Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antidepressiva haben nur geringe Wirkung

27.02.2008
Medikamente helfen nur bei sehr schweren Depressionen wirklich

Die neue Generation von Antidepressiva bringt für die meisten Patienten nur wenige klinische Vorteile. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der University of Hull gekommen. Das Team um Irving Kirsch kam zu dem Schluss, dass diese Medikamente aktiv nur einer kleinen Gruppe von sehr schwer Depressiven hilft.

Die Hersteller von Prozac und Seroxat, zwei der am meisten verbreiteten Antidepressiva, argumentierten gegen die Ergebnisse der Studie. Ein Sprecher von GlaxoSmithKline betonte, dass die Studie nur einen kleinen Teil der gesamten Datenmenge berücksichtigt habe. Prozac-Hersteller Eli Lilly erklärte, dass Forschung und Praxis bewiesen hätten, dass das Medikament wirksam sei. Details der Studie wurden in PLoS Medicine http://medicine.plosjournals.org/perlserv/?request=index-html&issn=1549-1676 veröffentlicht.

Der britische Gesundheitsminister Alan Johnson hat laut BBC angekündigt, dass in den nächsten drei Jahren speziell für Gesprächstherapien 3.600 Therapeuten ausgebildet werden. Der Minister hält diese Form der Behandlung für eine bessere Alternative als Medikamente. Die Forscher gehen davon aus, dass viele Menschen glauben, dass die Medikamente wirksam sind. Sie argumentieren, dass es sich dabei auch um einen Placebo-Effekt handeln könne. Die Patienten fühlen sich besser, nur weil sie ein Medikament einnehmen, von dem sie glauben, dass es ihnen helfen wird. Insgesamt analysierte das Team die Daten von 47 klinischen Studien. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf Medikamente, die die Serotonin-Werte im Gehirn kontrollieren. Dazu gehörte neben Proxac und Seroxat auch Efexor. Alle drei Medikamente werden in Großbritannien regelmäßig verschrieben.

2006 erreichte die Anzahl der Verschreibungen in England ein Rekordhoch von mehr als 31 Millionen. Offizielle Richtlinien betonen jedoch, dass diese Medikamente bei leichten Depressionen nicht die erste Behandlungsalternative sein sollten. Allein die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wurde 16,2 Millionen Mal verschrieben. Die Forscher wiesen nach, dass diese Medikamente bei leichten Depressionen eine positive Wirkung hatten. Diese Wirkung unterschied sich allerdings nicht von der, die auch ein Blindpräparat erzielte. Bei schweren Symptomen schien die Wirkung ausgeprägt zu sein. Das könnte aber auch darauf zurückzuführen sein, dass die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion auf ein Blindpräparat geringer ist. Laut Kirsch ist der Unterschied zwischen den Antidepressiva und den Blindpräparaten nicht so groß. "Das bedeutet, dass es depressiven Menschen auch ohne Medikamente besser gehen kann."

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.hull.ac.uk
http://www.gsk.com
http://www.lilly.com

Weitere Berichte zu: Antidepressivum Blindpräparat Depression

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Blinddarmentzündungen bei Kindern: Ultraschall als erstes Mittel zur exakten Diagnose
28.11.2019 | Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

nachricht Biologen der TU Dresden untersuchen Spermienqualität anhand ihres Stoffwechsels
28.11.2019 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Die Geminiden, die Mitte Dezember zu sehen sind, sind der "zuverlässigste" der großen Sternschnuppen-Ströme mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde. Leider stört in diesem Jahr der Mond zur besten Beobachtungszeit.

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember immer für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. In diesem Jahr sind die...

Im Focus: Electronic map reveals 'rules of the road' in superconductor

Band structure map exposes iron selenide's enigmatic electronic signature

Using a clever technique that causes unruly crystals of iron selenide to snap into alignment, Rice University physicists have drawn a detailed map that reveals...

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wie ein Elfmeterschießen im Gehirn entschieden wird

09.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

09.12.2019 | Physik Astronomie

AIRPoRT: Mehr IT-Sicherheit in der Produktion

09.12.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics