Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magnetsinn: Warum Hochspannungsleitungen die Orientierung stören

10.07.2012
Zugvögeln, aber auch vielen anderen Tieren, weist der Magnetsinn den richtigen Weg. LMU-Forscher konnten nun magnetische Zellen identifizieren – und zeigen, warum Hochspannungsleitungen den inneren Kompass aus der Bahn werfen können.

Viele Tiere besitzen einen Magnetsinn zur Orientierung, allerdings ist immer noch ungeklärt, durch welche speziellen Zellen das Magnetfeld der Erde wahrgenommen und in Nervenreize umgewandelt wird.

„Da das Magnetfeld den ganzen Körper durchdringt, können diese Zellen theoretisch überall sein, das macht es so schwer, sie zu identifizieren“, erläutert der LMU-Geophysiker Michael Winklhofer, der nun mit einem internationalen Team in der Nasenschleimhaut der Forelle fündig geworden ist.

Dank einer speziellen Methode, bei der der Zellverband schonend aufgelöst und die Zellen anschließend einem rotierenden Magnetfeld ausgesetzt werden, machten die Wissenschaftler magnetische Zellen ausfindig, reicherten sie an und bestimmten deren magnetische Eigenschaften. Dabei zeigte sich zu Winklhofers Überraschung, dass die Zellen deutlich magnetischer sind als bislang vermutet wurde - was die hohe Empfindlichkeit des Magnetsinnes erklärt.

Magnetitkristalle weisen den Weg

Die magnetischen Eigenschaften der Zellen beruhen auf mikrometergroßen Einschlüssen eisenreicher Kristalle – höchstwahrscheinlich Magnetit - in der Zelle, die fest mit der Zellmembran verkoppelt sind – diese also auch reizen können, wenn sie auf Magnetfelder reagieren. „Dies erklärt, weshalb niederfrequente Magnetfelder von Hochspannungsleitungen die Orientierung am Magnetfeld stören beziehungsweise auch physiologische Effekte hervorrufen können“, sagt der Geophysiker.

Die Entdeckung der Wissenschaftler könnte technische Anwendungen etwa bei hoch empfindlichen Magnetfeldsensoren voranbringen. Zudem wirft sie die Frage auf, ob und in welchem Umfang auch menschliche Zellen Magnetit herstellen können – „falls das zuträfe gäbe es mit intrazellulärem Magnetit ein konkretes Substrat für die Einkoppelung von sogenanntem Elektrosmog“, spekuliert Winklhofer. (PNAS vom 9.7.) göd

Publikation:
Magnetic characterization of isolated candidate vertebrate magnetoreceptor cells
S. H.K. Eder, H. Cadiou, A. Muhamad, P. A. McNaughton, J. L. Kirschvink, M. Winklhofer

http://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1205653109

Kontakt:
Michael Winklhofer
Department für Geo- und Umweltwissenschaften
Geophysik
Telefon: +49 (89) 2180-4207
Telefax: +49 (89) 2180-4205

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.geophysik.uni-muenchen.de/Members/michael
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Radioteleskop LOFAR blickt tief in den Blitz
18.04.2019 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Erster astrophysikalischer Nachweis des Heliumhydrid-Ions
18.04.2019 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neues „Baustein-Konzept“ für die additive Fertigung

Volkswagenstiftung fördert Wissenschaftler aus dem IPF Dresden bei der Erkundung eines innovativen neuen Ansatzes im 3D-Druck

Im Rahmen Ihrer Initiative „Experiment! - Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“
fördert die VolkswagenStiftung ein Projekt, das von Herrn Dr. Julian...

Im Focus: Vergangenheit trifft Zukunft

autartec®-Haus am Fuß der F60 fertiggestellt

Der Hafen des Bergheider Sees beherbergt seinen ersten Bewohner. Das schwimmende autartec®-Haus – entstanden im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung...

Im Focus: Hybrid-Neuronen-Netzwerke mit 3D-Lithografie möglich

Netzwerken aus wenigen Neuronenzellen können gezielt künstliche dreidimensionale Strukturen vorgegeben werden. Sie werden dafür elektronisch verschaltet. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, Fehler in neuralen Netzwerken besser zu verstehen und technische Anwendungen mit lebenden Zellen gezielter zu steuern. Dies stellt ein Team aus Forschenden aus Greifswald und Hamburg in einer Publikation in der Fachzeitschrift „Advanced Biosystems“ vor.

Eine der zentralen Fragen der Lebenswissenschaften ist, die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen. Komplexe Abläufe im Gehirn ermöglichen uns, schnell Muster...

Im Focus: Was geschieht im Körper von ALS-Patienten?

Wissenschaftler der TU Dresden finden Wege, um das Absterben von Nervenzellen zu verringern und erforschen Therapieansätze zur Behandlung von ALS

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Nicht selten verläuft ALS nach der Diagnose innerhalb...

Im Focus: Quantum simulation more stable than expected

A localization phenomenon boosts the accuracy of solving quantum many-body problems with quantum computers which are otherwise challenging for conventional computers. This brings such digital quantum simulation within reach on quantum devices available today.

Quantum computers promise to solve certain computational problems exponentially faster than any classical machine. “A particularly promising application is the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erster astrophysikalischer Nachweis des Heliumhydrid-Ions

18.04.2019 | Physik Astronomie

Radioteleskop LOFAR blickt tief in den Blitz

18.04.2019 | Physik Astronomie

Kühlen nach Art der Pflanzen

18.04.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics