Risiko "Fettleber" das erste Mal wissenschaftlich untersucht

Bei jedem fünften Erwachsenen im Nordosten lässt sich eine Fettleber* nachweisen, wie eine Auswertung der Bevölkerungsstudie Study of Health in Pomerania (SHIP*) der Universität Greifswald ergab. Erstmals wurden im Rahmen der langjährigen Reihenuntersuchungen am Uniklinikum gezielt Fettleber-Befunde ausgewertet und die Ergebnisse gesundheitsökonomisch bewertet. Die interdisziplinäre Arbeit von Medizinern und Gesundheitsökonomen an der Universität Greifswald wurde in der Januarausgabe des führenden US-Magazins „Gastroenterology“ veröffentlicht.

„Eine Fettleber ist ein häufiger Befund im Ultraschall“, erläuterte dazu Projektleiter Dr. Henry Völzke. Risikofaktoren für die Fettleber sind Übergewicht, falsche Ernährung und übermäßiger Alkoholkonsum. „Bis vor wenigen Jahren wurde die so genannte Fettleber jedoch als unbedeutender Zufallsbefund eingeschätzt. Erst in letzter Zeit wurde in großen epidemiologischen Studien nachgewiesen, dass Menschen mit einer Fettleber ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Herzinfarkt haben.“

Dabei ist die in Vorpommern durchgeführte Study of Health in Pomerania (SHIP) mit über 4.000 Probanden eine von ganz wenigen Bevölkerungsstudien weltweit, in der die Leber per Ultraschall untersucht wurde. So konnten Forscher der Universität Greifswald unter Nutzung der SHIP-Datenbanken belegen, dass betroffene Testpersonen häufiger Gefäßverkalkungen der Halsschlagader aufweisen als Menschen ohne Fettleber. Der Befund einer Fettleber deutet dementsprechend auf ein erhöhtes Risiko für weitere Erkrankungen hin.

Fettleber führt zu steigenden Kosten im Gesundheitssystem

Angesichts der nachweisbaren höheren Risikofaktoren bei Menschen mit Fettleber aus Untersuchungen der letzten fünf Jahre errechneten die Greifswalder Wirtschaftswissenschaftler die künftigen zusätzlichen Kosten für die Gesundheitsversorgung. „Menschen mit Fettleber verursachen um ca. 26 Prozent höhere Kosten durch ärztliche Behandlungen als Menschen ohne diesen Befund. Diese Patienten müssten etwas für ihre Gesundheit tun“, unterstrich Völzke. „Ultraschalluntersuchungen der Leber sollten darüber hinaus bei Risikopatienten stärker als bisher zur Prävention eingesetzt werden.“

Die einzige bislang anerkannte Behandlung der Fettleber besteht in einer deutlichen Reduzierung der Risikofaktoren. Um dem Befund einer Fettleber zu begegnen, ist also eine gesunde Lebensweise mit richtiger Ernährung, viel körperlicher Bewegung und Mäßigung des Alkoholkonsums erforderlich, um weitaus ernstere Gesundheitsschäden zu vermeiden.

Die Greifswalder Daten sind die ersten überhaupt zum Thema Fettleber und Kostenrelevanz. Sie wurden von der in der Magen-Darm-Heilkunde führenden wissenschaftlichen Zeitschrift Gastroenterology (http://www.gastrojournal.org) veröffentlicht.

Hintergrund *Fettleber

Bei einer Verfettung der Leber kommt es zur Einlagerung von so genannten Neutralfetten in die Leberzellen. Sie tritt auf, wenn die Produktion oder die Zufuhr von Fetten deren Abbau überschreitet. Wenn ein Drittel der Leberzellen Fettablagerungen aufweisen, liegt bereits eine leichte Fettleber vor, ab zwei Dritteln eine mäßige und bei mehr als zwei Dritteln eine starke Fettleber. In den westlichen Industrieländern ist die Fettleber eine sehr häufige Erkrankung. Ihre wesentlichen Ursachen sind hier Alkoholismus, Übergewicht und Diabetes.
Die Symptome hängen von der zugrunde liegenden Erkrankung und vom Ausmaß der Verfettung ab und reichen vom leichten Druckgefühl bis zu starken Schmerzen im rechten Oberbauch. Die Diagnose wird anhand der Krankengeschichte des Patienten, der Befunde der körperlichen Untersuchung, bestimmter Laborwerte und einer Ultraschalluntersuchung des Bauchs gestellt. Darüber hinaus kann in unklaren Fällen die Entnahme von Gewebe mit Hilfe einer Leberpunktion Aufschluss über die Ursachen für die Verfettung geben.

Eine spezifische medikamentöse Behandlung der Fettleber ist nicht notwendig. Häufig treten im Verlauf der Erkrankung jedoch zusätzliche Schädigungen der Leber wie die Fettleberentzündung und die Leberzirrhose auf. Deshalb bestehen die wesentlichen Behandlungsmaßnahmen je nach der Ursache in Alkoholabstinenz, Gewichtsabnahme und in der Vermeidung der Leber schädigenden Gifte.

Quelle: http://www.onmeda.de

*Study of Health in Pomerania (SHIP)
http://www.medizin.uni-greifswald.de/cm/fv/ship.html
Gastroenterology – Pages 85-94 – January 2008
„Impact of Fatty Liver Disease on Health Care Utilization and Costs in a General Population: A 5-Year Observation“

Sebastian E. Baumeister, Henry Völzke, Paul Marschall, Ulrich John, Carsten-Oliver Schmidt, Steffen Flessa, Dietrich Alte

Universitätsklinikum Greifswald
Institut für Community Medicine
PD Dr. med. Henry Völzke
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