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In Gefangenschaft geborene Raubtiere überleben Wildnis kaum

28.01.2008
Umweltschutzprogramme laut Forscher wichtiger als Nachzucht in Zoos

Große Raubtiere, die in Gefangenschaft geboren werden, haben fast keine Chance in der Wildnis zu überleben. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Studie der University of Exeter im Wissenschaftsmagazin National Geographic. Die Forscher haben 45 Fleischfresser wie etwa Wölfe oder Tiger untersucht, die in Zoos geboren wurden.

"Tiere in Gefangenschaft haben die natürlichen Verhaltensweisen, die ihnen das Überleben in der Wildnis garantiert, verlernt", so Studienleiterin Kristen Jule. Die Forscher kommen zum Schluss, dass die Überlebensrate bei etwa eins zu drei liegt. Ein weiterer Grund für das Scheitern in der Freiheit sehen die Forscher in der fehlenden Distanz zum Menschen. Der Verdacht, dass in Gefangenschaft geborene Tiere schlechtere Überlebenschancen haben, habe bereits vor der Studie bestanden. "Das Ergebnis macht nun deutlich, wie dramatisch die Situation tatsächlich ist", schreibt die Forscherin.

Insgesamt wurden 17 verschiedenen Tierspezies bei der Auswilderung beobachtet: Neben Tigern, Wölfen waren es auch Luchse, Geparden, Braunbären und Otter. Mehr als die Hälfte der Todesursachen waren auf Begegnungen mit Menschen zurückzuführen. Dazu zählten auch Kollisionen mit Autos. Tiere, die in Gefangenschaft aufwuchsen, hatten es auch bei der Nahrungsbeschaffung schwerer als ihre in Freiheit geborenen Artgenossen. Zudem waren sie anfälliger für Viren und Krankheiten.

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Dramatisch war die Entwicklung bei freigelassenen afrikanischen Wildhunden, die in Gefangenschaft zur Welt kamen. "Viele von ihnen wurden erschossen, vergiftet oder gerieten in Fallen", so Jule. Zudem wurden sie auch häufig Opfer von Angriffen durch Löwen. "Generell konnten wir feststellen, dass die in Gefangenschaft aufgewachsenen Tiere weniger Angst vor anderen Raubtieren zeigten als ihre Artgenossen in freier Wildbahn." Die Nachteile wurden auch beim Sozialverhalten mit anderen Artgenossen evident. Männliche Otter und amerikanische Kitfüchse waren auf Partnersuche in der Natur nicht erfolgreich. Offensichtlich konnten sie mit anderen Rivalen nicht oder nur schlecht umgehen. Auch beim Abstecken eigener Territorien waren die freigelassenen Männchen benachteiligt.

Für die Forscher machen die Untersuchungen deutlich, dass Umweltschutzprogramme für viele Tiere besser geeignet sind, als Nachzuchtprojekte in Tiergärten. "Dennoch erfüllen auch in Gefangenschaft lebende Tiere einen wichtigen Zweck, vor allem dann, wenn es in freier Wildbahn nicht mehr genug Spezies gibt." Die Forscherin betont, dass sich Zoos, die solche Nachzuchtprogramme durchführen, sich genauer mit den Folgen der Freilassung und den damit verbundenen Problemen beschäftigen müssen. Wesentlich sei auch, dass Tiere, die dann später in die Wildnis entlassen werden, ihren Jagdinstinkt nicht verlieren.

Experten wie etwa Sarah Christie von der Zoological Society in London bestätigen die Erkenntnisse. "Die meisten Zoos, die solche Nachzuchtprojekte heute durchführen, wissen genau, was sie zu beachten haben. Früher gab es zum Teil schwerwiegende Wissensmängel." Christie arbeitet derzeit an einem Projekt zur Wiedereinführung der inzwischen in freier Wildbahn fast komplett ausgestorbenen Amur-Leoparden (Panthera pardus orientalis) in Russland. "Wir würden nicht im Traum daran denken, ein Tier in die Freiheit zu entlassen, das Zeit seines Lebens von Menschen umgeben war." Ein erfolgreiches Nachzuchtprojekt mache es nötig die Tiere in bereits großen Arealen, die dem natürlichen Lebensraum entsprechen, aufzuziehen. "Die Tiere wachsen praktisch in Freiheit auf und erhalten als Nahrung lebende Beute, die sie jagen müssen. Freigelassen werden ausschließlich Jungtiere, die keinen Kontakt zu Menschen gehabt haben."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.exeter.ac.uk
http://www.amur-leopard.org

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