Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Solar Orbiter: Generalprobe für das Doppelteleskop PHI

22.01.2020

Am 6. Februar startet der Sonnenspäher Solar Orbiter ins All. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am MPS bereiten sich auf die Inbetriebnahme der Instrumente im All vor.

Etwa zwei Wochen vor dem Start der Raumsonde Solar Orbiter laufen am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen die letzten Vorbereitungen für die bisher ambitionierteste Sonnenmission der ESA.


Das Doppelteleskop PHI während des Zusammenbaus am MPS.

MPS

15 Teammitglieder des Doppelteleskops PHI (Polarimetric and Helioseismic Imager) von Solar Orbiter proben den ersten Einsatz des Instrumentes im All: die Inbetriebnahme, die bereits für die zweite Februarhälfte vorgesehen ist.

Die aktuellen Tests simulieren den mehrtägigen Vorgang mit Hilfe der Ersatzeinheit von PHI, einem baugleichen Zwilling des Weltrauminstruments. Neben dem Doppelteleskop PHI ist das MPS an drei weiteren Instrumenten der Mission maßgeblich beteiligt.

Die ESA-Mission Solar Orbiter, zu der die NASA maßgeblich beiträgt, ist eine Sonnenmission der Extreme. Ausgerüstet mit zehn wissenschaftlichen Instrumenten wird sich die Raumsonde in den kommenden sieben Jahren auf stark elliptischen Umlaufbahnen der Sonne bis auf etwa 42 Millionen Kilometer annähern.

Das ist nur wenig mehr als ein Viertel des Abstandes zwischen Sonne und Erde. Zudem soll Solar Orbiter die Bahnebene der Erde verlassen und erstmals auf die bisher weitgehend unerforschten Pole der Sonne schauen.

„Das Zusammenspiel aus leistungsfähiger Instrumentierung und einzigartiger Flugbahn ermöglicht Solar Orbiter den bisher umfassendsten Blick auf die Sonne“, so Prof. Dr. Sami K. Solanki, Direktor am MPS und wissenschaftlicher Leiter des PHI-Teams.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erwarten von Solar Orbiter neue Informationen über die Sonne – von den gewaltigen Plasmaströmen in ihrem Innern über die dynamischen Magnetfelder an ihrer Oberfläche bis zu den Vorgängen in ihrer unvorstellbar heißen Korona.

Zudem werden vier der Messinstrumente den Sonnenwind, den kontinuierlichen Teilchenstrom von der Sonne, untersuchen. Einen entscheidenden Teil zu diesem neuartigen Blick auf unser Zentralgestirn trägt PHI bei. Das Doppelteleskop, das unter Leitung des MPS in Göttingen entwickelt und gebaut wurde, wird die Magnetfelder und Plasmaströme an der sichtbaren Oberfläche der Sonne vermessen.

Obwohl Solar Orbiter seine anvisierte Umlaufbahn erst nach knapp zwei Jahren erreicht, beginnt für die Instrumententeams die Arbeit schon deutlich früher. Bereits in der zweiten Februarhälfte werden alle zehn Instrumente nach und nach in Betrieb genommen.

Dabei testen die Teams alle Funktionen und Betriebsarten ihres jeweiligen Instruments und stellen so sicher, dass es auf seine künftigen Aufgaben vorbereitet ist.

„Damit im Februar alles möglichst reibungslos läuft, simulieren wir die Inbetriebnahme schon jetzt“, erklärt Dr. Joachim Woch vom MPS, Projektmanager von PHI. Während das „echte“ Instrument bereits an Bord der Raumsonde in der Spitze der Atlas V 411-Rakete am Cape Canaveral auf den Countdown wartet, lagert sein exakt baugleicher und funktionstüchtiger Zwillingsbruder in einer Thermal-Vakuum-Kammer unter Weltraumbedingungen am MPS. Während der aktuellen Generalprobe und während der gesamten Mission dient dieses Gerät als Referenzmodell.

Zur Mission:
Solar Orbiter ist eine ESA-Mission mit starker Beteiligung der NASA. So startet die Raumsonde an Bord einer amerikanischen Atlas V 411-Rakete vom Kennedy Space Center bei Cape Canaveral, USA. Ziel der Mission ist es, beispiellose Nahbeobachtungen der Sonne unter anderem aus hohen Breitengraden durchzuführen, erste Bilder der unerforschten Polargebiete der Sonne zu liefern und die Verbindung zwischen Sonne und Heliosphäre zu untersuchen. Das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung trägt maßgeblich zu der Mission bei. Das Instrument PHI wurde unter Leitung des MPS entwickelt und gebaut. Zudem ist das Institut mit entscheidender Hardware an den Instrumenten EUI (Extreme Ultraviolet Imager), SPICE (Spectral Imaging of the Coronal Environment) und dem Koronographen Metis beteiligt.

Dr. Birgit Krummheuer | Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung
Weitere Informationen:
http://www.mps.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Physik des Lebens - Die Logistik des Molekül-Puzzles
17.02.2020 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom
17.02.2020 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Im Focus: Making the internet more energy efficient through systemic optimization

Researchers at Chalmers University of Technology, Sweden, recently completed a 5-year research project looking at how to make fibre optic communications systems more energy efficient. Among their proposals are smart, error-correcting data chip circuits, which they refined to be 10 times less energy consumptive. The project has yielded several scientific articles, in publications including Nature Communications.

Streaming films and music, scrolling through social media, and using cloud-based storage services are everyday activities now.

Im Focus: Nanopartikel können Zellen verändern

Nanopartikel dringen leicht in Zellen ein. Wie sie sich dort verteilen und was sie bewirken, zeigen nun erstmals hochaufgelöste 3D-Mikroskopie-Aufnahmen an BESSY II. So reichern sich bestimmte Nanopartikel bevorzugt in bestimmten Organellen der Zelle an. Dadurch kann der Energieumsatz in der Zelle steigen. „Die Zelle sieht aus wie nach einem Marathonlauf, offensichtlich kostet es Energie, solche Nanopartikel aufzunehmen“, sagt Hauptautor James McNally.

Nanopartikel sind heute nicht nur in Kosmetikprodukten, sondern überall, in der Luft, im Wasser, im Boden und in der Nahrung. Weil sie so winzig sind, dringen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Flexibles Fügen und wandlungsfähige Prozessketten: der Schlüssel für effiziente Produktion

17.02.2020 | Interdisziplinäre Forschung

AgiloBat: Batteriezellen flexibel produzieren

17.02.2020 | Energie und Elektrotechnik

Nierenkrebs an der Wurzel packen

17.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics