Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eingebaute Germanium-Laser könnten Computer-Chips schneller machen

10.09.2012
Forscher des Paul Scherrer Instituts haben untersucht, wie man das Halbleitermaterial Germanium dazu bringen könnte, Laserlicht auszusenden.

Als Lasermaterial könnte Germanium mit Silizium die Grundlage für neuartige Computerchips bilden, in denen Informationen zum Teil in Form von Licht übertragen würden.

Diese Technologie würde es ermöglichen, den Datenfluss auf Chips zu revolutionieren und so die Leistung der Elektronik weiter voranzutreiben. Die Forscher haben gezeigt, dass man Germanium mit einer äusseren Kraft verformen muss, damit es zu einem Lasermaterial wird.

Im Jahr 1965 hat Gordon Moore die Regel aufgestellt, dass sich die Flächendichte von Transistoren auf Computerchips – und damit die Rechenleistung – etwa alle zwei Jahre verdoppelt. Das Gesetz gilt seit dem Beginn der digitalen Zeitrechnung, also seit Einführung der ersten integrierten Schaltkreise für Mikro-Prozessoren im Jahr 1960. Trotz der steigenden Anzahl Transistoren in Computerchips und weiterer Fortschritte kann die Gesamtleistung der Prozessoren dem Moore'schen Gesetz seit etwa einer Dekade nicht mehr folgen – Fachleute sprechen vom Moore’schen Gap (Lücke). Grund ist, dass die modernen Chips mehrere Kerne – eigenständige Prozessoren – haben, die mit herkömmlichen Verfahren nur relativ langsam miteinander kommunizieren.

„Tatsächlich kennt man einen Weg, wie diese Lücke geschlossen werden kann: das Zauberwort heisst optische Datenübertragung zwischen den verschiedenen Kernen auf dem Chip“, erklärt Hans Sigg, Forscher am Paul Scherrer Institut. „Das heisst, man würde die Information innerhalb eines Computerchips teilweise mithilfe von Lichtpulsen übertragen, was den Informationsfluss stark beschleunigen könnte.“ Dafür bräuchte man winzige Laser, die man in Chips einbauen könnte und die dort Lichtpulse aussenden würden. Diese sind aber bislang nicht verfügbar.

Winzige Germanium-Laser sollen Chips schneller machen

Nun konnte Siggs Forschungsteam zusammen mit Kollegen der ETH Zürich und des Politecnico di Milano zeigen, dass Germanium unter bestimmten Bedingungen als Lasermaterial dienen könnte. „Germaniumlaser könnten hier den Durchbruch bringen, weil Germanium sich gut mit Silizium kombinieren lässt, aus dem die Chips gebaut sind. Silizium selbst kann kein Licht aussenden, und es lässt sich kaum mit verfügbaren Lasermaterialien kombinieren“, betont Sigg.
In ihren Untersuchungen haben die Forschenden die Eigenschaften des Germaniums untersucht, die für die Erzeugung von Laserlicht wichtig sind und sie mit denen herkömmlicher Lasermaterialien verglichen. Die Experimente haben sie an der Synchrotron Lichtquelle Schweiz des Paul Scherrer Instituts durchgeführt. „Wir regen mit einem starken Laser das Material an und können gleichzeitig die Veränderungen mithilfe von Infrarotlicht aus der SLS beobachten“, erläutert der Doktorand Peter Friedli, der die entscheidenden Experimente zusammen mit dem Forscher Lee Carroll, durchgeführt hat. „Dabei nutzen wir aus, dass diese Lichtpulse nur 100 Picosekunden, also 0,1 Milliardstelsekunden lang sind, und wir deshalb die relevanten Vorgänge im Material, also das Verhalten der Elektronen zu verschiedenen Zeitpunkten, verfolgen können.“

Germanium muss verspannt sein
„Unsere Ergebnisse, sind einerseits ermutigend: Germanium verhält sich ähnlich wie traditionelle Lasermaterialien – damit ist die Möglichkeit von Lichtemission nicht ausgeschlossen“, sagt Sigg erfreut, schränkt jedoch ein: „Die Balance zwischen Verstärkung und Verlust ist in den bislang untersuchten Germanium-Schichten noch so ungünstig, dass das Material die Bedingung für die Erzeugung von Laserlicht noch nicht erfüllt.“ Dabei hat sich aber gezeigt, dass man dieser Bedingung umso näher kommt, je stärker man das Germanium mit einer äusseren Kraft verformt. Die Forscher hoffen, in einem Folgeprojekt die nötigen Bedingungen für das Germanium zu erreichen. Dazu werden sie eine neue Technologie nutzen, die es erlaubt, diese Verspannungen stark zu erhöhen.

Das Forschungsprojekt wurde vom Schweizerischen Nationalfonds SNF gefördert.

Text: Paul Piwnicki

Über das PSI
Das Paul Scherrer Institut entwickelt, baut und betreibt grosse und komplexe Forschungsanlagen und stellt sie der nationalen und internationalen Forschungsgemeinde zur Verfügung. Eigene Forschungsschwerpunkte sind Materie und Material, Mensch und Gesundheit, sowie Energie und Umwelt. Mit 1500 Mitarbeitenden und einem Jahresbudget von rund 300 Mio. CHF ist es das grösste Forschungsinstitut der Schweiz.

Kontakt: Dr. Hans Sigg, Labor für Mikro- und Nanotechnologie; Paul Scherrer Institut, 5232 Villigen PSI, Schweiz; +41 56 310 40 48, hans.sigg@psi.ch
Originalveröffentlichung:
Direct-Gap Gain and Optical Absorption in Germanium Correlated to the Density of Photoexcited Carriers, Doping, and Strain
Lee Carroll, Peter Friedli, Stefan Neuenschwander, Hans Sigg, Stefano Cecchi, Fabio Isa, Daniel Chrastina, Giovanni Isella, Yuriy Fedoryshyn, Jérôme Faist
Phys. Rev. Lett. 109, 057402 (2012); DOI: 10.1103/PhysRevLett.109.057402 http://dx.doi.org/10.1103/PhysRevLett.109.057402

Hintergrundartikel zur verwendeten Methode:
Ultra-broadband infrared pump-probe spectroscopy using synchrotron radiation and a tuneable pump
Lee Carroll, Peter Friedli, Philippe Lerch, Jörg Schneider, Daniel Treyer, Stephan Hunziker, Stefan Stutz, and Hans Sigg

Rev. Sci. Instrum. 82, 063101 (2011); DOI: 10.1063/1.3592332 http://dx.doi.org/10.1063/1.3592332

Dagmar Baroke | Paul Scherrer Institut (PSI)
Weitere Informationen:
http://www.psi.ch
http://www.psi.ch/media/eingebaute-germanium-laser-koennten-computer-chips-schneller-machen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Blick auf die Erde vor der Sonne
19.06.2019 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht Zwei erdähnliche Planeten um einen der kleinsten Sterne – und die Möglichkeit, von dort aus die Erde nachzuweisen
18.06.2019 | Max-Planck-Institut für Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erfolgreiche Praxiserprobung: Bidirektionale Sensorik optimiert das Laserauftragschweißen

Die Qualität generativ gefertigter Bauteile steht und fällt nicht nur mit dem Fertigungsverfahren, sondern auch mit der Inline-Prozessregelung. Die Prozessregelung sorgt für einen sicheren Beschichtungsprozess, denn Abweichungen von der Soll-Geometrie werden sofort erkannt. Wie gut das mit einer bidirektionalen Sensorik bereits beim Laserauftragschweißen im Zusammenspiel mit einer kommerziellen Optik gelingt, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der LASER World of PHOTONICS 2019 auf dem Messestand A2.431.

Das Fraunhofer ILT entwickelt optische Sensorik seit rund 10 Jahren gezielt für die Fertigungsmesstechnik. Dabei hat sich insbesondere die Sensorik mit der...

Im Focus: Successfully Tested in Praxis: Bidirectional Sensor Technology Optimizes Laser Material Deposition

The quality of additively manufactured components depends not only on the manufacturing process, but also on the inline process control. The process control ensures a reliable coating process because it detects deviations from the target geometry immediately. At LASER World of PHOTONICS 2019, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be demonstrating how well bi-directional sensor technology can already be used for Laser Material Deposition (LMD) in combination with commercial optics at booth A2.431.

Fraunhofer ILT has been developing optical sensor technology specifically for production measurement technology for around 10 years. In particular, its »bd-1«...

Im Focus: Additive Fertigung zur Herstellung von Triebwerkskomponenten für die Luftfahrt

Globalisierung und Klimawandel sind zwei der großen Herausforderungen für die Luftfahrt. Der »European Flightpath 2050 – Europe’s Vision for Aviation« der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation sieht für Europa eine Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit einer angemessenen Mobilität der Fluggäste, Sicherheit und Umweltschutz vor. Dazu müssen sich Design, Fertigung und Systemintegration weiterentwickeln. Einen vielversprechenden Ansatz bietet eine wissenschaftliche Kooperation in Aachen.

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und der Lehrstuhl für Digital Additive Production DAP der RWTH Aachen entwickeln zurzeit eine...

Im Focus: Die verborgene Struktur des Periodensystems

Die bekannte Darstellung der chemischen Elemente ist nur ein Beispiel, wie sich Objekte ordnen und klassifizieren lassen.

Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente,...

Im Focus: The hidden structure of the periodic system

The well-known representation of chemical elements is just one example of how objects can be arranged and classified

The periodic table of elements that most chemistry books depict is only one special case. This tabular overview of the chemical elements, which goes back to...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Rittal und Innovo Cloud sind auf Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vertreten

18.06.2019 | Veranstaltungen

Teilautonome Roboter für die Dekontamination - den Stand der Forschung bei Live-Vorführungen am 25.6. erleben

18.06.2019 | Veranstaltungen

KI meets Training

18.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Universität Jena mit innovativer Lasertechnik auf Photonik-Messe in München vertreten

19.06.2019 | Messenachrichten

Meilenstein für starke Zusammenarbeit: Neuer Standort für Rittal und Eplan in Italien

19.06.2019 | Unternehmensmeldung

Katalyse: Hohe Reaktionsraten auch ohne Edelmetalle

19.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics