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Large Binocular Telescope liefert schärfere Bilder als Hubble

16.06.2010
Dank einer neuen Generation der adaptiven Optik am Large Binocular Telesope (LBT) auf dem Mount Graham in Arizona verfügen Astronomen nun über eine bisher unerreichte Bildqualität im Nah-Infrarot, die sogar diejenige des Hubble-Weltraumteleskops übertrifft. Deutsche Institutionen sind am LBT maßgeblich beteiligt.

Das LBT ist mit seinen beiden Spiegeln von je 8,4 Metern Durchmesser das größte optische Einzelteleskop der Welt. Es ist ein Projekt amerikanischer, italienischer und deutscher Institutionen, die gemeinsam für den Bau und Betrieb, sowie die Entwicklung hochpräziser Messinstrumente verantwortlich sind.

Deutschland ist mit 25 % durch die LBT-Beteiligungsgesellschaft vertreten, der die Max Planck Gesellschaft (MPG), das Astrophysikalische Institut Potsdam, und die Universität Heidelberg angehören. Die MPG ist vertreten durch das MPI für Astronomie in Heidelberg, das MPI für Extraterrestrische Physik in Garching und das MPI für Radioastronomie in Bonn. Auch andere Universitäten wie z.B. in Bochum liefern wichtige Beiträge zu diesem außergewöhnlichen Teleskop.

Für die jetzt in Betrieb genommene adaptive Optik stammt das technische und elektromechanische Design aus Italien (von INAF, und hier insbesondere vom Arcetri Observatorium, sowie den Firmen Microgate und ADS International), während das Mirror Lab der Universität von Arizona für die optischen Elemente verantwortlich zeichnet. Ein einfacheres Vorläufersystem wurde zuvor am Multiple Mirror Telescope (MMT) auf dem Mt. Hopkins getestet. Die Infrarot-Testkamera des LBT, mit der die hier gezeigten Bilder gemacht werden konnten, wurde gemeinsam von INAF (Bologna) und dem Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg entwickelt.

Technischer Triumph nach 10 Jahren Entwicklung

Noch bis vor kurzer Zeit war die Bildschärfe erdgebundener Teleskope durch die Turbulenzen in der Erdatmosphäre massiv eingeschränkt. Solche Störungen, die u.a. auch für das Funkeln der Sterne verantwortlich sind, verschmieren die Bilder von Sternen und Galaxien erheblich, wodurch das Weltraumteleskop Hubble sogar einem Riesenteleskop auf der Erde normalerweise deutlich überlegen ist.

Dank der Fortschritte in der adaptiven Optik (AO), einer Technik zur Korrektur der atmosphärischen Störungen, wurde die Bildschärfe erdgebundener Teleskope in den letzten Jahren stetig verbessert. Durch ein neues innovatives System erreicht dieses Konzept nun am LBT eine niemals zuvor erreichte Qualität.

Bereits in ersten Tests des First Light Adaptive Optics (FLAO) genannten Systems im Mai durch das INAF-Team übertraf das LBT alle anderen vergleichbaren Systeme dieser Art und erreichte eine Bildschärfe, die jene des Weltraumteleskops Hubble um einen Faktor Drei übertrifft. Dabei wurde sogar nur einer der beiden 8,4-m-Spiegel des LBT eingesetzt. Wenn das System schließlich an beiden großen Spiegeln läuft und perfekt kombiniert wird, erwartet man eine Bildschärfe, die jene von Hubble sogar um einen Faktor 10 übertrifft.

“Dies ist eine unglaublich aufregende Zeit, denn mit dem AO-System erreichen wir unser Ziel, das LBT zum leistungsstärksten optischen Teleskop der Welt zu machen“, sagt Richard Green, der Direktor des LBT. “Die erfolgreichen Ergebnisse zeigen, welches Potential in den nächsten Jahren im LBT steckt und dass die nächste Generation der Astronomie beginnt.“ Und Tom Herbst, verantwortlicher Wissenschaftler am MPIA für den Bau der Testkamera, ergänzt: „Das LBT befindet sich auf einem guten Weg, uns nach und nach völlig neue Einblicke in die Bildung von Planeten und Sternen oder die Entstehung der ersten Galaxien zu liefern.“

Ein neuer Standard für die optische Astronomie

Ein Maß der Astronomen zur Beurteilung der Bildqualität eines optischen Systems ist das sogenannte Strehl-Verhältnis. Ein Wert von 100% steht für eine perfekte Abbildung, die nur durch das theoretische Auflösungsvermögen des Fernrohres beschränkt wird und von der Größe des Hauptspiegels abhängt. Werte unter 100% bedeuten, dass das Licht eines punktförmigen Sterns in einem Bild auf eine größere Fläche verteilt wird und das Bild deshalb unschärfer ist. Ohne adaptive Optik erreicht man lediglich Werte um 1%, bisherige Systeme konnten bereits 30-50% im nah-infraroten Spektralbereich erzielen, in dem auch mit dem LBT getestet wurde. Bereits bei den ersten Messungen wurde am LBT jedoch ein Wert von 60-80% erreicht und mit weiteren Verbesserungen konnte Ende Mai sogar ein Strehl-Wert von 84 % erreicht werden. Dies ist extrem nahe an der theoretisch möglichen Perfektion und war bisher unerreichbar. »Die Resultate der ersten Nacht waren so außergewöhnlich gut, dass wir es kaum glauben konnten«, sagt Simone Esposito, der Leiter des INAF-Testteams.

Der fantastische Fortschritt durch die adaptive Optik des LBT nach mehr als 10 Jahren Entwicklungszeit ist der neueste Meilenstein in einer ganzen Reihe von herausragenden Entwicklungen am LBT in der letzten Zeit. Erst im April wurde z.B. mit LUCIFER 1 der erste von zwei innovativen Nah-Infrarot-Spektrographen/Kameras, die in Deutschland gebaut wurden, für den normalen wissenschaftlichen Betrieb freigegeben. Die adaptive Optik am LBT wird wesentlich dazu beitragen, auch die Leistungsfähigkeit dieser Instrumente am LBT voll auszuschöpfen.

Kontakt

Dr. Klaus Jäger
Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg
E-Mail: jaeger@mpia.de
Tel.: +49-6221 528 379
Dr. Tom Herbst
Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg
E-Mail: herbst@mpia.de
Tel.: +49-6221 528 223
Hintergrundinformation
Das LBT ist eine internationale Kollaboration von Institutionen in den USA, Italien und Deutschland.
Die Partner der LBT Corporation sind die University of Arizona on behalf of the Arizona University System, das Istituto Nazionale di Astrofisica, Italien, die

LBT Beteiligungsgesellschaft, Deutschland, repräsentiert durch die Max-Planck-Gesellschaft, das Astrophysikalische Institut Potsdam und die Universität Heidelberg, die Ohio State University und The Research Corporation, on behalf of The University of Notre Dame, University of Minnesota and University of Virginia.

Dr. Markus Pössel | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpia.de
http://medusa.as.arizona.edu/lbto//AO/AOpressrelease.htm

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