Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rendevouz mit einem Riesenbrocken

07.07.2010
Das Kamerasystem OSIRIS bereitet die Raumsonde Rosetta auf ihre Begegnung mit dem Planetoiden Lutetia vor

Auf eine besondere Begegnung steuert die Raumsonde Rosetta am kommenden Samstag zu: Gegen 18 Uhr wird das Vehikel der europäischen Raumfahrtagentur ESA nur rund 3000 Kilometer am Planetoiden Lutetia vorbeifliegen. Mit einem Durchmesser von etwa 100 Kilometern ist Lutetia der größte Asteroid, den je eine Weltraummission besucht hat. Aufnahmen dieses einzigartigen Ereignisses soll das Kamerasystem OSIRIS liefern, das unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung entwickelt und gebaut wurde. Schon jetzt hilft OSIRIS dabei, die Sonde auf den besten Kurs zu Lutetia zu bringen.


Kosmischer Brocken in 3D: Aus der Helligkeit, die Forscher von der Erde aus beobachten, lassen sich erste Rückschlüsse auf die Form des Planetoiden Lutetia ziehen. Hier eine Simulation des Himmelskörpers. Bild: M. Kaasaleinen, Department of Mathematics, Tampere University of Technology, Tampere, Finnland / Database of Asteroid Models from Inversion Techniques, Astronomical Institute of the Charles University, Prague, Czech Republic


Die Augen von OSIRIS: Das Kamerasystem an Bord der Raumsonde Rosetta besteht aus einer Weitwinkel- und einer Telekamera. Bild: ESA/AOES Medialab/MPS

Von der Erde aus betrachtet ist Lutetia bloß ein winziger "Stern" am Nachthimmel. Doch da sich der Planetoid ständig um seine eigene Achse dreht, erlauben Schwankungen in der Helligkeit dieses Pünktchens eine erste Bestimmung seiner Form. Ob der kosmische Gesteinsbrocken tatsächlich an seiner nördlichen Seite einen tiefen Krater aufweist, werden die Bilder des Kamerasystems OSIRIS am späten Abend des 10. Juli zeigen.

Das Präzisionsinstrument, das aus einer Tele- und einer Weitwinkelkamera besteht, soll den Asteroiden genau ins Visier nehmen. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung wollen die so gewonnenen Rohdaten noch in derselben Nacht auswerten - und voraussichtlich gegen 23 Uhr erste Bilder vorlegen.

Schon jetzt steht fest, dass Lutetia ein Riesenbrocken ist. Während der Asteroid Steins, an dem Rosetta im September 2008 vorbeigeflogen war, lediglich fünf Kilometer misst, erstreckt sich Lutetia in einer Richtung über mehr als 100 Kilometer. Forscher vermuten deshalb, dass der Planetoid in den 4,6 Milliarden Jahren seit seiner Entstehung nur wenige größere Kollisionen mit anderen Himmelskörpern erlebt hat und somit noch weitgehend unverändert ist. Daher erlauben Aufnahmen von Lutetia einen Blick zurück in die Jugend des Sonnensystems.

In den Tagen nach dem Vorbeiflug werden die Max-Planck-Forscher die Bilder des Asteroiden genauer auswerten. Anhand der Farben erwarten sie sich etwa Hinweise, aus welchem Material seine Oberfläche besteht. Seit Jahren vermutet man, dass Lutetia zu der seltenen Klasse von Asteroiden gehört, auf deren Oberfläche sich Spuren von Metallen finden.

Weitere Informationen wird unter anderem das Instrument MIRO (Microwave Instrument for the Rosetta Orbiter) liefern, das die Mikrowellenstrahlung analysiert, die Lutetia ins All abstrahlt. Auf diese Weise kann das Messgerät das lockere Oberflächenmaterial, das den Asteroiden bedeckt, charakterisieren und in seiner Umgebung nach Wasserdampf suchen.

Während des Vorbeiflugs werden auch das Staubmessgerät COSIMA (Cometary Secondary Ion Mass Analyzer), das Massenspektrometer ROSINA (Rosetta Spectrometer for Ion and Neutral Analysis) und der Gasanalysator COSAC (Cometary Sampling and Composition Experiment) den kosmischen Brocken aus unmittelbarer Nähe beobachten. An all diesen Instrumenten ist das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung maßgeblich beteiligt; beim Staubmessgerät COSIMA leiten Max-Planck-Forscher die Aktivitäten.

Damit Rosettas Sensoren und Kameras am 10. Juli einen uneingeschränkten Blick auf Lutetia genießen können, berechnen Wissenschaftler der ESA schon jetzt die optimale Flugroute für die Raumsonde. Neben der Bordnavigation liefert dafür insbesondere das wissenschaftliche Kamerasystem OSIRIS wichtige Daten. "Wegen seiner sehr hohen räumlichen Auflösung kann OSIRIS auch das Navigationssystem an Bord hervorragend unterstützen", sagt Max-Planck-Forscher Holger Sierks, Leiter des OSIRIS-Teams.

Die Raumsonde Rosetta ist seit 2004 unterwegs zum Kometen Churyumov/Gerasimenko, auf dem die Landeeinheit Philae im Jahr 2014 aufsetzen soll. Unterwegs steuert Rosetta dabei zwei wissenschaftliche Ziele an: Nach dem Asteroiden Steins, den die Sonde im September 2008 passierte, ist nun der Asteroid Lutetia an der Reihe.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Birgit Krummheuer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau
Tel.: +49 5556 979-462
E-Mail: Krummheuer@mps.mpg.de
Dr. Holger Sierks
Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau
Tel.: +49 5556 979-242
E-Mail: Sierks@mps.mpg.de

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen
13.07.2018 | Technische Universität München

nachricht MAGIC-Teleskope finden Entstehungsort von seltenem kosmischen Neutrino
13.07.2018 | Max-Planck-Institut für Physik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics