Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Studie in Scharlachrot

16.04.2014

Diese neue Aufnahme vom La Silla-Observatorium in Chile gibt den Blick auf eine Wasserstoffwolke namens Gum 41 frei. In der Mitte des wenig bekannten Nebels geben leuchtkräftige heiße junge Sterne energiereiche Strahlung ab, die den Wasserstoff in der Umgebung dazu bringt in einem charakteristischen roten Farbton zu leuchten.

Diese Himmelsregion im Sternbild Centaurus (der Zentaur) beherbergt viele helle Nebel, die zu heißen neugeborenen Sternen gehören, die aus Wasserstoffgaswolken entstanden sind.


Die Sternentstehungsregion Gum 41

Quelle: ESO

Die intensive Strahlung der jungen Sterne regt den verbliebenen Wasserstoff um sie herum an und bringt so das Gas in einem bestimmten Rotton zum Leuchten, der typisch für Sternentstehungsregionen ist. Ein anderes bekanntes Beispiel dieses Phänomens ist der Lagunennebel (eso0936), eine riesige Wolke mit ähnlich hellen Rottönen.

Der Nebel in diesem Bild befindet sich etwa 7300 Lichtjahre von der Erde entfernt. Der australische Astronom Colin Gum entdeckte ihn auf einer Fotografie, die am Mount Stromlo-Observatorium in der Nähe von Canberra aufgenommen wurde und fügte sie zu seinem Katalog von 84 Emissionsnebeln hinzu, der 1955 veröffentlicht wurde.

Gum 41 ist eigentlich ein kleiner Teil eines größeren Objekts mit dem Namen Lambda Centauri-Nebel, der im Englischen auch unter dem exotischeren Namen Running Chicken Nebula bekannt ist (von dem ein anderer Teil Gegenstand von eso1135 war). Gum starb im jungen Alter in einem Skiunfall in der Schweiz im Jahr 1960.

In dieser Aufnahme von Gum 41 erscheinen die Wolken ziemlich dicht und hell, was aber ein Trugschluss ist. Wenn ein hypothetischer Raumfahrer durch diesen Nebel fliegen würde, ist es wahrscheinlich, dass er ihn gar nicht bemerken würde, denn – sogar aus der Nähe – wäre er zu lichtschwach um vom menschlichen Auge wahrgenommen zu werden.

Dies erklärt auch, warum dieses große Objekt bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts auf seine Entdeckung warten musste – sein Licht ist stark ausgedünnt und das rote Leuchten ist im visuellen Bereich schlecht sichtbar.

Dieses neue Portrait von Gum 41 – wahrscheinlich eines der bisher besten von diesem schwer fassbaren Objekt – wurde aus Daten des Wide Field Imager (WFI) am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La-Silla-Observatorium in Chile erstellt. Es ist eine Kombination von Bildern, die durch einen Blau-, Rot- und Grünfilter aufgenommen wurden, zusammen mit Aufnahmen mit Hilfe eines speziellen Filters, der dafür entwickelt wurde das rote Leuchten von Wasserstoff herauszufiltern.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner bei den neuartigen Teleskopverbund ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Links

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Richard Hook
ESO Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Handy: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1413.

Carolin Liefke | ESO-Media-Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.eso.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Unser Gehirn behält das Unerwartete im Blick
17.08.2018 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt
16.08.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schatzkammer Datenbank: Digitalisierte Schwingfestigkeitskennwerte sparen Entwicklungszeit

16.08.2018 | Informationstechnologie

Interaktive Software erleichtert Design komplexer Gussformen

16.08.2018 | Informationstechnologie

Fraunhofer HHI entwickelt Quantenkommunikation für jedermann im EU-Projekt UNIQORN

16.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics