Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diffusionsexperimente in der Raumstation ISS, von Bayreuther Physikern konzipiert und begleitet

31.01.2012
Experimente im Weltall, unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit, sind aus der physikalischen Forschung nicht mehr wegzudenken.
Aber sie wären wertlos ohne die vielen wissenschaftlichen Untersuchungen, die zeitgleich am Boden stattfinden. Ein Beispiel dafür sind Messungen zu Diffusionsvorgängen, die seit November 2011 in der Internationalen Raumstation ISS durchgeführt werden. Zum "Bodenpersonal", das diese Experimente konzipiert und wissenschaftlich begleitet, gehört auch ein Forschungsteam an der Universität Bayreuth unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Köhler.

Die Wissenschaftler an Bord der ISS wollen mit ihren Messungen zu den molekularen Prozessen vordringen, die immer dann ablaufen, wenn sich verschiedene Flüssigkeiten infolge der Eigendynamik ihrer Teilchen vermischen. Im Rahmen dieses von der European Space Agency (ESA) koordinierten Forschungsprojekts DCMIX entwickeln die Bayreuther Physiker ein Präzisionsinterferometer, das zeitgleich mit fünf verschiedenen Lasern arbeitet. Dieses Instrument wird für die Auswertungen der in der ISS gemessenen Daten einen wesentlichen Beitrag leisten können.

Die beteiligten Forscher aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Kanada, den Niederlanden und Spanien trafen sich im Dezember 2011 auf dem Bayreuther Campus zu einem Workshop. Weitere Projektteilnehmer aus dem europäischen Ausland waren per Web-Konferenz zugeschaltet. Die Teilnehmer zogen eine erste Bilanz der bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen und entwickelten konkrete Pläne für die weiteren Forschungsarbeiten. Dipl.-Phys. Andreas Königer, der in Bayreuth derzeit promoviert, stellte dem internationalen Projektteam das Konzept des neuen Präzisionsinterferometers vor.
"Der Workshop war ein voller Erfolg", berichtet Köhler. "Wir haben den Workshop bewusst so gelegt, dass bereits erste Rohdaten von den in der ISS durchgeführten Experimenten zur Verfügung standen. Auf dieser Grundlage konnten wir an konkreten Beispielen spezielle Fragen der Datenauswertung diskutieren und technische Probleme bei den aktuell laufenden Messungen lösen. Insbesondere freut es mich, dass unsere Bayreuther Forschungs- und Entwicklungsbeiträge auf so große Anerkennung gestoßen sind. Noch bis Ende 2014 erhalten wir dafür vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) eine finanzielle Förderung."

Die Untersuchungen zur Diffusion von Flüssigkeiten sind darauf ausgerichtet, Klarheit über grundlegende molekulare Prozesse zu gewinnen, die sich unter Laborbedingungen auf der Erde nur schwer störungsfrei analysieren lassen. Denn um zu fehlerfreien Messergebnissen zu kommen, ist es erforderlich, den Einfluss der Schwerkraft so weit wie möglich zu reduzieren. Dies aber ist – weil die Versuchsreihen mehrere Tage in Anspruch nehmen – nur in der Raumstation möglich. "Die Schwerelosigkeit, wie sie etwa im Bremer Fallturm oder bei Parabelflügen erzeugt werden kann, ist kürzer als eine Minute und daher für unsere Diffusionsexperimente nicht ausreichend", erläutert Köhler.

Der erste Messzyklus in der ISS konnte vor wenigen Tagen abgeschlossen werden. Doch weil die Datenmengen sehr groß sind, können sie erst im August 2012 auf einer Festplatte zur Erde zurückgebracht werden. Von der Auswertung, die voraussichtlich ein Jahr in Anspruch nehmen wird, erwarten die Wissenschaftler Erkenntnisse, welche die Forschung auf verschiedensten Gebieten voranbringen werden. Denn die hier untersuchten grundlegenden physikalischen Effekte spielen bei sehr unterschiedlichen Vorgängen eine Rolle, wie z.B. der Bildung von Erdöllagerstätten, der Entstehung des Lebens oder der Charakterisierung von großen Kunststoffmolekülen.

Kontaktadresse für weitere Informationen:

Prof. Dr. Werner Köhler
Experimentalphysik IV
Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 55-4005
E-Mail: werner.koehler@uni-bayreuth.de

Christian Wißler | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik
20.07.2018 | Technische Universität Berlin

nachricht Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT
18.07.2018 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics