Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Schulen helfen bei der Bahnbestimmung des potentiell gefährlichen Asteroiden Apophis

11.01.2013
Pressemitteilung des Hauses der Astronomie (Heidelberg) - Der Asteroid Apophis wird nicht wie seit einigen Jahren befürchtet im Jahr 2036 auf die Erde stürzen.
Dass man diesbezüglich Entwarnung geben kann, verdanken die Astronomen unter anderem Messungen der Positionen von Apophis am Himmel, die das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Crailsheim und das Lessing-Gymnasium in Lampertheim, zwei Partnerschulen des Hauses der Astronomie in Heidelberg, am 8. Januar mit den beiden über das Internet fernsteuerbaren Faulkes-Teleskopen auf Hawaii und in Australien durchgeführt haben.

Seit seiner Entdeckung am 19. Juni 2004 sorgt der Asteroid Apophis für Schlagzeilen, denn während sich der Großteil der mittlerweile über 600.000 bekannten Asteroiden in unserem Sonnensystem auf Umlaufbahnen bewegen, die zwischen denen der Planeten Mars und Jupiter liegen, kommt der zunächst als 2004 MN4 bezeichnete Himmelskörper der Erde etwa alle achteinhalb Jahre der Erde besonders nahe. Er zählt daher und aufgrund seiner Größe von etwa 325 Metern zu den potentiell gefährlichen Asteroiden (engl. Potentially Hazardous Asteroids, kurz PHAs), deren Umlaufbahnen näher als 7,5 Millionen Kilometer an die Erdumlaufbahn heranreichen und die bei einem Einschlag auf der Erde mindestens regionale Zerstörungen anrichten würden.
Seit einigen Jahren ist bekannt, dass seine Umlaufbahn den Apophis im April 2029 bis auf etwa 30.000 Kilometer an die Erdoberfläche heranführen wird. Damit wird er sich unterhalb der geostationären Satelliten im Erdorbit bewegen. Während des nahen Vorbeiflugs wird sich durch das Schwerefeld der Erde seine Umlaufbahn verändern, und es konnte nach damaligem Wissen nicht ausgeschlossen werden, dass er dann sieben Jahre später, am 13. April 2036, auf die Erde stürzen würde. Dies war Grund genug, ihn nach der griechischen Gottheit der Finsternis und des Chaos Apophis (ägyptisch Apep) zu benennen.

Am 9. Januar 2013 kehrte Apophis erstmals nach seiner Entdeckung wieder in die Nähe der Erde zurück, allerdings sollte er dieses Mal nur bis auf 14,6 Millionen Kilometer (das entspricht der 38-fachen Entfernung des Mondes) herankommen. Dennoch würde man aus Positionsmessungen während des Vorbeiflugs seine die Bahnparameter seiner Umlaufbahn noch einmal viel besser ermitteln können als in den Jahren zuvor und damit viel genauere Vorhersagen über seine Wiederkehr im Jahr 2029 und die anstehenden Bahnänderungen machen können, die Apophis eventuell auf Kollisionskurs mit der Erde bringen könnten.

Aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit und seiner geringen Helligkeit benötigt man zur Beobachtung von Apophis derzeit mindestens ein Teleskop mittlerer Größe. Am 8. Januar 2013, dem Tag vor der größten Annäherung, bot sich dem Albert-Schweitzer-Gymnasium in Crailsheim (ASG) und dem Lessing-Gymnasium in Lampertheim (LGL) - zwei Partnerschulen des Hauses der Astronomie in Heidelberg (HdA) - die Gelegenheit, Aufnahmen von Apophis zu machen. Beide Schulen haben im Rahmen eines Pilotprojekts Zugang zu den über das Internet fernsteuerbaren 2-Meter-Faulkes-Teleskopen auf Hawaii und in Australien, die ansonsten in erster Linie von britischen Schulen für Himmelsaufnahmen genutzt werden.

Asteroid Apophis im Abstand von 10 Minuten von zwei verschiedenen Standorten. Die Einzelbilder demonstrieren sowohl die Eigenbewegung des Asteroiden am Himmel als auch seine Parallaxe. Oben: Aufnahmen von 12:46 MEZ, unten: Aufnahmen von 12:56 MEZ. Linke Spalte: Faulkes Telescope South am Siding-Spring-Observatorium (Australien), rechte Spalte: Faulkes Telescope North auf dem Vulkan Haleakala (Hawaii).

Bilder: Faulkes Telescope Project/Martin Metzendorf und Matthias Penselin

Die beiden HdA-Partnerlehrer Matthias Penselin und Martin Metzendorf verfolgten Apophis simultan mit beiden Teleskopen über eine halbe Stunde hinweg. "Aus den Bildern lässt sich nicht nur die Position von Apophis am Himmel zum Zeitpunkt der Aufnahmen exakt rekonstruieren, wir können außerdem aus der Differenz der an den beiden Standorten gemessenen Himmelskoordinaten, die sich durch die leicht unterschiedliche Blickrichtung von Australien und Hawaii auf Apophis vor dem Hintergrund weit entfernter Sterne ergibt, mit einfachen geometrischen Methoden direkt die Entfernung von Apophis während der Beobachtungen ermitteln", erläutert ASG-Lehrer Penselin, der die die Idee zu diesem außergewöhnlichen Projekt hatte.

LGL-Lehrer Metzendorf war sofort begeistert, und gemeinsam reservierten beide Schulen zeitgleiche Beobachtungszeit an den beiden Faulkes-Teleskopen. "Wir setzen die Faulkes-Teleskope regelmäßig im Unterricht ein. Unsere Schüler haben dabei nicht nur die Chance selber die Teleskope zu steuern und eigene Bilder vom Himmel zu machen, sondern erleben gleichzeitig, wie professionelle Astronomen heutzutage arbeiten und welche Technik sie dabei zur Verfügung haben. Die Apophis-Beobachtungen sind aber nochmal wieder etwas ganz Besonderes", erläutert Metzendorf. Nun können sich die Schüler der beiden Schulen mit der Bestimmung des Blickwinkels auf Apophis, der sogenannten Parallaxe auseinandersetzen.

Zunächst einmal waren die gewonnenen Messungen aber sehr wertvoll für die exakte Bestimmung der Umlaufbahn von Apophis und wurden daher noch am selben Tag von Lothar Kurtze vom Faulkes Telescope Project, der die beiden Schulen gemeinsam mit Carolin Liefke vom Haus der Astronomie betreut, zur Auswertung an das Minor Planet Center der Internationalen Astronomischen Union weitergeleitet, das die weltweit gewonnenen Beobachtungsdaten aller Asteroiden sammelt. Damit haben die Aufnahmen der beiden Schulendazu beigetragen, dass praktisch ausgeschlossen werden konnte, dass Apophis 2036 auf die Erde stürzt.

Zusatzinformationen:

Das Faulkes Telescope Project wird von der University of Glamorgan koordiniert und verfügt über Zugang zu zwei fernsteuerbaren 2-Meter-Teleskopen auf Hawaii und in Australien, die vom Las Cumbres Observatory Global Telescope (LCOGT) Netzwerk in Santa Barbara, USA, betrieben werden.

Das Haus der Astronomie (HdA) ist ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeitsarbeit und Didaktik auf dem Königstuhl in Heidelberg. Gegründet wurde das HdA Ende 2008 von der Klaus Tschira Stiftung und der Max-Planck-Gesellschaft. Die Klaus Tschira Stiftung hat auf dem Königstuhl das spektakuläre galaxienförmige Gebäude des HdA (Architekten: Bernhardt + Partner, Darmstadt) errichtet. Weitere Partner sind die Universität Heidelberg und die Stadt Heidelberg.

Kontaktinformationen:

Carolin Liefke
Haus der Astronomie
MPIA-Campus
Königstuhl 17
69117 Heidelberg
Tel.: 06221 528-226
E-Mail: liefke@hda-hd.de

Lothar Kurtze
Faulkes Telecope Project Deutschland
Klingenweg 14
69469 Weinheim
E-Mail: kurtze@sternwarte-weinheim.de

Martin Metzendorf
Lessing-Gymnasium Lampertheim
Biedensandstraße 55
68623 Lampertheim
Tel.: 06206 155 22 0
E-Mail: m.metzendorf@lgl.de

Matthias Penselin
Albert-Schweitzer-Gymnasium Crailsheim
Dr.-Ascher-Weg 1
74564 Crailsheim
Tel.: 07951 468048
E-Mail: mpenselin@yahoo.de
Weitere Informationen:

http://www.hausderastronomie.de/ - Haus der Astronomie
http://www.faulkes-telescope.com/ - Faulkes Telescope Project
http://www.asg-crailsheim.de/ - Albert-Schweitzer-Gymnasium Crailsheim
http://www.lgl.de/ Lessing-Gymnasium Lampertheim

Dr. Carolin Liefke | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpia.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Kosmische Schlange
20.11.2018 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

nachricht InSight: Touchdown auf dem Mars
19.11.2018 | Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nonstop-Transport von Frachten in Nanomaschinen

Max-Planck-Forscher entdecken die Nanostruktur von molekularen Zügen und den Grund für reibungslosen Transport in den „Antennen der Zelle“

Eine Zelle bewegt sich ständig umher, tastet ihre Umgebung ab und sendet Signale an andere Zellen. Das ist wichtig, damit eine Zelle richtig funktionieren kann.

Im Focus: Nonstop Tranport of Cargo in Nanomachines

Max Planck researchers revel the nano-structure of molecular trains and the reason for smooth transport in cellular antennas.

Moving around, sensing the extracellular environment, and signaling to other cells are important for a cell to function properly. Responsible for those tasks...

Im Focus: InSight: Touchdown auf dem Mars

Am 26. November landet die NASA-Sonde InSight auf dem Mars. Erstmals wird sie die Stärke und Häufigkeit von Marsbeben messen.

Monatelanger Flug durchs All, flammender Abstieg durch die Reibungshitze der Atmosphäre und sanftes Aufsetzen auf der Oberfläche – siebenmal ist das Kunststück...

Im Focus: Weltweit erstmals Entstehung von chemischen Bindungen in Echtzeit beobachtet und simuliert

Einem Team von Physikern unter der Leitung von Prof. Dr. Wolf Gero Schmidt, Universität Paderborn, und Prof. Dr. Martin Wolf, Fritz-Haber-Institut Berlin, ist ein entscheidender Durchbruch gelungen: Sie haben weltweit zum ersten Mal und „in Echtzeit“ die Änderung der Elektronenstruktur während einer chemischen Reaktion beobachtet. Mithilfe umfangreicher Computersimulationen haben die Wissenschaftler die Ursachen und Mechanismen der Elektronenumverteilung aufgeklärt und visualisiert. Ihre Ergebnisse wurden nun in der renommierten, interdisziplinären Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

„Chemische Reaktionen sind durch die Bildung bzw. den Bruch chemischer Bindungen zwischen Atomen und den damit verbundenen Änderungen atomarer Abstände...

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Personalisierte Implantologie – 32. Kongress der DGI

19.11.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz diskutiert digitale Innovationen für die öffentliche Verwaltung

19.11.2018 | Veranstaltungen

Naturkonstanten als Hauptdarsteller

19.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Für eine neue Generation organischer Leuchtdioden: Uni Bayreuth koordiniert EU-Forschungsnetzwerk

20.11.2018 | Förderungen Preise

Nonstop-Transport von Frachten in Nanomaschinen

20.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie sich ein Kristall in Wasser löst

20.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics