Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein schüchterner galaktischer Nachbar

16.09.2015

Die Sculptor-Zwerggalaxie, die in diesem neuen Bild zu sehen ist, ist ein nahegelegener Nachbar unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Aufgenommen wurde das Bild mit der Wide Field Imager-Kamera, die am 2,2-Meter-MPG/ESO-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO installiert ist. Trotz ihrer großen räumlichen Nähe haben beide Galaxien ihre ganz eigene Geschichte und Eigenschaften.

Diese Galaxie ist deutlich kleiner und älter als die Milchstraße, weshalb sie für die Erforschung sowohl der Stern- als auch der Galaxienentstehung im frühen Universum sehr wertvoll ist. Allerdings ist die Beobachtung dieses Objektes aufgrund seiner Lichtschwäche kein einfaches Unterfangen.


Die Sculptor-Zwerggalaxie, die auf diesem Bild zu sehen ist, ist ein nahegelegener Nachbar unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Aufgenommen wurde das Bild mit der Wide Field Imager-Kamera, die am 2,2-Meter-MPG/ESO-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO installiert ist. Trotz ihrer großen räumlichen Nähe haben beide Galaxien ihre ganz eigene Geschichte und Eigenschaften. Diese Galaxie ist deutlich kleiner und älter als die Milchstraße und erscheint hier als Wolke aus lichtschwachen Sternen, die einen Großteil des Bildes bedecken.

Viele andere, deutlich entferntere Galaxien sind im Hintergrund der zerstreut liegenden Sterne der Sculptor-Zwerggalaxie erkennbar.

Herkunftsnachweis: ESO

Die Sculptor-Zwerggalaxie – auch elliptische Sculptor-Zwerggalaxie oder spheroidale Sculptor-Zwerggalaxie genannt – ist eine spheroidale, also kugelförmige Zwerggalaxie und zählt zu den vierzehn bekannten Begleitgalaxien, die die Milchstraße umkreisen [1].

Angesiedelt sind sie in der Nähe des weitreichenden Halos der Milchstraße, ein kugelförmiger Bereich, der sich bis jenseits der Spiralarme unserer Galaxis erstreckt. Wie der Name schon erahnen lässt, befindet sich die Galaxie im südlichen Sternbild Bildhauer (lat. Sculptor) und ist von der Erde etwa 280.000 Lichtjahre entfernt. Trotz ihrer räumlichen Nähe wurde die Galaxie aufgrund ihrer nur schwach leuchtenden und weit über den Himmel verstreuten Sterne erst 1937 entdeckt.

Obwohl sie am Himmel nur schwer auszumachen ist, zählte die Sculptor-Zwerggalaxie zu den ersten lichtschwachen Zwerggalaxien, die man gefunden hat und die die Milchstraße umkreisen. Zu der Zeit ihrer Entdeckung faszinierte noch ihre winzige Gestalt die Astronomen, aber heutzutage spielen spheroidale Zwerggalaxien eine größere Rolle, da sie es Astronomen erlauben, tief in der Vergangenheit des Universums zu graben.

Man geht davon aus, dass die Milchstraße, wie alle großen Galaxien, aus einer Ansammlung kleinerer Galaxien in den frühen Tagen des Universums entstanden ist. Wenn manche dieser kleinen Galaxien bis heute noch vorhanden sind, sollten sie inzwischen viele sehr alte Sterne enthalten. Die Sculptor-Zwerggalaxie passt dank ihrer großen Anzahl alter Sterne, die in diesem Bild sichtbar sind, gut in das Bild einer Ur-Galaxie.

Da das Licht der Sterne aus dieser Galaxie nur Hinweise auf geringe Mengen schwerer chemischer Elemente liefert, können Astronomen daraus das Alter dieser Sterne bestimmen. Schwere Elemente sammeln sich in Galaxien durch die zunehmende Zahl an aufeinanderfolgenden Sterngenerationen an. Ein niedriger Gehalt an schweren Elementen ist somit ein Hinweis darauf, dass das Durchschnittsalter der Sterne in der Sculptor-Zwerggalaxie sehr hoch ist.

Diese hohe Anzahl alter Sterne macht die Sculptor-Zwerggalaxie zu einem wichtigen Zielobjekt bei der Erforschung der frühesten Phasen der Sternentstehung. In einer aktuellen Studie fassten Astronomen alle Daten zusammen, die von der Galaxie verfügbar waren, und erstellten daraus die für eine spheroidale Galaxie bisher genaueste Darstellung der Sternentstehungsgeschichte.

Diese Untersuchung brachte zwei unterschiedliche Gruppen an Sternen in der Galaxie zutage: Die erste, vorherrschende Gruppe besteht aus der älteren Population, die nur wenige schwere Elemente aufweisen. Die zweite, kleinere Population ist im Gegensatz dazu reich an schweren Elementen. Diese jungen Sterne finden sich hauptsächlich im Kern der Galaxie wieder.

Die Sterne innerhalb von Zwerggalaxien wie der Sculptor-Zwerggalaxie können komplexe Sternentstehungsgeschichten aufweisen. Da die meisten Sterne der Zwerggalaxie räumlich voneinander getrennt waren und sich seit Milliarden von Jahren nicht gegenseitig beeinflusst haben, weist jede Ansammlung an Sternen eine eigenen evolutionären Verlauf auf. Für ein näheres Verständnis der Entwicklung aller Galaxien, vom bescheidensten Zwerg zur größten Spiralgalaxie, ist es zum einen notwendig, die Gemeinsamkeiten in der Geschichte der Zwerggalaxien zu untersuchen, zum anderen wird man in der Lage sein müssen, die gelegentlichen Ausreißer zu erklären. In der Tat können Astronomen also noch viel vom schüchternen Nachbarn der Milchstraße lernen.

Endnoten


[1] Nicht zu verwechseln ist diese lichtschwache Galaxie mit der deutlich helleren Sculptor-Galaxie (NGC 253) im selben Sternbild.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte (engl. European Southern Observatory, kurz ESO) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch 16 Länder: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO verfügt über drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Chile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist einer der Hauptpartner bei ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Auf dem Cerro Armazones unweit des Paranal errichtet die ESO zur Zeit das European Extremely Large Telescope (E-ELT) mit 39 Metern Durchmesser, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Richard Hook
ESO education and Public Outreach Department
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Mobil: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Connect with ESO on social media
Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1536.

Dr. Carolin Liefke | ESO-Media-Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1536/?lang

Weitere Berichte zu: Astronomie ESO Galaxie Himmelsdurchmusterungen Milchstraße Zwerggalaxien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp
18.10.2019 | Forschungsverbund Berlin e.V.

nachricht Lumineszierende Gläser als Basis neuer Leuchtstoffe zur Optimierung von LED
17.10.2019 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics