Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Rätsel der rasenden Sterne

01.04.2010
Wie von einem Katapult abgeschossen, rasen einzelne, superschnelle Sterne aus unserer Galaxie heraus.

Für deren Beschleunigung ist ein Schwarzes Loch verantwortlich, das sich in der Mitte unserer Galaxis befindet, so glauben die meisten Experten. Astronomen der Universität Erlangen-Nürnberg um Prof. Dr. Ulrich Heber waren an der Entdeckung der ersten drei solcher Sterne im Jahr 2005 maßgeblich beteiligt und vermuten, dass es auch andere Ursachen für das Phänomen geben muss.


Eine Aufnahme des Weltraumteleskops Hubble zeigt den Bugschock, der durch einen superschnellen Stern erzeugt wird. Foto: NASA

In einer Diplomarbeit wurde ein neu entdeckter superschneller Stern untersucht. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass er nicht aus dem Zentrum der Galaxis stammt.

Wie von einem Katapult abgeschossen, rasen einzelne, superschnelle Sterne aus unserer Galaxie heraus. Für deren Beschleunigung ist ein Schwarzes Loch verantwortlich, das sich in der Mitte unserer Galaxis befindet, so glauben die meisten Experten. Astronomen der Universität Erlangen-Nürnberg um Prof. Dr. Ulrich Heber waren an der Entdeckung der ersten drei solcher Sterne im Jahr 2005 maßgeblich beteiligt und vermuten, dass es auch andere Ursachen für das Phänomen geben muss. In einer Diplomarbeit, die in Kooperation mit der Universität Erlangen-Nürnberg entstand, wurde ein neu entdeckter superschneller Stern untersucht. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass er nicht aus dem Zentrum der Galaxis stammt. Die Ergebnisse der Arbeit wurden im "The Astrophysical Journal" veröffentlicht, der bedeutendsten Fachzeitschrift im Bereich der Astronomie.

Im Zentrum unserer Galaxie befindet sich ein Schwarzes Loch, ca. drei Millionen Mal schwerer als die Sonne. Das ist in der Forschung heute unumstritten. Inzwischen sind 16 superschnelle Sterne unter den 100 Milliarden Sternen der Milchstraße bekannt. Die Wissenschaftler des Astronomischen Instituts der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) fanden schon im letzten Jahr Hinweise, dass es neben dem Schwarzen Loch auch andere Mechanismen geben muss, die die Sterne herausschleudern.

Dieser Verdacht hat sich im Rahmen der Diplomarbeit des Regensburger Physikstudenten Andreas Irrgang erhärtet. Er hat in einem Kooperationsprojekt der FAU und der Universität Regensburg den superschnellen Stern HIP 60350 untersucht, der sich in ca. 10.000 Lichtjahren Entfernung von der Erde befindet. Anhand von Daten des Hobby-Eberly Telescopes in Texas, das mit 9,2 Metern Durchmesser zu den größten der Welt gehört, gelang es Irrgang, die Herkunft von HIP 60350 zu berechnen: Demnach entstand der Stern weit außerhalb des Zentrums der Galaxis und damit in großer Entfernung zum Schwarzen Loch.

Es gibt zwei mögliche Erklärungen, weshalb er trotzdem aus der Galaxis herausgeschleudert wird: Zum einen könnte es in einem Doppelsternsystem eine Explosion gegeben haben, bei der der eine Stern zerstört und der andere herauskatapultiert wurde. Denkbar ist aber auch, dass in einem Sternhaufen mehrere Sterne, fast wie im Billardspiel, zusammenstoßen und einer ausgeworfen wird. Sternhaufen gelten als Geburtsorte der Sterne und befinden sich in den Spiralarmen der Milchstraße. Andreas Irrgang konnte fünf Sternhaufen als mögliche Geburtsorte identifizieren, die sich in einem Spiralarm befinden, der zwischen den Sternbildern Schild und "Kreuz des Südens" liegt.

Aus welchem Sternhaufen HIP 60350 stammt, können Prof. Heber und sein Team ermitteln, wenn die Europäische Weltraum Agentur ESA das Weltraumobservatorium Gaia in Betrieb nimmt, mit dem der gesamte Sternenhimmel neu vermessen wird. Gaias Messungen werden hundert Mal genauer sein als alle bisherigen und es den Astronomen der Universität Erlangen-Nürnberg ermöglichen, der Lösung des Rätsels um die superschnellen Sterne einen großen Schritt näher kommen.

Andreas Irrgangs Diplomarbeit entstand im Rahmen des beschleunigten Studiengangs Physik des Elitenetzwerk Bayerns der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Regensburg am Astronomischen Institut der FAU. Weitere Kooperationspartner waren die Universität Göttingen und das Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München.

Bilder zum Download:
Bugschock eines superschnellen Sterns, aufgenommen mit dem Weltraumteleskop Hubble:

http://imgsrc.hubblesite.org/hu/db/images/hs-2009-03-c-full_jpg.jpg

Das Hobby-Eberly Telescope in Texas:
http://mcdonaldobservatory.org/images/news/gallery/het_aerial.jpg
Das Weltraumobservatorium Gaia der ESA:
http://esamultimedia.esa.int/images/Science/gaia/GAIA_Cam01_3_H.jpg
Weitere Informationen für die Medien:
Prof. Dr. Ulrich Heber
Tel.: 0951/9522214
Ulrich.Heber@sternwarte.uni-erlangen.de

Sandra Kurze | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Wieso Radium-Monofluorid den Blick ins Universum fundamental verändern kann
28.05.2020 | Universität Kassel

nachricht Verlustfreie Stromleitung an den Kanten
25.05.2020 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

Eine Forschungskooperation der Universität Konstanz unter Federführung von Professor Dr. Christof Hauck (Fachbereich Biologie) mit Beteiligung des Klinikum Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPOLS Biotec, einer Ausgründung aus der Arbeitsgruppe für Organische Chemie / Zelluläre Chemie der Universität Konstanz, hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt. Dieser Test ermöglicht es, Ergebnisse in der Hälfte der Zeit zu ermitteln – im Vergleich zur klassischen Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR).

Die frühe Identifikation von Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert sind, ist zentrale Voraussetzung bei der globalen Bewältigung...

Im Focus: Textilherstellung für Weltraumantennen startet in die Industrialisierungsphase

Im Rahmen des EU-Projekts LEA (Large European Antenna) hat das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Textile Faserkeramiken TFK in Münchberg gemeinsam mit den Unternehmen HPS GmbH und Iprotex GmbH & Co. KG ein reflektierendes Metallnetz für Weltraumantennen entwickelt, das ab August 2020 in die Produktion gehen wird.

Beim Stichwort Raumfahrt werden zunächst Assoziationen zu Forschungen auf Mond und Mars sowie zur Beobachtung ferner Galaxien geweckt. Für unseren Alltag sind...

Im Focus: Biotechnologie: Enzym setzt durch Licht neuartige Reaktion in Gang

In lebenden Zellen treiben Enzyme biochemische Stoffwechselprozesse an. Auch in der Biotechnologie sind sie als Katalysatoren gefragt, um zum Beispiel chemische Produkte wie Arzneimittel herzustellen. Forscher haben nun ein Enzym identifiziert, das durch die Beleuchtung mit blauem Licht katalytisch aktiv wird und eine Reaktion in Gang setzt, die in der Enzymatik bisher unbekannt war. Die Studie ist in „Nature Communications“ erschienen.

Enzyme – in jeder lebenden Zelle sind sie die zentralen Antreiber für biochemische Stoffwechselprozesse und machen dort Reaktionen möglich. Genau diese...

Im Focus: Biotechnology: Triggered by light, a novel way to switch on an enzyme

In living cells, enzymes drive biochemical metabolic processes enabling reactions to take place efficiently. It is this very ability which allows them to be used as catalysts in biotechnology, for example to create chemical products such as pharmaceutics. Researchers now identified an enzyme that, when illuminated with blue light, becomes catalytically active and initiates a reaction that was previously unknown in enzymatics. The study was published in "Nature Communications".

Enzymes: they are the central drivers for biochemical metabolic processes in every living cell, enabling reactions to take place efficiently. It is this very...

Im Focus: Innovative Sensornetze aus Satelliten

In Würzburg werden vier Kleinst-Satelliten auf ihren Start vorbereitet. Sie sollen sich in einer Formation bewegen und weltweit erstmals ihre dreidimensionale Anordnung im Orbit selbstständig kontrollieren.

Wenn ein Gegenstand wie der Planet Erde komplett ohne tote Winkel erfasst werden soll, muss man ihn aus verschiedenen Richtungen ansehen und die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ein wichtiger Schritt zum Neuromorphen Rechnen: richtungsweisende Arbeit aus Dresden

28.05.2020 | Materialwissenschaften

Wieso Radium-Monofluorid den Blick ins Universum fundamental verändern kann

28.05.2020 | Physik Astronomie

Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

28.05.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics