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Handels- und Konsumgüterbrache versinkt in Wirtschaftskriminalität

28.05.2008
Unternehmen noch immer zu sorglos - 1,35 Mrd. Euro jährlicher Schaden

Rund 56 Prozent der Handelsunternehmen und Konsumgüterhersteller der Bundesrepublik versinken zusehends im Sumpf der Wirtschaftskriminalität. Allein vom Frühjahr 2005 bis 2007 erlitt die gesamte Branche jährliche Schäden von rund 1,35 Mrd. Euro durch Betrug, Unterschlagung, Produktpiraterie und Korruption.

Zu diesem Ergebnis gelangt die globale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers in ihrer Erhebung "Wirtschaftskriminalität 2008 in Handel und Konsumgüterindustrie". "Diese Zahl hat eine bedeutende Größe. Das heißt jedoch nicht automatisch, dass es zu wenig Kontrollen gibt. Vor allem bei Mittelständlern genießen die Mitarbeiter ein großes Vertrauen. Dies birgt jedoch die Gefahr, dass das Vertrauen missbraucht wird", so Steffen Salvenmoser, PwC-Partner im Bereich Forensic Accounting Services, gegenüber pressetext. Mit zwölf Einzeldelikten je Unternehmen sind deutsche Händler und Konsumgüterhersteller im Schnitt doppelt so häufig betroffen wie ausländische Wettbewerber. Aber auch branchenübergreifend sieht es mit 49 Prozent nur wenig besser aus.

Trotz der Steuer- und Umsatzausfälle bewerten Experten den Schaden jedoch weitaus höher. "Natürlich bleibt ein Restdunkelfeld bestehen, dass wir nicht ausleuchten können. Dennoch kommt der von uns methodologisch ermittelte Wert der Realität ziemlich nahe", unterstreicht Salvenmoser. Ungewöhnlich scharf kritisiert wird, dass es bei Handelsunternehmen und Konsumgüterherstellern deutlich seltener als bei ausländischen Gesellschaften umfassende systematische Kontrollmechanismen gibt. So werden Wirtschaftsstraftaten nach wie vor zum Großteil eher durch Zufall entdeckt und weniger durch zielgerichtete Überprüfungen interner Revisionsabteilungen. Selbst in anderen Wirtschaftsbranchen in der Bundesrepublik seien die Erfolgsquoten hierbei wesentlich höher. Die weltweit insgesamt 371 befragten Handels- und Konsumgüterproduzenten, die im Rahmen des "Global Economic Crime Survey 2007" untersucht wurden, müssen sich am häufigsten Betrug und Unterschlagung vorwerfen lassen.

Mit 45 Prozent ist fast jedes zweite Unternehmen von diesen Delikten betroffen. Trotz der für den PwC-Insider erschreckenden Zahl glaubt jeder fünfte Befragte (17 Prozent) nach wie vor, in den kommenden zwei Jahren Betrugs- oder Unterschlagungsopfer zu werden. Die Zeichen deuten jedoch nicht auf eine grundlegende Verbesserung der Situation hin, da nur jedes dritte Unternehmen der Branche keine Schutzvorkehrungen gegen Betrug und Unterschlagung treffen will. Handels- und Konsumgüterunternehmen in Deutschland reagieren damit deutlich sorgloser als ihre ausländischen Mitbewerber. So halten in Westeuropa nur 25 Prozent der Gesellschaften ihre Schutzmaßnahmen für ausreichend, in Nordamerika hingegen sind es sogar nur elf Prozent. "Gelegenheit macht Diebe. Insofern lohnen sich ab einer bestimmten Größe sogenannte ,Whisleblowing-Hotlines', auf denen Beschwerden von Unregelmäßigkeiten, Fehlverhalten und Missständen anonym und vertraulich abgegeben werden können", verdeutlicht Salvenmoser auf Nachfrage von pressetext.

Neben Betrug und Unterschlagung sind deutsche Handels- und Konsumgüterunternehmen im internationalen Vergleich auch überdurchschnittlich oft von Produktpiraterie und Industriespionage betroffen. So deckte jeder vierte Hersteller von 2005 bis 2007 mindestens ein Delikt auf. In Westeuropa taten dies lediglich 17 und weltweit 18 Prozent der Branchenunternehmen. Auch diese Straftaten werden in der Bundesrepublik unterschätzt, so halten es nur 14 Prozent der befragten Unternehmen für wahrscheinlich, in den nächsten zwei Jahren durch Produktpiraterie oder Industriespionage geschädigt zu werden. Als Konsequenz daraus halten 60 Prozent ihre Abwehrmaßnahmen in Deutschland für ausreichend. PwC vermutet anhand dieser Zahlen, dass viele Unternehmen den Schaden mit bis zu 232.000 Euro als vergleichsmäßig "überschaubar" bewerten. Die Studie zeigt aber, dass der Schaden in jedem vierten Fall zwischen einer und zehn Mio. Euro liegt, Folgekosten nicht ausgeschlossen.

Florian Fügemann | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com

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