Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Risiko "Fettleber" das erste Mal wissenschaftlich untersucht

09.01.2008
Studie der Greifswalder Mediziner und Gesundheitsökonomen in der amerikanischen Fachzeitschrift "Gastroenterology" veröffentlicht

Bei jedem fünften Erwachsenen im Nordosten lässt sich eine Fettleber* nachweisen, wie eine Auswertung der Bevölkerungsstudie Study of Health in Pomerania (SHIP*) der Universität Greifswald ergab. Erstmals wurden im Rahmen der langjährigen Reihenuntersuchungen am Uniklinikum gezielt Fettleber-Befunde ausgewertet und die Ergebnisse gesundheitsökonomisch bewertet. Die interdisziplinäre Arbeit von Medizinern und Gesundheitsökonomen an der Universität Greifswald wurde in der Januarausgabe des führenden US-Magazins "Gastroenterology" veröffentlicht.

"Eine Fettleber ist ein häufiger Befund im Ultraschall", erläuterte dazu Projektleiter Dr. Henry Völzke. Risikofaktoren für die Fettleber sind Übergewicht, falsche Ernährung und übermäßiger Alkoholkonsum. "Bis vor wenigen Jahren wurde die so genannte Fettleber jedoch als unbedeutender Zufallsbefund eingeschätzt. Erst in letzter Zeit wurde in großen epidemiologischen Studien nachgewiesen, dass Menschen mit einer Fettleber ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Herzinfarkt haben."

Dabei ist die in Vorpommern durchgeführte Study of Health in Pomerania (SHIP) mit über 4.000 Probanden eine von ganz wenigen Bevölkerungsstudien weltweit, in der die Leber per Ultraschall untersucht wurde. So konnten Forscher der Universität Greifswald unter Nutzung der SHIP-Datenbanken belegen, dass betroffene Testpersonen häufiger Gefäßverkalkungen der Halsschlagader aufweisen als Menschen ohne Fettleber. Der Befund einer Fettleber deutet dementsprechend auf ein erhöhtes Risiko für weitere Erkrankungen hin.

... mehr zu:
»Fettleber »Health »Verfettung

Fettleber führt zu steigenden Kosten im Gesundheitssystem

Angesichts der nachweisbaren höheren Risikofaktoren bei Menschen mit Fettleber aus Untersuchungen der letzten fünf Jahre errechneten die Greifswalder Wirtschaftswissenschaftler die künftigen zusätzlichen Kosten für die Gesundheitsversorgung. "Menschen mit Fettleber verursachen um ca. 26 Prozent höhere Kosten durch ärztliche Behandlungen als Menschen ohne diesen Befund. Diese Patienten müssten etwas für ihre Gesundheit tun", unterstrich Völzke. "Ultraschalluntersuchungen der Leber sollten darüber hinaus bei Risikopatienten stärker als bisher zur Prävention eingesetzt werden."

Die einzige bislang anerkannte Behandlung der Fettleber besteht in einer deutlichen Reduzierung der Risikofaktoren. Um dem Befund einer Fettleber zu begegnen, ist also eine gesunde Lebensweise mit richtiger Ernährung, viel körperlicher Bewegung und Mäßigung des Alkoholkonsums erforderlich, um weitaus ernstere Gesundheitsschäden zu vermeiden.

Die Greifswalder Daten sind die ersten überhaupt zum Thema Fettleber und Kostenrelevanz. Sie wurden von der in der Magen-Darm-Heilkunde führenden wissenschaftlichen Zeitschrift Gastroenterology (http://www.gastrojournal.org) veröffentlicht.

Hintergrund *Fettleber

Bei einer Verfettung der Leber kommt es zur Einlagerung von so genannten Neutralfetten in die Leberzellen. Sie tritt auf, wenn die Produktion oder die Zufuhr von Fetten deren Abbau überschreitet. Wenn ein Drittel der Leberzellen Fettablagerungen aufweisen, liegt bereits eine leichte Fettleber vor, ab zwei Dritteln eine mäßige und bei mehr als zwei Dritteln eine starke Fettleber. In den westlichen Industrieländern ist die Fettleber eine sehr häufige Erkrankung. Ihre wesentlichen Ursachen sind hier Alkoholismus, Übergewicht und Diabetes.
Die Symptome hängen von der zugrunde liegenden Erkrankung und vom Ausmaß der Verfettung ab und reichen vom leichten Druckgefühl bis zu starken Schmerzen im rechten Oberbauch. Die Diagnose wird anhand der Krankengeschichte des Patienten, der Befunde der körperlichen Untersuchung, bestimmter Laborwerte und einer Ultraschalluntersuchung des Bauchs gestellt. Darüber hinaus kann in unklaren Fällen die Entnahme von Gewebe mit Hilfe einer Leberpunktion Aufschluss über die Ursachen für die Verfettung geben.

Eine spezifische medikamentöse Behandlung der Fettleber ist nicht notwendig. Häufig treten im Verlauf der Erkrankung jedoch zusätzliche Schädigungen der Leber wie die Fettleberentzündung und die Leberzirrhose auf. Deshalb bestehen die wesentlichen Behandlungsmaßnahmen je nach der Ursache in Alkoholabstinenz, Gewichtsabnahme und in der Vermeidung der Leber schädigenden Gifte.

Quelle: http://www.onmeda.de

*Study of Health in Pomerania (SHIP)
http://www.medizin.uni-greifswald.de/cm/fv/ship.html
Gastroenterology - Pages 85-94 - January 2008
"Impact of Fatty Liver Disease on Health Care Utilization and Costs in a General Population: A 5-Year Observation"

Sebastian E. Baumeister, Henry Völzke, Paul Marschall, Ulrich John, Carsten-Oliver Schmidt, Steffen Flessa, Dietrich Alte

Universitätsklinikum Greifswald
Institut für Community Medicine
PD Dr. med. Henry Völzke
Walther-Rathenau-Straße 48, 17487 Greifswald
T +49 3834 86-75 41
F +49 3834 86-66 84
E voelzke@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://ship.community-medicine.de/
http://www.klinikum.uni-greifswald.de
http://www.gastrojournal.org

Weitere Berichte zu: Fettleber Health Verfettung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Blinddarmentzündungen bei Kindern: Ultraschall als erstes Mittel zur exakten Diagnose
28.11.2019 | Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

nachricht Biologen der TU Dresden untersuchen Spermienqualität anhand ihres Stoffwechsels
28.11.2019 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

RNA-Modifikation - Umbau unter Druck

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Der Versteppung vorbeugen

06.12.2019 | Geowissenschaften

Verstopfung in Abwehrzellen löst Entzündung aus

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics