Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jedes Land ist sich selbst kurzsichtig am nächsten: RUB-Studie über politische Positionen in Global Economic Governance

27.02.2008
Warum weltweite Kooperation oft nicht gelingt

Selbst wenn man durch Kooperation langfristig gewinnen kann - wenn es ans Eingemachte geht, ist oft jeder kurzsichtig sich selbst der nächste. Was in menschlichen Beziehungen gilt, gilt auch zwischen Staaten. Nicht der allgemeine Globalisierungsdruck, sondern zumeist die Interessen von Lobbygruppen oder kulturelle Normen bestimmen die Position von Staaten in internationalen Verhandlungen. Neue Steuerungs- und Regelsysteme der so genannten Global Governance bleiben daher oftmals auf der Strecke. Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Dr. Stefan A. Schirm (Internationale Politik. Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum) in einer Studie zu "Global Governance". Das Projekt wurde zwei Jahre lang von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.

Bestehende Uneinigkeiten

Globalisierung bringt nicht nur neue Chancen auf Wohlstand, sondern auch neue Risiken für die Weltwirtschaft. In seiner Studie zeigt Prof. Schirm mit seinem Team, dass trotz gemeinsamen Interessen an der Verbesserung der Weltwirtschaft sich Industrie- und Entwicklungsländer oftmals nicht einigen oder gemeinsame kollektive Ordnungsmuster finden können. Während z.B. nach langen Verhandlungen zwar neue Standards für Banken im Basel II Abkommen vereinbart wurden, konnte keine Einigung über eine Reform des Internationalen Währungsfonds (IWF) als Hüter der globalen Finanzmarktstabilität erreicht werden. Auch eine Reform der Welthandelsorganisation (WTO) mißlang, und die aktuellen Verhandlungen in der sogenannten WTO-Entwicklungsrunde von Doha sind sogar zum Stillstand gekommen.

... mehr zu:
»Globalisierung »WTO

Die Frage nach den Ursachen

Wenn es ans "Eingemachte" geht und spezielle Interessen zurückgestellt werden sollen, zögern die meisten Staaten, obwohl kaum einer an der Globalisierung noch vorbeikommt. Gesellschaftliche Interessen und langlebige kulturelle Normen bestimmen Regierungspositionen und sind ein wesentlicher Grund für das Scheitern von Verhandlungen.. Das Team untersuchte die Bedingungen unter denen entweder ideelle Normen der Gesellschaft oder materielle Interessen von Lobbygruppen die Positionen der jeweiligen Regierungen prägten.

Interessenbeispiel Welthandelsorganisation

Die beiden im Projekt untersuchten Länder Deutschland und die USA sind zwar für eine Verbesserung der Global Governance, unterscheiden sich aber deutlich in ihren entsprechenden politischen Positionen . Bei der Reform der Welthandelsorganisation (WTO) sind vordergründig materielle Interessen relevant. Deutschland ist bereit, interneStützungsmaßnahmen und Exportsubventionen im Agrarbereich zu reduzieren, um im Gegenzug die Öffnung von Industrie-Sektoren in Schwellenländern wie Brasilien und Indien voranzubringen. Die USA fordern dagegen die Marktöffnung im Industrie- und Agrarbereich, während sie interne Stützungsmaßnahmen für die Landwirtschaft stärker erhalten wollen. Den Schwellenländern gehen diese uneinheitlichen Zugeständnisse der Industrieländer aber nicht weit genug. Die WTO-Verhandlungen drohen zu scheitern.

Ein deutliches Ergebnis

So resümiert Prof. Schirm: "Nicht der Globalisierungsdruck oder der internationale Einfluss, sondern die Interessen und Normen innerhalb der Länder bestimmten in erster Linie die nationalen Positionen". Das gilt auch in Zeiten der Globalisierung, in der Kooperation angesagt sein sollte. Dabei hatten materielle Interessen einen stärkeren Einfluss auf Regierungspositionen zu Global Governance als ideelle Normen, wenn Interessengruppen spezifisch betroffen waren, wie etwa bei der WTO und den Bankenstandards in Basel II. Bei der Reform des IWF dominierten dagegen unterschiedliche ideelle Normen und Werte zwischen den USA und Deutschland etwa zur Solidarität mit Entwicklungsländern bzw. deren Eigenverantwortung und zum Vertrauen in Marktkräfte bzw. in den Einfluss des Staates.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Stefan A. Schirm, Fakultät für Sozialwissenschaft, GC 04/706, 0234/32-23017, E-Mail: Stefan.Schirm@rub.de, der Projekt-Abschlussbericht steht zum Herunterladen im Internet: http://www.rub.de/lsip/abschlussdfg

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/lsip/abschlussdfg

Weitere Berichte zu: Globalisierung WTO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht SGLT2-Hemmer verlangsamen das Fortschreiten der chronischen Nierenkrankheit
15.04.2019 | Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)

nachricht Greifswalder Wissenschaftler wollen neues Verfahren bei Sprachverlust nach Schlaganfall etablieren
01.04.2019 | Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Explosion on Jupiter-sized star 10 times more powerful than ever seen on our sun

A stellar flare 10 times more powerful than anything seen on our sun has burst from an ultracool star almost the same size as Jupiter

  • Coolest and smallest star to produce a superflare found
  • Star is a tenth of the radius of our Sun
  • Researchers led by University of Warwick could only see...

Im Focus: Neues „Baustein-Konzept“ für die additive Fertigung

Volkswagenstiftung fördert Wissenschaftler aus dem IPF Dresden bei der Erkundung eines innovativen neuen Ansatzes im 3D-Druck

Im Rahmen Ihrer Initiative „Experiment! - Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“
fördert die VolkswagenStiftung ein Projekt, das von Herrn Dr. Julian...

Im Focus: Vergangenheit trifft Zukunft

autartec®-Haus am Fuß der F60 fertiggestellt

Der Hafen des Bergheider Sees beherbergt seinen ersten Bewohner. Das schwimmende autartec®-Haus – entstanden im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung...

Im Focus: Hybrid-Neuronen-Netzwerke mit 3D-Lithografie möglich

Netzwerken aus wenigen Neuronenzellen können gezielt künstliche dreidimensionale Strukturen vorgegeben werden. Sie werden dafür elektronisch verschaltet. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, Fehler in neuralen Netzwerken besser zu verstehen und technische Anwendungen mit lebenden Zellen gezielter zu steuern. Dies stellt ein Team aus Forschenden aus Greifswald und Hamburg in einer Publikation in der Fachzeitschrift „Advanced Biosystems“ vor.

Eine der zentralen Fragen der Lebenswissenschaften ist, die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen. Komplexe Abläufe im Gehirn ermöglichen uns, schnell Muster...

Im Focus: Was geschieht im Körper von ALS-Patienten?

Wissenschaftler der TU Dresden finden Wege, um das Absterben von Nervenzellen zu verringern und erforschen Therapieansätze zur Behandlung von ALS

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Nicht selten verläuft ALS nach der Diagnose innerhalb...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Irdischer Schutz für außerirdisches Metall

18.04.2019 | Verfahrenstechnologie

Erster astrophysikalischer Nachweis des Heliumhydrid-Ions

18.04.2019 | Physik Astronomie

Radioteleskop LOFAR blickt tief in den Blitz

18.04.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics