Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein kosmischer Sack voller schwarzer Kohle

14.10.2015

Dunkle Flecken versperren in diesem neuen Bild der ESO fast vollständig die Sicht auf einen reichhaltigen Sternhaufen. Die tiefschwarzen Bereiche stellen kleine Teile der riesigen Dunkelwolke dar, die auch als Kohlensack bezeichnet wird und als eines der bekanntesten Objekte ihrer Art gilt, die mit dem bloßen Auge sichtbar sind. Als würde es sich tatsächlich um fossilen Brennstoff handeln, werden sich in Millionen von Jahren große Klumpen des Kohlensacks durch die Geburt vieler junger Sterne entzünden.

Der Kohlensack befindet sich etwa 600 Lichtjahre entfernt im Sternbild Kreuz des Südens (lat. Crux). Vor dem hellen, sternreichen Streifen der Milchstraße bildet dieses riesige, dunkle Objekt eine auffällige Silhouette, weshalb dieser Nebel den Menschen auf der Südhalbkugel der Erde schon so lange bekannt ist, wie unsere Spezies existiert.


Ein Teil des Kohlensacks

Bild: ESO

Der spanische Entdecker Vicente Yáñez Pinzón berichtete in Europa 1499 zum ersten Mal von der Existenz des Kohlensacks. In Anspielung auf seine dunkle Erscheinung im Vergleich zu dem hellen Leuchten der zwei Magellanschen Wolken, die in Wirklichkeit Begleitgalaxien der Milchstraße sind, erhielt der Kohlensack später den Spitznamen „Schwarze Magellansche Wolke“.

Die zwei hellen Galaxien sind am Südsternhimmel deutlich sichtbar und rückten in Europa erstmals über die Forschungsreisen von Ferdinand Magellan im 16. Jahrhundert in den Fokus der Aufmerksamkeit. Allerdings handelt es sich bei dem Kohlensack nicht um eine Galaxie. Wie andere Dunkelnebel auch, stellt er eigentlich eine interstellare Wolke aus Staub dar, die so dicht ist, dass sie einen Großteil des Hintergrundsternlichts daran hindert, zum Beobachter zu gelangen.

Ein nicht unerheblicher Teil der Staubteilchen in der Dunkelwolke besitzt eine Schicht aus gefrorenem Wasser, Stickstoff, Kohlenstoffmonoxid oder anderer einfacher organischer Moleküle. Die daraus entstehenden Körner verhindern weitestgehend, dass Licht die kosmische Wolke durchqueren kann.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie dunkel der Kohlensack wirklich ist, erkannte der aus Finnland stammende Astronom Kalevi Mattila im Jahr 1970 in seiner Doktorarbeit an der Universität Heidelberg, dass der Kohlensack gerade einmal 10 Prozent der Helligkeit der umgebenden Milchstraße besitzt. Ein kleiner Teil des Hintergrundsternlichts schafft es dennoch, durch den Kohlensack zu gelangen, wie das neue ESO-Bild oder andere Beobachtungen mit modernen Teleskopen zeigen.

Das wenige Licht, das es durch den Nebel schafft, tritt auf der anderen Seite nicht unverändert wieder aus. Das Licht, das in diesem Bild zu sehen ist, erscheint rötlicher als es eigentlich sein sollte. Der Grund dafür ist, dass der Staub in Dunkelwolken das blaue Licht von Sternen mehr absorbiert und streut als rotes Licht, weshalb die Sterne um mehrere Abstufungen purpurröter gefärbt erscheinen, als es eigentlich der Fall wäre.

In Millionen von Jahren in der Zukunft werden die dunklen Tage des Kohlensacks gezählt sein. Dicke interstellare Wolken wie der Kohlensack enthalten große Mengen an Staub und Gas – der Brennstoff für neue Sterne. Sobald das Streumaterial im Kohlensack aufgrund der gegenseitigen Anziehungskraft zusammengeschmolzen ist, werden letztlich neu aufleuchtende Sterne die Finsternis vertreiben und, im übertragenden Sinne, die „Kohlebrocken“ im Kohlensack verbrennen, als wären sie von Feuer erfasst worden.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte (engl. European Southern Observatory, kurz ESO) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch 16 Länder: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO verfügt über drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Chile: La Silla, Paranal und Chajnantor.

Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist einer der Hauptpartner bei ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Auf dem Cerro Armazones unweit des Paranal errichtet die ESO zur Zeit das European Extremely Large Telescope (E-ELT) mit 39 Metern Durchmesser, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Links

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Richard Hook
ESO education and Public Outreach Department
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Mobil: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Connect with ESO on social media

Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1539.

Dr. Carolin Liefke | ESO-Media-Newsletter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Eisriesen im Labor: Kunststoff hilft HZDR-Forschern, Planeten besser zu verstehen
25.03.2019 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

nachricht Wettrennen in Sonnennähe: Ionen sind schneller als Atome
22.03.2019 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Im Focus: The taming of the light screw

DESY and MPSD scientists create high-order harmonics from solids with controlled polarization states, taking advantage of both crystal symmetry and attosecond electronic dynamics. The newly demonstrated technique might find intriguing applications in petahertz electronics and for spectroscopic studies of novel quantum materials.

The nonlinear process of high-order harmonic generation (HHG) in gases is one of the cornerstones of attosecond science (an attosecond is a billionth of a...

Im Focus: Magnetische Mikroboote

Nano- und Mikrotechnologie sind nicht nur für medizinische Anwendungen wie in der Wirkstofffreisetzung vielversprechende Kandidaten, sondern auch für die Entwicklung kleiner Roboter oder flexibler integrierter Sensoren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) haben mit einer neu entwickelten Methode magnetische Mikropartikel hergestellt, die den Weg für den Bau von Mikromotoren oder die Zielführung von Medikamenten im menschlichen Körper, wie z.B. zu einem Tumor, ebnen könnten. Die Herstellung solcher Strukturen sowie deren Bewegung kann einfach durch Magnetfelder gesteuert werden und findet daher Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen.

Die magnetischen Eigenschaften eines Materials bestimmen, wie dieses Material auf das Vorhandensein eines Magnetfeldes reagiert. Eisenoxid ist der...

Im Focus: Magnetic micro-boats

Nano- and microtechnology are promising candidates not only for medical applications such as drug delivery but also for the creation of little robots or flexible integrated sensors. Scientists from the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) have created magnetic microparticles, with a newly developed method, that could pave the way for building micro-motors or guiding drugs in the human body to a target, like a tumor. The preparation of such structures as well as their remote-control can be regulated using magnetic fields and therefore can find application in an array of domains.

The magnetic properties of a material control how this material responds to the presence of a magnetic field. Iron oxide is the main component of rust but also...

Im Focus: Goldkugel im goldenen Käfig

„Goldenes Fulleren“: Liganden-geschützter Nanocluster aus 32 Goldatomen

Forschern ist es gelungen, eine winzige Struktur aus 32 Goldatomen zu synthetisieren. Dieser Nanocluster hat einen Kern aus 12 Goldatomen, der von einer Schale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

Teilchenphysik trifft Didaktik und künstliche Intelligenz in Aachen

20.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Innovationen ermöglichen fast vollständige Dekarbonisierung des Industriesektors

25.03.2019 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Hepatitis C-Viren erfolgreich ausschalten

25.03.2019 | Biowissenschaften Chemie

Feuerwehrmaske mit Datenbrille ermöglicht Navigation in verrauchten Räumen

25.03.2019 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics