Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie ressourceneffizient ist die Autoproduktion? Hersteller im Vergleich

28.03.2008
Neue Studie untersucht, wie effizient 16 internationale Autobauer mit Umweltressourcen, Mitarbeitern und Kapital wirtschaften.

Toyota und BMW machen das Rennen, sie erwirtschaften einen Milliarden-Mehrwert durch Ressourceneffizienz in der Produktion. Auch viele andere asiatische Hersteller im Ranking vorne.

Spätestens seit der letzten Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt wetteifern die Autobauer um den Ruf des klimafreundlichsten Automobilherstellers. Im Zentrum der Debatte stehen jedoch nur die Verbrauchswerte und CO2-Emissionen der Autos. Die ebenfalls signifikanten Umweltbelastungen durch die Automobilfabriken bleiben bisher außen vor.

Neue Methode: Nachhaltigkeit in Euro gemessen
Die neue internationale Studie "Sustainable Value in der Automobilproduktion" will diese Lücke schließen. Erstellt wurde die Studie von Wissenschaftlern des IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin und der Queen's University im nordirischen Belfast. Die Forscher listen akribisch auf: Wie hoch ist der Ausstoß an Klimagasen in den Fabriken? Wie viele Arbeitsunfälle passieren? Wie sparsam oder wie verschwenderisch gehen die einzelnen Autobauer im Vergleich zur Gesamtbranche mit den wichtigsten natürlichen Ressourcen um? Und wie viel Gewinn bzw. Verlust erzielen die Unternehmen mit diesen Ressourcen? Mit diesen Daten und dem neuen Sustainable-Value-Ansatz ermittelt die Studie, welche Automobilhersteller besonders ressourceneffizient produzieren. Das Ergebnis, der nachhaltige Mehrwert oder "Sustainable Value", wird in einer einzigen integrierten, monetären Kennzahl ausgedrückt. Prof. Dr. Frank Figge von der Queen's University Belfast erklärt: "Nachhaltigen Mehrwert - 'Sustainable Value' - erzielen Unternehmen immer dann, wenn sie ihre ökonomischen, ökologischen und sozialen Ressourcen effizienter einsetzen als die Konkurrenz. Mit dem Sustainable-Value-Ansatz können wir diesen Effizienzvorteil nun erstmals in Euro benennen ."
Fazit: Toyota und BMW machen das Rennen
Die Studie kommt zu einem klaren Fazit: Toyota und BMW sind Spitzenreiter, wenn bei der Herstellung von Autos nicht nur der Kapitaleinsatz, sondern auch der Umgang mit ökologischen und sozialen Ressourcen monetär bewertet wird. Im Jahr 2005 erwirtschaftete Toyota einen absoluten nachhaltigen Mehrwert ("Sustainable Value") von 6,50 Mrd. Euro, in deutlichem Abstand gefolgt von BMW mit 2,93 Mrd. Euro. Toyota hat daher mit seinen Ressourcen 6,50 Mrd. Euro mehr Gewinn erzielt als die Branche im Durchschnitt mit diesen Ressourcen erwirtschaftet hätte. Das Branchenschwergewicht Toyota führt das Ranking bei den absoluten Ergebnissen in allen sieben untersuchten Jahren an und weist dabei auch die stärkste positive Tendenz auf.
General Motors (GM) und FIAT Auto fahren hinterher
Toyota und BMW sind im Untersuchungszeitraum von 1999 bis 2005 auch die beiden Unternehmen mit der höchsten Nachhaltigkeitseffizienz. Zur Berechnung der Nachhaltigkeitseffizienz setzen die Wissenschaftler den Sustainable Value eines Unternehmens mit dem Umsatz ins Verhältnis. Dadurch wird die Unternehmensgröße berücksichtigt. Vor allem der mittelgroße Hersteller BMW punktet deutlich, sobald die Unternehmensgröße einbezogen wird. Pro Euro Umsatz erzielte BMW im Jahr 2005 6,3 Cent Sustainable Value, gefolgt von Toyota mit 5,9 Cent. Der Umweltwissenschaftler Dr. Tobias Hahn vom Berliner IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung: "Berücksichtigt man die Unternehmensgröße, kann sich BMW in sechs der sieben betrachteten Jahre als Branchenerster und somit vor dem Wettbewerber Toyota platzieren." Am unteren Ende des Rankings finden sich General Motors (GM) und FIAT Auto, die pro Euro Umsatz 8,9 Cent bzw. 4,8 Cent Sustainable Value verlieren.
Neun Indikatoren: Kapitaleinsatz, Emissionen, Arbeitsunfälle...
Die vorliegende Studie betrachtet insgesamt ein Indikatorenset von neun ökologischen, ökonomischen und sozialen Ressourcen - darunter: Kapitaleinsatz, Wasserverbrauch, Gesamtabfallmenge, Emissionen von Kohlendioxid, Stickstoffoxiden, Schwefeloxiden sowie von flüchtigen organischen Verbindungen. Des weiteren wurde die Zahl der Arbeitsplätze und der Arbeitsunfälle einbezogen. Die Bewertung basiert auf Daten und Informationen, die von den Unternehmen selbst veröffentlicht wurden. 16 der 20 weltweit größten Autobauer konnten so in dem Ranking berücksichtigt werden: BMW Group, Daihatsu, DaimlerChrysler, FIAT Auto, Ford, General Motors (GM), Honda, Hyundai, Isuzu, Mitsubishi, Nissan, PSA (Peugeot, Citroën), Renault, Suzuki, Toyota und die Volkswagen Gruppe.
Datenlage bei Porsche oder KIA lückenhaft
Bei anderen Autobauern wie Porsche oder KIA sowie Firmen aus Indien und China erwies sich die Datenlage als unzureichend. Dazu der Umweltwissenschaftler Ralf Barkemeyer von der Queen's University Belfast: "Die Berichterstattung einiger Automobilunternehmen ist leider so lückenhaft, dass eine sinnvolle Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung nicht möglich ist. In Einzelfällen hat die Qualität der Berichte in den letzten Jahren sogar noch nachgelassen."
Asiatische Hersteller besonders ressourceneffizient
In der Studie fällt auf, dass sich von den asiatischen Herstellern - neben Toyota - relativ viele über dem Branchendurchschnitt bewegen und mit einem durchgängig positiven Sustainable Value aufwarten: Hyundai, Nissan, Honda und - mit leichten Abstrichen - Suzuki.
Nordamerikanische Hersteller insgesamt schwach
Im Gegensatz zu den meisten asiatischen Autobauern schneiden die beiden nordamerikanischen Hersteller Ford und General Motors (GM) extrem schwach ab, wobei GM im gesamten Untersuchungszeitraum durch den stärksten Negativtrend überhaupt auffällt. General Motors wies 2005 einen absoluten negativen Sustainable Value von -13,72 Mrd. Euro auf.
Die meisten europäische Hersteller durchwachsen
Bei den europäischen Herstellern ergibt sich ein gemischtes Bild: Während DaimlerChrysler in fünf der sieben Jahre über dem Branchendurchschnitt liegt, schaffen es PSA, Renault und Volkswagen in maximal drei Jahren, sich über dem Branchendurchschnitt zu bewegen. FIAT Auto dagegen weist im Untersuchungszeitraum ausschließlich negative Werte aus. Die Turiner können sich aber damit trösten, dass ihre Daten für 2006 eine Trendwende ankündigen.
Bereits zwei Vorgängerstudien
Der der Studie zugrunde liegende Sustainable-Value-Ansatz wurde von den beteiligten Wissenschaftlern Dr. Tobias Hahn (IZT Berlin) und Prof. Dr. Frank Figge (Queen's University Belfast) entwickelt. Der Ansatz wurde in den letzten Jahren bereits in zwei umfangreichen durch die Europäische Kommission bzw. das Bundesforschungsministerium finanzierten Vergleichsstudien angewandt und verfeinert. Bereits diese Studien deuteten auf recht große Effizienzunterschiede in der Automobilbranche hin, waren jedoch auf europäische bzw. deutsche Hersteller beschränkt. Die BMW Group war daran interessiert, den eigenen Effizienzvorteil im weltweiten Branchenvergleich bewerten zu lassen und hat daher die vorliegende Anwendung auf die Automobilindustrie maßgeblich finanziert. Die Studie fördert unerwartet große Effizienzunterschiede in der Automobilproduktion zutage. Dies zeigt, dass nicht nur beim Flottenverbrauch, sondern auch in der Automobilherstellung noch erhebliche Nachhaltigkeitspotenziale schlummern.
Download
Ein kostenloser Download der Studie sowie weitere Erläuterungen zur Sustainable-Value-Methode finden sich unter:
http://www.sustainablevalue.com
Direkter Link zum Download:
http://www.sustainablevalue.com/downloads/sustainablevalueinderautomobilproduktion.pdf
Kontakte
Pressestelle IZT:
· Barbara Debus, IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Schopenhauerstr. 26, D-14129 Berlin, E-Mail: b.debus@izt.de, Tel.: +49-30-803088-45, Fax: +49-30-803088-88
Fachliche Ansprechpartner:
· Dr. Tobias Hahn, IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin, E-Mail: t.hahn@izt.de, Tel.: +49-30-803088-24, Fax: +49-30-803088-88
... mehr zu:
»IZT »Ressource

