Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Autolenken behindert das Telefonieren

25.01.2010
Verstehen, Gedächtnis und Wortbildung verschlechtern sich

Dass Handygespräche im Straßenverkehr die Aufmerksamkeit erheblich beeinträchtigen und das Unfallrisiko erhöhen, wurde schon öfters dargelegt. Nun bewiesen Wissenschaftler der University of Illionis, dass auch das Umgekehrte gilt: Autofahren erschwert das Telefonieren, da man dabei viel schlechter versteht und Schwierigkeiten bei der Wortbildung hat. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachmagazin "Psychonomic Bulletin & Review".

Für ihr Experiment bildeten die Psychologen aus den Versuchspersonen Paare, die miteinander telefonierten. Einer saß dabei in einem Fahrsimulator und durchlief Situationen mit unterschiedlich starkem Straßenverkehr sowie mit abgestelltem Fahrzeug, wobei er durch eine Freisprechanlage verbunden war. Der räumlich getrennte Gesprächspartner erzählte vier kurze Geschichten, die die Person am Steuer möglichst detailreich nachzuerzählen hatte. Es zeigte sich, dass beim Autolenken die Fähigkeit, sich an die Geschichte zu erinnern und diese nachzuerzählen, ein Fünftel schlechter war als beim Versuch im abgestelltem Auto.

Grenzen des Multi-Taskings

"Man könnte glauben, dass Verstehen und Sprechen unkomplizierte Vorgänge sind", so der Studienleiter Gary Dell. Es habe sich jedoch gezeigt, dass Sprachverständnis und -bildung hohe Aufmerksamkeit erfordern. "Führt man parallel andere, ebenfalls die Aufmerksamkeit abfordernde Tätigkeiten durch wie etwa das Manövrieren durch den Stadtverkehr, so treten beide Handlungen zueinander in Konkurrenz." Die moderne Technologie ermögliche uns, mehr miteinander zu sprechen, besonders während man gleichzeitig andere Dinge erledige. Das habe jedoch seine Kosten. "Wir verstehen einander dabei immer weniger", vermutet der Psycholinguist.

Die Verkehrspsychologin Marion Seidenberger vom Autofahrerclub ÖAMTC http://www.oeamtc.at vergleicht das Ergebnis mit der Situation eines Flugzeugpiloten. "Obwohl Piloten jahrelang trainieren, um auch bei hohem Stress korrekt zu reagieren, gelingt das nicht zu 100 Prozent. Autofahrer genießen dieses Training nicht." Der Straßenverkehr als komplexe Stresssituation werde meist unterschätzt. "Aufmerksamkeit für andere Tätigkeiten, Kreativität und Gedächtnis leiden darunter und einfachste Aufgaben wie etwa Kopfrechnungen gelingen plötzlich nicht mehr", so Seidenberger gegenüber pressetext.

Fahrendes Büro als Problem

Zum Problem werde dies besonders bei den Menschen, die berufsmäßig viel im Auto sitzen. "Viele haben ein fahrendes Büro um sich und müssen während der Fahrt telefonieren. Gerade bei firmeninternen Anrufen ist jedoch hohe Verlässlichkeit der Inhalte ein Muss. Es wäre trotz Freisprecheinrichtung sinnvoll, kurz stehenzubleiben oder eine Raststation anzusteuern, von der aus ein Rückruf erfolgen kann. Beide Gesprächspartner profitieren davon", betont die Verkehrspsychologin. Sinnvoll sei dies auch aus Gründen der Sicherheit. "Unaufmerksamkeit ist die Hauptursache in 11,5 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle. Das Handy dürfte dabei eine wesentliche Rolle spielen."

Abstract des Originalartikels unter http://pbr.psychonomic-journals.org/content/17/1/15.abstract

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://illinois.edu

Weitere Berichte zu: Autolenken Gedächtnis Straßenverkehr Telefonieren Wortbildung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wenn das Smartphone zur Schuldenfalle wird
15.10.2018 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Atomare Verunreinigung ähnlich wie bei Edelsteinen dient als Quanten-Informationsspeicher
01.10.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics