Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Datenspeicherung mit einzelnen Molekülen

17.12.2018

Forschende der Universität Basel berichten von einer neuen Methode, bei der sich der Aggregatzustand weniger Atome oder Moleküle innerhalb eines Netzwerks gezielt steuern lässt. Sie basiert auf der spontanen Selbstorganisation von Molekülen zu ausgedehnten Netzwerken mit Poren von etwa einem Nanometer Grösse. Im Wissenschaftsmagazin «small» berichten die Physikerinnen und Physiker von den Untersuchungen, die für die Entwicklung neuer Speichermedien von besonderer Bedeutung sein können.

Weltweit laufen Bestrebungen, Datenspeicher immer weiter zu verkleinern, um so auf kleinstem Raum eine möglichst hohe Speicherkapazität zu erreichen. Bei fast allen Medien wird zur Speicherung ein Phasenübergang genutzt.


Graphische Animation eines möglichen Datenspeichers auf der atomaren Skala: Ein Datenspeicherelement – bestehend aus nur 6 Xenon-Atomen – wird durch einen Spannungspuls verflüssigt.

Universität Basel, Departement Physik

So etwa wird für die Herstellung von CDs eine sehr dünne Metallschicht in Kunststoffen verwendet, die innerhalb von Mikrosekunden aufschmilzt, um dann wieder zu erstarren. Dies auf der Ebene von Atomen oder Molekülen zu ermöglichen, ist Gegenstand eines Forschungsprojekts unter Leitung der Universität Basel.

Phasenwechsel einzelner Atome zur Datenspeicherung

Ein Phasenwechsel auf Ebene einzelner Atome oder Moleküle kann prinzipiell zur Speicherung von Daten genutzt werden und in der Forschung gibt es derartige Speicher bereits. Sie sind allerdings aufwendig und teuer herzustellen.

Die Gruppe um Professor Thomas Jung von der Universität Basel hat das Ziel, solch winzige Speichereinheiten aus wenigen Atomen durch Selbstorganisation herzustellen und damit den Herstellungsprozess enorm zu vereinfachen.

Die Gruppe hat dazu zunächst ein sogenanntes metallorganisches Netzwerk hergestellt, das wie ein Sieb mit präzise definierten Poren aussieht. Wenn die richtigen Verbindungen und Bedingungen gewählt werden, ordnen sich die Moleküle dabei selbstständig zu einer regelmässigen supramolekularen Struktur an.

Xenon-Atome: mal fest, mal flüssig

Die Physikerin Aisha Ahsan, Erstautorin der aktuellen Studie, hat nun einzelne Xenon-Gasatome in die etwas über einen Nanometer grossen Poren des Netzwerks eingebracht. Durch Temperaturveränderungen und durch lokal angelegte elektrische Pulse gelang es ihr, den Aggregatzustand der Xenon-Atome zwischen fest und flüssig gezielt hin und her zu schalten.

Sie konnte diesen Phasenübergang durch Temperaturänderung in allen Poren gleichzeitig bewirken. Die Temperaturen für den Phasenübergang hängen von der Stabilität der Xenon-Cluster ab, die je nach Anzahl der Xenon-Atome unterschiedlich ist. Mit dem Mikroskopsensor lässt sich der Phasenübergang auch lokal in einer einzelnen Pore auslösen.

Da diese Experimente bei sehr tiefen Temperaturen von wenigen Kelvin durchgeführt werden müssen (unter -260° C), wird sich mit Xenon-Atomen selbst kein neuer Datenspeicher realisieren lassen. Die Versuche haben aber belegt, dass sich supramolekulare Netzwerke prinzipiell eignen, um winzige Strukturen herzustellen, in denen mit wenigen Atomen oder Molekülen gezielt Phasenübergänge induziert werden können.

«Wir werden nun grössere Moleküle wie kurze Alkohole testen, da diese Aggregatszustandsänderungen bei höheren Temperaturen durchlaufen und daher eine Anwendung gut denkbar ist», bemerkt Professor Thomas Jung, der die Arbeiten betreut hat.

Die Studie ist in Zusammenarbeit des Swiss Nanoscience Instituts (SNI), des Departements Physik der Universität Basel und des Paul Scherrer Instituts (PSI) mit den Universitäten Heidelberg und Linköping entstanden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Thomas Jung, Universität Basel, Departement Physik, +41 61 207 39 11 und
Laboratorium für Mikro- und Nanotechnologie, Paul Scherrer Institut, +41 56 310 45 18
E-Mail: thomas.jung@unibas.ch

Originalpublikation:

Phase transitions in confinements: Controlling solid to Fluid transitions of xenon atoms in an on-surface network
Aisha Ahsan, S. Fatemeh Mousavi, Thomas Nijs, Sylwia Nowakowska, Olha Popova, Aneliia Wäckerlin, Jonas Björk, Lutz H. Gade, Thomas A. Jung
small (2018), doi: wiley.com/10.1002/smll.201803169

Iris Mickein | Universität Basel
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen
02.04.2020 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF

nachricht Internationales Physiker-Team berechnet Effekt virtueller quarks in der Streuung von zwei Lichtquanten
02.04.2020 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Den Regen für Hydrovoltaik nutzen

Wassertropfen, die auf Oberflächen fallen oder über sie gleiten, können Spuren elektrischer Ladung hinterlassen, so dass sich die Tropfen selbst aufladen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben dieses Phänomen, das uns auch in unserem Alltag begleitet, nun detailliert untersucht. Sie entwickelten eine Methode zur Quantifizierung der Ladungserzeugung und entwickelten zusätzlich ein theoretisches Modell zum besseren Verständnis. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte der beobachtete Effekt eine Möglichkeit zur Energieerzeugung und ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Reibungselektrizität sein.

Wassertropfen, die über nicht leitende Oberflächen gleiten, sind überall in unserem Leben zu finden: Vom Tropfen einer Kaffeemaschine über eine Dusche bis hin...

Im Focus: Harnessing the rain for hydrovoltaics

Drops of water falling on or sliding over surfaces may leave behind traces of electrical charge, causing the drops to charge themselves. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz have now begun a detailed investigation into this phenomenon that accompanies us in every-day life. They developed a method to quantify the charge generation and additionally created a theoretical model to aid understanding. According to the scientists, the observed effect could be a source of generated power and an important building block for understanding frictional electricity.

Water drops sliding over non-conducting surfaces can be found everywhere in our lives: From the dripping of a coffee machine, to a rinse in the shower, to an...

Im Focus: Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen

Verschränkte Lichtteilchen lassen sich nutzen, um Bildgebungs- und Messverfahren zu verbessern. Ein Forscherteam am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena hat eine Quantenimaging-Lösung entwickelt, die in extremen Spektralbereichen und mit weniger Licht genaueste Einblicke in Gewebeproben ermöglichen kann.

Optische Analyseverfahren wie Mikroskopie und Spektroskopie sind in sichtbaren Wellenlängenbereichen schon äußerst effizient. Doch im Infrarot- oder...

Im Focus: Sensationsfund: Spuren eines Regenwaldes in der Westantarktis

90 Millionen Jahre alter Waldboden belegt unerwartet warmes Südpol-Klima in der Kreidezeit

Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Geowissenschaftlern des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)...

Im Focus: A sensational discovery: Traces of rainforests in West Antarctica

90 million-year-old forest soil provides unexpected evidence for exceptionally warm climate near the South Pole in the Cretaceous

An international team of researchers led by geoscientists from the Alfred Wegener Institute, Helmholtz Centre for Polar and Marine Research (AWI) have now...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

Europäischer Rheumatologenkongress EULAR 2020 wird zum Online-Kongress

30.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste SARS-CoV-2-Genome aus Österreich veröffentlicht

03.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Projekt »Lade-PV« gestartet: Fahrzeugintegrierte PV für Elektro-Nutzfahrzeuge

03.04.2020 | Energie und Elektrotechnik

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics