gewisser Heimvorteil ist zwar vorhanden, doch im Vergleich zu den 70er und 80er Jahren wird er immer geringer.

ing in der 1. Bundesliga bis zur Saison 87/88 in durchschnittlich 55,8 Prozent aller Spiele die heimische Mannschaft als Sieger vom Platz, sank der Wert danach auf durchschnittlich 47,8. In der Bundesliga-Saison 06/07 sank er sogar auf 43,8 Prozent. Das bedeutet, weniger als die Hälfte aller Spiele werden im heimischen Stadion noch gewonnen - von Heimvorteil kaum noch eine Spur. Die erste und zweite Bundesliga zeigen dabei die gleichen Tendenzen: Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre kommt die Trendwende. War bis dahin der Heimvorteil vorhanden und stark, nimmt seit diesem Zeitpunkt die Bedeutung signifikant ab.

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Doch wo liegen die Gründe für den Rückgang des Heimvorteils? Eva Heinrichs fand in ihrer Studie, die sie mit Unterstützung ihre beiden Betreuer Prof. Dr. Roland Fried und Prof. Dr. Joachim Kunert angefertigt hat, gleich mehrere Umstände, die den Chancenvorsprung für die Heimmannschaft schmälern. Zum einen sank die Anzahl der Tore pro Spiel. Waren es in den Anfangszeiten der Bundesliga noch durchschnittlich rund dreieinhalb, fielen in den letzten Jahren deutlich weniger als drei Tore pro Spiel. Gleichzeitig sank die Anzahl der im heimischen Stadion erzielten Treffer, während die Auswärtstreffer annähernd konstant blieben. Ein ähnliches Bild bei den Ergebnissen: weniger Heimsiege, dafür mehr Auswärtssiege und Unentschieden. Für die Dortmunder Statistikerin ein Beleg dafür, dass die zunehmende Leistungsdichte im Profifußball den Heimvorteil schmälert.

Auch auf europäische Ebene hat Eva Heinrichs ihre Ergebnisse überprüft und 45.996 Partien der spanischen, italienischen und englischen ersten Ligen mit den gleichen statistischen Verfahren untersucht (19.056 England, 14.580 Spanien, 12.360 Italien). Und auch hier zeigt sich, der Heimvorteil wird immer geringer. Auswärtssiege, -treffer und Unentscheiden nehmen zu, Heimsiege und -tore nehmen ab. Lediglich die italienische Liga macht eine Ausnahme. Hier ist die Anzahl der Heimsiege über die Jahre hinweg annähernd konstant und auch die anderen Indices für den Heimvorteil entsprechen nicht immer den Werten der anderen Ligen. Statistikerin Heinrichs hat hierfür jedoch eine Erklärung: "Italien war in den 70er und 80er Jahren bekannt für seinen Defensivfußball. Ein Blick auf die absoluten Zahlen und das Verhältnis von Auswärts- und Heimsiegen oder Auswärts- und Heimtoren zeigt, dass der italienische Fußball sich nur dem "Europäischen Niveau" angepasst hat." Also auch in Italien gilt: Der Riesen-Heimvorteil ist ein Mythos - aber schon seit langem!

Für ein Phänomen in puncto Heimvorteil muss Eva Heinrichs jedoch eine Erklärung schuldig bleiben. Bei nahezu allen Zeitreihen konnte sie eine Niveauverschiebung mit statistischen Verfahren eindeutig nachweisen - die Statistikerin spricht hier von einem Strukturbruch. Und diese Trendwende liegt bei allen Ligen Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre. Irgendetwas muss also im europäischen Fußball zu diesem Zeitpunkt passiert sein, was den Heimvorteil negativ (oder positiv aus Sicht der Gastmannschaft ) beeinflusst hat. Doch obwohl die Statistikerin in vielen Foren über dieses Phänomen diskutierte, eine schlüssige Erklärung konnte ihr auch die Internetgemeinde nicht liefern.

Zur Person:

Eva Heinrichs, geboren 1983 in Mönchengladbach, studiert seit 2002 Diplomstatistik an der TU Dortmund. "Mythos Heimvorteil" ist ihre Diplomarbeit, ihre letzen Prüfungen wird sie in wenigen Wochen erfolgreich hinter sich bringen.

Ole Lünnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dortmund.de/

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