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Investitionen in frühkindliche Bildung bringen hohe Erträge und helfen Ungleichheit abzubauen

09.04.2008
Jeder Euro mehr, den der Staat für die Entwicklung von Fähigkeiten im frühen Kindesalter ausgibt, zahlt sich aus

Bei jährlichen Mehrausgaben von rund 660 Euro für die frühkindliche Bildung eines Kindes im Alter von einem bis sechs Jahren kann sich das spätere Lebenseinkommen des so geförderten Kindes um bis zu rund 55.590 Euro erhöhen.

Am stärksten profitieren von höheren Investitionen im frühen Kindesalter benachteiligte Kinder. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, in der die Erträge einer guten frühkindlichen Bildung quantifiziert werden.

Studien wie IGLU oder PISA belegen, dass die Ungleichheit von Fähigkeiten und gemessenen Schülerkompetenzen bereits sehr früh sichtbar und in hohem Maße vom Familienhintergrund abhängig ist. Denn für die Gehirnentwicklung sind die Erfahrungen in der frühen Kindheit, die das Kind im täglichen Umgang mit den Eltern und der Umgebung macht, strukturbildend, im Positiven wie im Negativen.

Kinder aus benachteiligten Verhältnissen sind daher stärker von Schulversagen und späterer Arbeitslosigkeit bedroht als ihre Altersgenossen in einem Umfeld aus kompetenten Erwachsenen, die sich hinreichend um diese Kinder kümmern. Vor diesem Hintergrund zeigt die Studie des ZEW, dass gerade Kinder mit zu geringen Investitionen in ihre Fähigkeiten überdurchschnittlich hohe Erträge von zusätzlichen frühkindlichen Bildungsinvestitionen erwarten können.

Um festzustellen, wie hoch die potenziellen Erträge zusätzlicher staatlicher Bildungsinvestitionen sein könnten, wird in der Studie des ZEW ein Simulationsmodell zur Humankapitalbildung über den Lebenszyklus mit Daten zur Ungleichheit von Schülerleistungen und Arbeitsverdiensten in Deutschland verbunden. Es zeigt sich, dass bei jährlichen Mehrausgaben von rund 660 Euro für die frühkindliche Entwicklung vom ersten bis sechsten Lebensjahr beachtliche Steigerungen des Lebenseinkommens erzielt werden können.

Bei den zehn Prozent der Kinder mit dem ungünstigsten familiären Hintergrund könnte die zusätzliche Förderung eine Erhöhung des Lebenseinkommens (bis 65 Jahre) um 55.590 Euro bewirken. Bei den zehn Prozent der Kinder mit dem günstigsten familiären Umfeld läge die Erhöhung immerhin noch bei 32.000 Euro.

Auch Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren würden von zusätzlichen staatlichen Investitionen in ihre Entwicklung profitieren, allerdings weniger stark.

Bei ihnen hätten staatliche Mehrausgaben von 430 Euro pro Kopf und Jahr in dieser Lebensspanne eine Erhöhung des Lebenseinkommens um bis zu 37.177 Euro für die zehn Prozent Kinder aus ungünstigsten familiären Verhältnissen zur Folge. Für die zehn Prozent der Kinder mit besonders günstigem familiären Umfeld würde sich das Lebenseinkommen um 21.000 Euro erhöhen.

Die Ergebnisse der ZEW-Studie zeigen somit, dass eine Politik, die das Humankapital erhöhen und Ungleichheit abbauen will, stärker in die frühkindliche Entwicklung von Fähigkeiten investieren müsste.

Die Untersuchung, die dieser Pressemitteilung zugrunde liegt (inklusive zahlreicher Tabellen und Grafiken), finden Sie als Internet-Download unter: ftp://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp08001.pdf

Gunter Grittmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de

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