Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gläubigerschutz im HGB?

28.01.2008
Deloitte-Studie "Gläubigerschutz durch bilanzielle Kapitalerhaltung" zeigt: Unternehmen bilden freiwillig stille Reserven/Positive Einstellung gegenüber Solvenztests

Aktuelle Gesetzesentwürfe für einen verbesserten Gläubigerschutz wie das MoMiG oder das BilMoG eignen sich laut der Umfrage "Gläubigerschutz durch bilanzielle Kapitalerhaltung" von den Universitäten Duisburg-Essen und Ulm sowie Deloitte unter 2000 deutschen Unternehmen hierfür nur teilweise. Der Solvenztest als alternatives Instrument der Ausschüttungsbemessung wird hingegen als unproblematisch gesehen. Insgesamt bilden heute knapp drei Viertel der Unternehmen freiwillige Rücklagen, mehr als vier Fünftel weisen ein höheres Nennkapital als das gesetzlich vorgeschriebene Mindestkapital auf - und sorgen so für einen verbesserten Schutz der Gläubiger.

"Die zunehmende Verbreitung der IFRS und aktueller Regulierungsinitiativen wie der Entwurf zum 'Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen' (MoMiG) sowie der Referentenentwurf zum 'Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz' (BilMoG) können die Effektivität des Gläubigerschutzes durch bilanzielle Kapitalerhaltung zukünftig maßgeblich beeinflussen", betont Dieter Schlereth, Geschäftsführender Partner bei Deloitte.

Absenkung des Mindestkapitals sorgt für Skepsis

Insbesondere die im MoMiG vorgesehene Absenkung des Mindestkapitals von GmbH wird sich nach Ansicht von zwei Dritteln der Befragten negativ auf den Gläubigerschutz auswirken. Die meisten Unternehmen tendieren jedoch gegenwärtig dazu, ihre Eigenkapitalbasis unabhängig davon zu stärken: entweder durch freiwillige Rücklagen oder durch freiwillige Ausweisung eines höheren Nennkapitals als das gesetzliche Mindestkapital.

Am häufigsten wurde aber ein anderes Wahlrecht mit potenziell Gläubiger schützender Wirkung genannt: 87 Prozent der Befragten gaben an, Aufwendungen, die dem laufenden Geschäftsjahr oder früheren Jahren zuzurechnen sind, als Aufwandsrückstellung zu passivieren, statt sie in späteren Geschäftsjahren als Aufwand zu erfassen. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen degressive statt lineare Abschreibungen.

"Insgesamt ergibt sich ein uneinheitliches Bild: Einerseits werden schon heute die Wahlrechte, die prinzipiell zum Gläubigerschutz geeignet sind, von der Mehrheit genutzt. Andererseits geben die Unternehmen an, dies weniger aus Gründen des Gläubigerschutzes zu betreiben, sondern eher zur Abbildung der tatsächlichen Unternehmenslage", kommentiert Dieter Schlereth.

Solvenztest ist weitgehend unproblematisch

Insbesondere der sogenannte Solvenztest wird als alternatives Instrument diskutiert, um künftig potenziell Gläubiger schädigende Ausschüttungen zu verhindern. Der Solvenztest verlangt von der Geschäftsleitung eine Prüfung, ob das Unternehmen für einen bestimmten Zeitraum nach der Ausschüttung über ausreichend liquide Mittel verfügt. Nach ihrer Einschätzung in Hinblick auf realistische Zeiträume gefragt, gab die Mehrzahl der Unternehmen (62 Prozent) eine Frist von zwölf Monaten als praktikabel an, immerhin noch 17 Prozent würden auch eine doppelt so lange Frist in Betracht ziehen.

Die Prognoseerstellung zur Einschätzung der Liquidität hält der überwiegende Teil der Unternehmen für weitgehend unproblematisch. Zudem ist mehr als die Hälfte der Meinung, die ermittelten Werte seien größtenteils zuverlässig. Jedoch nimmt die Skepsis deutlich zu, wenn sich die Prognose nicht nur auf Einzel-, sondern auch auf Konzernabschlüsse bezieht.

"Das deutsche HGB nutzt das Vorsichtsprinzip als Leitlinie unter anderem zum Schutz von Gläubigerinteressen. Darüber hinaus können die Unternehmen den Gläubigerschutz aber durch Anwendung entsprechender Wahlrechte stärken oder schwächen. Die Mehrheit der befragten Unternehmen neigt im Zweifel zur Bildung von mehr statt weniger stiller Reserven und Rücklagen - was unabhängig von der jeweiligen Motivation gut für die Gläubiger ist", resümiert Dieter Schlereth.

Die komplette Studie finden Sie unter https://cms.deloitte.com/dtt
/research/0%2C1015%2Ccid%25253D187589%252526pre%25253DY%252526lid%252
53D15%252526new%25253DU%2C00.html zum Download.
Deloitte Deutschland
Deloitte ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsgesellschaften in Deutschland. Das breite Leistungsspektrum umfasst Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate Finance-Beratung. Mit 4.000 Mitarbeitern in 18 Niederlassungen betreut Deloitte seit mehr als 100 Jahren Unternehmen und Institutionen jeder Rechtsform und Größe aus allen Wirtschaftszweigen. Über den Verbund Deloitte Touche Tohmatsu ist Deloitte mit rund 150.000 Mitarbeitern in nahezu 140 Ländern auf der ganzen Welt vertreten.

Deloitte bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu, einen Verein schweizerischen Rechts, dessen Mitgliedsunternehmen einschließlich der mit diesen verbundenen Gesellschaften. Als Verein schweizerischen Rechts haften weder Deloitte Touche Tohmatsu als Verein noch dessen Mitgliedsunternehmen für das Handeln oder Unterlassen des/der jeweils anderen. Jedes Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig, auch wenn es unter dem Namen "Deloitte", "Deloitte & Touche", "Deloitte Touche Tohmatsu" oder einem damit verbundenen Namen auftritt. Leistungen werden jeweils durch die einzelnen Mitgliedsunternehmen, nicht jedoch durch den Verein Deloitte Touche Tohmatsu erbracht. Copyright © 2008 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Alle Rechte vorbehalten.

Isabel Milojevic | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.deloitte.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Blinddarmentzündungen bei Kindern: Ultraschall als erstes Mittel zur exakten Diagnose
28.11.2019 | Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

nachricht Biologen der TU Dresden untersuchen Spermienqualität anhand ihres Stoffwechsels
28.11.2019 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

RNA-Modifikation - Umbau unter Druck

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Der Versteppung vorbeugen

06.12.2019 | Geowissenschaften

Verstopfung in Abwehrzellen löst Entzündung aus

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics