Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anwender verstehen RFID-Technologie nicht

16.04.2008
Industrie-Projekte häufig unzureichend geplant

Anwender mit geringer Technikerfahrung verstehen nicht, wie RFID-Technologie (Radio Frequency Identification) funktioniert und erklären sie teils zu einem übernatürlichen Phänomen. Auch über sicherheitsrelevante Aspekete von RFID sind die Nutzer kaum informiert.

Das hat eine Studie von Forschern der University of California in Berkeley (UCB) ergeben, die anlässlich der USENIX Usability, Psychology, and Security Conference 2008 vorgestellt wurde. Eine Motivation hinter der Studie war, dass RFID zunehmend Verbreitung auch im Alltag findet, etwa im elektronischen Reisepass.

Technisch erfahrene User sind mit der Funktionsweise von RFID-Systemen vertraut und kennen auch Vorkehrungen zur Abschirmung der Signale, so eine positive Erkenntnis der UCB-Forscher. Bei anderen Nutzergruppen dagegen ergab sich ein wenig erfreuliches Bild. Zur Beschreibung der Funktechnologie griffen sie auf den nicht wirklich passenden Vergleich mit optischen Scansystemen zurück oder haben gar "Hexerei" oder "Magie" als Erklärung bemüht. Auch der Kenntnisstand in sicherheitsrelevanten Fragen erwies sich bei der Gruppe der wenig oder durchschnittlich technikerfahrenen Anwender als unzureichend. So sei weitgehend unbekannt, dass RFID-Chips über größere Entfernungen als nur einige Zentimeter, ohne visuelles oder hörbares Feedback und auch ohne Wissen des Trägers gelesen werden können.

Bedenklich erscheint den UCB-Forschern das Unwissen der Anwender nicht zuletzt angesichts der wachsenden Nutzung von RFID durch Regierungen und die Wirtschaft. Moderne Reisepässe in den USA ebenso wie in der EU sind ein Beispiel, wo RFID-Chips unter anderem zur Speicherung biometrischer Daten zum Einsatz kommen. Im bargeldlosen Zahlungsverkehr nutzt etwa Visas payWave-Karte für Zahlungen niedriger Beträge RFID. Laut Unternehmen wird die Karte in den USA bereits von über 32.000 Händlern akzeptiert. In der Schweiz wurde sie im Februar 2008 eingeführt. Pilotprojekte in Deutschland und Österreich sind angelaufen bzw. in Planung.

Auch für die Industrie ist RFID eine noch wenig vertraute Technologie. In deutschen Unternehmen bleibt das Potenzial von RFID indes weitgehend ungenutzt, wie eine Unternehmensbefragung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT http://www.ipt.franhofer.de und der P3 Ingenieursgesellschaft http://www.p3-group.com belegt. Dafür ist nicht zuletzt eine oft unzureichende Planung von Projekten verantwortlich. Von den teilnehmenden Unternehmen hatte sich ein Viertel für RFID entschieden, ohne die Wirtschaftlichkeit systematisch zu prüfen, während 30 Prozent keine technische Machbarkeitsstudie durchgeführt haben. Dabei wäre beides nicht nur wichtig, sondern sollte auch miteinander verknüpft werden. "Es gab noch nie eine Technologie, bei der das derart Hand in Hand gehen muss wie bei RFID", betont Ulf Glaser von der P3 Ingenieursgesellschaft gegenüber pressetext.

In der Praxis wüssten Unternehmen oft nicht genau genug, was sie von einem RFID-System eigentlich erwarten, so Glaser. Auch gäbe es häufig eine wenig strukturierte Vorgehensweise etwa bei der Prozessumstellung und im Rahmen der Umstellung notwendiger Tests. Ferner mangle es oft an der Einbeziehung verschiedener Unternehmensbereiche. Für Unternehmen sei eigenes technisches Know-how zu RFID aber letztendlich nicht so wichtig wie das Wissen, an welche Dienstleister sie sich zur Umsetzung entsprechender Projekte wenden können.

Thomas Pichler | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.berkeley.edu
http://www.usenix.org/events/upsec08

Weitere Berichte zu: Ingenieursgesellschaft RFID RFID-Technologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wenn das Smartphone zur Schuldenfalle wird
15.10.2018 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Atomare Verunreinigung ähnlich wie bei Edelsteinen dient als Quanten-Informationsspeicher
01.10.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Gravitationswellen die Dunkle Materie ausleuchten

Schwarze Löcher stossen zusammen, Gravitationswellen breiten sich durch die Raumzeit aus - und ein riesiges Messgerät ermöglicht es, die Struktur des Universums zu erkunden. Dies könnte bald Realität werden, wenn die Raumantenne LISA ihren Betrieb aufnimmt. UZH-Forschende zeigen nun, dass LISA auch Aufschluss über die schwer fassbaren Partikel der Dunklen Materie geben könnte.

Dank der Laserinterferometer-Raumantenne (LISA) können Astrophysiker Gravitationswellen beobachten, die von Schwarzen Löchern ausgesendet werden. Diese...

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Fokus

22.10.2018 | Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Chemie aus der Luft: atmosphärischem Stickstoff als Alternative

22.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Gebirge bereiten Boden für Artenreichtum

22.10.2018 | Geowissenschaften

Neuer Wirkstoff gegen Anthrax

22.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics