Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hat Ernst Abbe sich geirrt?

19.03.2010
Forschungsverbund "PhoNa" der Universität Jena nimmt mit einem Workshop am 24. und 25. März seine Arbeit auf

Selbst das beste Mikroskop hat seine Auflösungsgrenze. Diese fundamentale Erkenntnis von Ernst Abbe hat seit 100 Jahren in der Optik Bestand. Demnach ist die maximale Auflösung eines Mikroskops durch die Wellenlänge des verwendeten Lichtes begrenzt.

"Für ein gewöhnliches Lichtmikroskop heißt das, das beobachtete Objekt muss mindestens eine Größe von einigen Hundert Nanometern haben, um eindeutig erkennbar zu sein", macht Prof. Dr. Thomas Pertsch von der Friedrich-Schiller-Universität Jena deutlich. Das sei zwar für den Laien schon ziemlich klein. Doch für Optikexperten wie den Professor für Angewandte Physik und Nanooptik "keineswegs als Limit akzeptabel".

Um nichts weniger als an Ernst Abbes Erkenntnis zu rütteln und die optischen Technologien zu revolutionieren, hat sich an der Jenaer Universität der Forschungsverbund "PhoNa" zusammengeschlossen. Im Rahmen der Initiative "Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern" fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung "PhoNa" in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt zehn Millionen Euro. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur steuert innerhalb des ProExzellenzprogramms weitere fünf Millionen Euro bei. Am 24. und 25. März nimmt das Konsortium mit einem hochkarätig besetzten internationalen Workshop in den Rosensälen (Fürstengraben 27) seine Arbeit auf.

"Der Workshop bringt Experten aus den Bereichen der Nanooptik, Nanochemie, Nanotechnologie und Optiktheorie zusammen, um über die Perspektiven neuartiger photonischer Materialien zu diskutieren", kündigt "PhoNa"-Sprecher Prof. Pertsch an. Ziel von "PhoNa" sei es, Materialien mit völlig neuen optischen Eigenschaften zu erschaffen. Dazu setzen die Forscher gezielt die Gesetze außer Kraft, nach denen die Natur normalerweise die Strukturen der Materie schafft. "Mittels Elektronenstrahllithographie lassen sich beispielsweise Goldteilchen in geometrische Anordnungen strukturieren, die in der Natur nicht vorkommen würden", erläutert Prof. Pertsch. Die so erreichte hoch-symmetrische Anordnung von Goldteilchen ermöglicht eine viel stärkere Wechselwirkung mit Licht für diese nano-strukturierten Materialien. Mit derartigen nano-strukturierten optischen Materialien wollen die Jenaer Physiker nicht nur den Weg zu neuen hochauflösenden Mikroskopen ebnen, für die Abbes Auflösungslimit keine Geltung mehr hat. Auch in der Mikroelektronik, der Dünnschicht-Photovoltaik oder der bioanalytischen Sensorik ergeben sich eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten.

Neben Instituten der Jenaer Universität sind auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das Institut für Photonische Technologien e. V. (IPHT) und das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) sowie Industriepartner aus der Region (Jenoptik AG, Carl Zeiss AG) in "PhoNa" zusammengeschlossen. "Jena bietet hier einen enormen Standortvorteil", macht Prof. Pertsch deutlich. "Hier wird von der Grundlagenforschung über die anwendungsorientierte Forschung bis hin zur Produktion die gesamte Wertschöpfungskette photonischer Systeme abgedeckt." Dies habe, so der Physiker von der Uni Jena weiter, bereits seit den Zeiten von Abbe, Zeiss und Schott in Jena Tradition. Wo also sonst sollten Abbes Erkenntnis von den Grenzen der mikroskopischen Auflösung weitergedacht und neue Meilensteine in der Optik gesetzt werden?

Hinweis für die Medien:
Der Kick-off-Workshop beginnt am Mittwoch (24. März) um 11.00 Uhr. Journalisten sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen. Nach einem kurzen Vortragsprogramm stehen Prof. Pertsch und weitere Wissenschaftler des Forscherverbundes ab 12.45 Uhr für Medienanfragen zur Verfügung.
Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Pertsch
Institut für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Max-Wien-Platz 1
07743 Jena
Tel.: 03641 / 947840
E-Mail: thomas.pertsch[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de
http://www.phona.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Workshop zum Sensordatenmanagement im September
16.08.2018 | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

nachricht Brandschutz im Tanklager – Tagung in Essen
15.08.2018 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics