Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie wirkt sich Stress bei Langzeit-Raumflügen auf das Immunsystem aus? MARS500-Raumfahrer für Untersuchungen am LMU-Klinikum

25.03.2010
Acht der elf möglichen Kandidaten für das Weltraum-Projekt MARS500 werden am kommenden Wochenende im Klinikum der Universität München (LMU) untersucht. Zum „Gesundheitscheck“ im Rahmen des von der Europäischen Raumfahrtagentur und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) geförderten Projekts gehören eine Kernspintomographie (MRT) des Gehirns und die Untersuchung von speziellen Blutparametern. Die Untersuchungen finden unter der Federführung von PD Dr. Alexander Choukèr (Klinik für Anaesthesiologie) statt, der zusammen mit seinem Forscherteam die komplexen Zusammenhänge zwischen Stress und Immunsystem bei Aufenthalten des Menschen im Weltraum erforscht. Von den Erkenntnissen der Forschungsarbeiten soll auch die Patientenversorgung in der Notfall- und Intensivmedizin profitieren.

Untersuchungen zur Gehirn-Immunsystem-Interaktion

Die Auswirkungen von Isolation und stressbedingten neuroendokrinen und immunologischen Veränderungen wurden bereits für unterschiedliche Zeiträume sowohl auf der Erde, beim Gesunden und Kranken, als auch im Weltraum untersucht. Die Ergebnisse deuten auf eine starke Interaktion zwischen neuroendokrinen Botenstoffen und dem Immunsystem. Nach wie vor besteht jedoch eine bedeutende Lücke im Verständnis der Effekte auf den menschlichen Körper bei Langzeitisolation, wie z. B. bei interplanetaren Missionen. Das internationale Forscherteam um Choukèr will diese Wissenslücke mit der CoSI-Studie (Confinement for 500 days – Evaluation of Stress and Immunity) schließen. Ziel ist es – basierend auf einem besseren Verständnis der Interaktion von Gehirn und Immunsystem – neue präventive und therapeutische Strategien zu entwickeln, um heute noch nicht realisierbare bemannte Langzeit-Raumflüge, z. B. zum Mars, aus medizinischer Sicht zu ermöglichen. Zudem können durch den Einsatz innovativer, nicht-invasiver Techniken, wie z. B. der Analyse ausgeatmeter Luft, auch bisher wenig erforschte neurobiologische Stress-Systeme untersucht und den Ergebnissen der klassischen Meßmethoden mit Blut, Speichel und Urin gegenüber gestellt werden.

Verbesserte Patientenversorgung durch Transfer in die Klinik

Die Forschungen könnten dann auch Patienten in der Klinik zugute kommen. „Wir erwarten von den Ergebnissen der Weltraum-Studie, einschließlich der dafür angewandten Meßmethoden, einen Vorteil für Patienten, die sich infolge von Operationen oder der Behandlung auf einer Intensivstation in einer Situation mit gesteigerter Stressexposition befinden und dabei zugleich erhebliche immunologische Veränderungen erfahren“, so der Anästhesist Alexander Choukèr. Dabei geht es über ein besseres Verständnis der stressabhängigen Veränderungen im Körper hinaus auch um die Entwicklung neuer Analyseverfahren, die nur minimale Mengen Blut benötigen oder anstelle von Blutuntersuchungen die ausgeatmete Luft analysieren.

Das Projekt MARS500

Das Weltraum-Projekt MARS500 ist eine Kooperation der russischen Weltraumagentur Roskosmos und der europäischen ESA. Es simuliert einen bemannten Flug zum Mars, die Durchführung wird am IBMP (Institut für Biomedizinische Probleme) in der Nähe von Moskau stattfinden. Das Szenario: Sechs Personen werden in einer 520-Tage-Mission einen Simulationsflug zum Mars unternehmen. CoSI500 untersucht als Teilprojekt von MARS500 die Konsequenzen von Langzeitisolation auf die Stress-Reaktionen und das menschliche Immunsystem.

Philipp Kreßirer
Leitung Kommunikation und Medien
Klinikum der Universität München
Lindwurmstr. 2a
80337 München
Tel: 089 / 5160-8070
Fax: 089 / 5160-8072
E-Mail: philipp.kressirer@med.uni-muenchen.de

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.esa.int/esaMI/Mars500/
http://mars500.imbp.ru/en/index_e.html
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Leibniz-IWT an Raumfahrtmission beteiligt: Bremer unterstützen Experimente im All
14.08.2018 | Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien

nachricht Intensive Laser-Cluster Wechselwirkungen führen zu niedrigenergetischer Elektronenemission
09.08.2018 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Im Focus: The “TRiC” to folding actin

Proteins must be folded correctly to fulfill their molecular functions in cells. Molecular assistants called chaperones help proteins exploit their inbuilt folding potential and reach the correct three-dimensional structure. Researchers at the Max Planck Institute of Biochemistry (MPIB) have demonstrated that actin, the most abundant protein in higher developed cells, does not have the inbuilt potential to fold and instead requires special assistance to fold into its active state. The chaperone TRiC uses a previously undescribed mechanism to perform actin folding. The study was recently published in the journal Cell.

Actin is the most abundant protein in highly developed cells and has diverse functions in processes like cell stabilization, cell division and muscle...

Im Focus: Arctic Ocean 2018 - Forscher untersuchen Wolken und Meereis in der Arktis

"Arctic Ocean 2018": So heißt die diesjährige Forschungsexpedition des schwedischen Eisbrechers ODEN in der Arktis, an der auch ein Wissenschaftler der Universität Leipzig beteiligt ist. Noch bis zum 25. September wollen die etwa 40 Forscher an Bord vor allem das mikrobiologische Leben im Ozean und im Meereis untersuchen und wie es mit der Wolkenbildung in der Arktis zusammenhängt.

Während der Fahrt durch die Arktis, die Ende Juli gestartet ist, sollen im Rahmen der Kampagne MOCCHA 2018 (Microbiology-Ocean-Cloud-Coupling in the Hight...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

Herausforderung China – Wissenschaftler aus der ganzen Welt diskutieren miteinander auf UW/H-Tagung

03.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltkleinster Transistor schaltet Strom mit einzelnem Atom in festem Elektrolyten

13.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Your Smartphone is Watching You: Gefährliche Sicherheitslücken in Tracker-Apps

13.08.2018 | Informationstechnologie

Was wir von Ameisen und Amöben über Koordination und Zusammenarbeit lernen können

13.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics