Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zart und dennoch robust: Neue Erkenntnisse über Spinnenseide gewonnen

26.07.2016

Physiker der Universität Leipzig haben gemeinsam mit ausländischen Partnern bei Experimenten mit Laserstrahlen völlig neue Erkenntnisse über die Beschaffenheit von Spinnenseide gewonnen. Sie fanden heraus, dass die Schallausbreitung innerhalb der Verzweigungen Anomalien aufweist, die beispielsweise die Ausbreitung mechanischer Schwingungen für bestimmte Frequenzen blockiert. Dies wird dem hierarchischen Aufbau von Spinnenseide zugeschrieben, das heißt den raffinierten Verflechtungen in ganz unterschiedlichen Größenordnungen. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Forschungsergebnisse jetzt in dem renommierten Fachjournal "Nature Materials".

"Die Seide aus den Netzwerken von Spinnen zeichnet sich durch außerordentliche mechanische Eigenschaften aus. Sie hat die höchste Zähigkeit aller natürlichen und künstlichen Materialien, die es gibt. Sie ist damit schon lange im Zentrum weltweiter Forschungsaktivitäten", erklärt Prof. Dr. Friedrich Kremer vom Institut für Experimentelle Physik I der Universität Leipzig, der sich seit mehr als zehn Jahren mit diesem Thema beschäftigt.


Zart und zäh zugleich: Spinnenseide. Raffinierte Hierarchie und Ordnung auf verschiedensten Längenskalen

Foto: Markus Anton und Periklis Papadopoulos/Universität Leipzig und Max-Planck-Institut für Polymerforschung Mainz

Im konkreten Fall haben die Wissenschaftler die Spinnenseide durch starke Laserstrahlen in Schwingungen versetzt. Das Licht wurde reflektiert. "Daraus ist die Geschwindigkeit ablesbar, mit der sich der Schall in der Spinnenseide ausbreitet", sagt Kremer.

Die Anomalien, die dabei festgestellt wurden, wiesen sonst nur ganz speziell aufgebaute, künstliche hergestellte "Metamaterialien" auf. Erstmals ist es nun den Forschern in Zusammenarbeit mit Partnern aus Griechenland, den USA und Singapur gelungen, diese in einem natürlichen Material nachzuweisen.

Spinnenseide könnte künftig aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften in vielen Bereichen Anwendung finden. So könne sie bei schweren Verbrennungen als leichtes und dennoch stabiles Stützgewebe eingesetzt werden, das Wundflüssigkeit abfließen lässt.

Auch als Fäden bei Operationen sei das biologisch abbaubare Material denkbar. Ebenso könnten kugelsichere Westen mit der robusten Spinnenseide hergestellt werden und seien dann wesentlich leichter als die heutigen Modelle.

"Das ist ein riesiges Potenzial", betont Kremer. Je mehr über die Struktur und die Eigenschaften von Spinnenseide bekannt ist, desto schneller könnten diese Anwendungen in die Praxis umgesetzt werden.

Originaltitel der Veröffentlichung:
"Nonlinear control of high-frequency phonons in spider silk" DOI: 10.1038/nmat4697

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Friedrich Kremer
Institut für Experimentelle Physik I
Telefon: +49 341 97-32550
E-Mail: kremer@physik.uni-leipzig.de


Markus Anton
Institut für Experimentelle Physik I der Universität Leipzig
Telefon: +49 341 97-32553
E-Mail: anton@physik.uni-leipzig.de

Weitere Informationen:

http://www.nature.com/nmat/journal/vaop/ncurrent/full/nmat4697.html

Susann Huster | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom
17.02.2020 | Forschungsverbund Berlin e.V.

nachricht Physik des Lebens - Die Logistik des Molekül-Puzzles
17.02.2020 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Im Focus: Charakterisierung von thermischen Schnittstellen für modulare Satelliten

Das Fraunhofer IFAM in Dresden hat ein neues Projekt zur thermischen Charakterisierung von Kupfer/CNT basierten Scheiben für den Einsatz in thermalen Schnittstellen von modularen Satelliten gestartet. Gefördert wird das Projekt „ThermTEST“ für 18 Monate vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Zwischen den Einzelmodulen von modularen Satelliten werden zur Kopplung eine Vielzahl von Schnittstellen benötigt, die nach ihrer Funktion eingeteilt werden...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Supercomputer „Hawk“ eingeweiht: Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart erhält neuen Supercomputer

19.02.2020 | Informationstechnologie

Soziale Netzwerke geben Aufschluss über Dates von Blaumeisen

19.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics