Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blick auf die Erde vor der Sonne

19.06.2019

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität Göttingen hat zwei neue erdähnliche Planeten bei einem unserer nächsten Nachbarsterne entdeckt. „Teegardens Stern“ ist nur etwa 12,5 Lichtjahre von der Erde entfernt und gehört zu den kleinsten Sternen, die es gibt. Er ist nur rund 2700 °C warm und etwa zehnmal leichter als die Sonne. Obwohl er uns so nahe ist, wurde der Stern erst 2003 entdeckt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten den Stern rund drei Jahre lang beobachtet.

Ihre Daten zeigen eindeutig die Existenz zweier Planeten. „Die beiden Planeten gleichen den inneren Planeten unseres Sonnensystems“, erläutert Dr. Mathias Zechmeister vom Institut für Astrophysik der Universität Göttingen, Hauptautor der Studie.


Teegardens Stern und seine beiden Planeten, im Hintergrund unser Sonnensystem.

Foto: Universität Göttingen, Institut für Astrophysik

„Sie sind nur wenig schwerer als die Erde und befinden sich in der sogenannten bewohnbaren Zone, wo Wasser in flüssiger Form vorhanden sein kann.“

Die Astronomen vermuten, dass die beiden Planeten Teil eines größeren Systems sein könnten. „Viele Sterne sind offenbar von Systemen mit mehreren Planeten umgeben“, erklärt Ko-Autor Prof. Dr. