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Heirat mit entfernten Verwandten bringt mehr Nachwuchs

11.02.2008
Umfassende Genstudie in Island weist verblüffende Ergebnisse auf

Wenn man einen entfernten Verwandten ehelicht, dann könnte das zu einer größeren Zahl an Nachkommen führen. Zumindest haben isländische Forscher dies anhand einer großen Gen-Studie in ihrem Land herausgefunden. Das Ergebnis hat das isländische Unternehmen deCode in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science veröffentlicht. Am "fruchtbarsten" waren demnach Cousinen und Cousins dritten und vierten Grades. Die isländischen Forscher haben insgesamt mehr als 160.000 Paare in den vergangenen 165 Jahren untersucht.

Möglicherweise sind entfernte Verwandte biologisch besser kompatibel, meinen die Gen-Experten von deCode. Ein Vorteil in Beziehungen zwischen Cousins ersten Grades konnte hingegen nicht festgestellt werden. Dass entfernte Verwandte, wenn sie einander ehelichen, mehr Nachwuchs zeugen, vermuten Wissenschaftler bereits seit längerem. Unklar schien hingegen zu sein, ob diese Resultate auf Ähnlichkeiten in ihrer Genetik oder lediglich auf Differenzen in den Gesellschaften, in denen solche Beziehungen üblich sind, basieren. Untersuchungen, wie sie nun in Island vorgenommen wurden, geben relativ genau Auskunft, denn deCode verfügt über detaillierte genetische Informationen der rund 280.000 Insulaner in Nordeuropa.

Zwischen 1800 und 1824 beispielsweise hatten Paare, die Cousins dritten Grades waren, im Durchschnitt 4,04 Kinder und 9,17 Enkel. Im Vergleich dazu hatten noch weiter entfernt Verwandte 3,34 Kinder und 7,31 Enkel. Ähnlich war das Verhältnis auch zwischen 1924 und 1949. Ähnliche Verhältnisse ergaben sich für Cousins vierten Grades. Bei noch näher verwandten Paaren konnten die Forscher zwar eine größere Zahl an Nachkommen feststellen, allerdings starben die Kinder früher und hatten selbst weniger Nachkommen. Das könnte wiederum bedeuten, dass es deutliche Anzeichen genetischer Nachteile gebe, wenn näher Verwandte heiraten und Kinder bekommen.

In der Wissenschaft haben Forscher immer wieder die Vorteile von neuen Genen, also nicht verwandten Eltern, betont. Zudem gehen die Forscher davon aus, dass sich dadurch auch Erbkrankheiten besser verhindern lassen. "In westlichen Gesellschaften bekommt man den Eindruck, dass Heirat unter Verwandten schlecht ist", meint der Human-Genetiker Alan Bittles von der Edith Cowan University in Perth. Das sei im 19. Jahrhundert allerdings völlig anders gewesen. In der Geschichte habe sich allerdings gezeigt, dass Inzucht in Königshäusern zu schweren Problemen bei Nachkommen geführt habe.

"Die neuen Ergebnisse deuten allerdings daraufhin, dass es nicht immer so sein muss", so Kari Stefansson von deCode. Daten über den Gesundheitszustand der Kinder gibt es hingegen nicht. In der Wissenschaft wird genetische Fitness allerdings auch damit beschrieben, nachzurechnen wie viele Nachkommen die Kinder ihrerseits wiederum haben. Dabei scheint es zumindest so zu sein, dass Cousins und Cousinen im dritten und vierten Grad gute Voraussetzungen mitbringen.

DeCode genetics ist ein isländisches Pharmaunternehmen mit Sitz in Reykjavík. Das Unternehmen wurde 1998 gegründet und ist federführend bei der genetischen Untersuchung der Bevölkerung Islands anhand von Blut- und Gewebeproben, Familienstammbäumen und Krankenakten. Die Nutzungsrechte an den Ergebnissen hat der Pharmakonzern Hoffmann-La Roche erworben.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.decode.com
http://www.ecu.edu.au

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