· Prof. Dr. Frank Figge, Queen's University Belfast, E-Mail: figge@sustainablevalue.com, Tel.: +44-7924-431163 / Tel.: +44 (0) 28 9097-1363

Weitere Informationen:
http://www.izt.de, unabhängiges Forschungsinstitut, das Studie veröffentlichte
http://www.sustainablevalue.com, Nachhaltigkeit in Euro gemessen - alle Studien
http://www.new-projekt.de, BMBF-Forschungsprojekt mit gleicher Methodik
http://www.advance-project.org, EU-Forschungsprojekt mit gleicher Methodik

Barbara Debus | idw
Weitere Informationen:
http://www.izt.de/

Weitere Berichte zu: IZT Ressource

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wenn das Smartphone zur Schuldenfalle wird
15.10.2018 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Atomare Verunreinigung ähnlich wie bei Edelsteinen dient als Quanten-Informationsspeicher
01.10.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Im Focus: Storage & Transport of highly volatile Gases made safer & cheaper by the use of “Kinetic Trapping"

Augsburg chemists present a new technology for compressing, storing and transporting highly volatile gases in porous frameworks/New prospects for gas-powered vehicles

Storage of highly volatile gases has always been a major technological challenge, not least for use in the automotive sector, for, for example, methane or...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2018

16.10.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Medizin

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sinneswahrnehmung ist keine Einbahnstraße

17.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Space Farming dank Pflanzenhormon Strigolacton

17.10.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Oberflächen mit flexiblen und handlichen Plasmaquellen aktivieren

17.10.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics