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Junge Türken sind Motor der Integration

12.02.2008
Eine aktuelle Langzeitstudie der Uni Würzburg zeigt eine zunehmende Integrationsbereitschaft bei Jugendlichen türkischer Herkunft.

Vor allem der Wunsch nach Kontakt zu Deutschen und die Bereitschaft, deutsch zu sprechen, sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen.

Junge Türken integrieren sich zunehmend besser in die Gesellschaft; gleichzeitig sind sie Motor für die Integration dieser Migrantengruppe. Dies zeigen die Ergebnisse einer Studie der Universität Würzburg, für die Wissenschaftler insgesamt 1.099 junge Türken in den Jahren 2005 und 2007 befragt hatten. Innerhalb dieser zwei Jahre ist nicht nur der Anteil türkischer Jugendlicher gestiegen, die auch deutsche Freunde haben wollen.

Vergrößert hat sich ebenso der Teil der Befragten, denen es wichtig ist, sich in ihrer Herkunftssprache und in Deutsch gut verständigen zu können. Gerade der Sprachgebrauch wirkt dabei in die Familien hinein: Immer mehr türkische Jugendliche sprechen mit ihren Eltern zu Hause auch deutsch.

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"Insgesamt hat uns sehr überrascht", so Professor Heinz Reinders, Projektleiter der Studie, "dass im vergleichsweise kurzen Zeitraum von zwei Jahren deutliche Veränderungen in Richtung Integration stattgefunden haben". So sei der Anteil junger Türken, deren Freunde aus türkischen und deutschen Jugendlichen bestehen, von 57,2 Prozent im Jahr 2005 auf 62,9 Prozent im Jahr 2007 gestiegen.

Gleichzeitig sei bei den türkischen Mädchen und Jungen im Alter von zwölf bis 17 Jahren auch die kulturelle Kompetenz gewachsen. Immerhin 61,1 Prozent der Befragten fühlten sich 2007 sicher im Umgang mit der deutschen Kultur. 2005 lag dieser Anteil noch bei 55,9 Prozent.

Das Gefühl der Benachteiligung sinkt

"Wir denken, dass hier der Rückgang eine Rolle spielt, den wir bei der empfundenen Benachteiligung sehen", so Reinders. Fühlte sich 2005 noch ein Viertel der jungen Migranten von den Deutschen benachteiligt, so sank dieser Anteil auf etwa ein Fünftel. Es sei daher zu vermuten, dass junge Türken die deutsche Gesellschaft als offener erleben und deshalb auch eher bereit sind, sich in diese Kultur zu integrieren.

So ist nach Reinders Worten zu erklären, dass der Anteil Jugendlicher, die sich in ihre türkische Kultur zurückziehen wollen, im betrachteten Zeitraum leicht von 30,5 auf 27,1 Prozent gesunken ist. Umgekehrt stieg das Interesse, sich der deutschen Kultur anzunähern. 48,4 Prozent sagten 2007 in der Fragebogenstudie, dass sie gerne mehr deutsche Freunde hätten und sich eine stärkere Orientierung an der Aufnahmegesellschaft vorstellen könnten. Dies sind knapp vier Prozent mehr als zwei Jahre zuvor.

Reinders, der an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung inne hat, resümiert die Ergebnisse so: "Was wir hier erleben, ist ein Generationswechsel, bei dem die Jugendlichen zumindest teilweise ihre Integrationsvorstellungen in die Familie hineintragen". Es sei äußerst spannend, dass innerhalb der zwei Jahre immer mehr türkische Jugendliche zu Hause mit den Eltern auch deutsch sprächen. 2005 gaben 55,7 Prozent der Jugendlichen an, nicht nur türkisch mit Vater oder Mutter zu sprechen, sondern eben auch deutsch. Bis 2007 stieg der Anteil deutlich auf 62,4 Prozent.

Kriminalisierung oder Diskriminierung schaden

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um die Integration von Migranten sind die Befunde laut Reinders sehr aufschlussreich. Es gelte, die Integrationsbestrebungen dieser jungen Türkinnen und Türken zu unterstützen statt sie durch Kriminalisierung oder Diskriminierung zu behindern.

"Was wir brauchen ist eine konstruktive Debatte zu dem, was wir 'kulturbewusste' Integration nennen. Nur wer weiß, worin seine kulturelle Identität wurzelt, kann sich offen und neugierig auf die Kultur der Aufnahmegesellschaft zu bewegen". Dies gelinge den türkischen Jugendlichen offensichtlich sehr gut und sie seien dabei sehr selbstbewusst. Mittlerweile finde ein Viertel der befragten Jugendlichen, dass sie sehr gute Deutschkenntnisse haben, ein weiteres Viertel halte die eigene Sprachkompetenz in Deutsch für gut.

"Wir sind gespannt, wie sich dieser Trend weiter entwickelt und ob diese Jugendlichen als Motor der Integration weiter an Fahrt gewinnen", so Reinders, der die Befragung 2008 fortsetzen will.

Angaben zur Studie:
Es handelt sich um Langzeitstudie mit insgesamt drei Befragungen im Jahr 2005, 2007 und 2008, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Befragt wurden Schüler von Hauptschulen aus dem Rhein-Neckar-Raum der Klassenstufen 7 bis 9 im Alter von zwölf bis 17 Jahren; 45 Prozent der Befragten sind Mädchen. Es ergeben sich keine nennenswerten Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Die Herkunft der Jugendlichen wurde über das Herkunftsland von Vater und Mutter ermittelt
Angaben zum Projektleiter:
Prof. Dr. Heinz Reinders, Erziehungswissenschaftler, Jg. 1972, Professor für Empirische Bildungsforschung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Jugend und Migration sowie Sozialisation im Jugendalter. Kontakt: T: (0931) 888 5563 / -5566; E-Mail: heinz.reinders@uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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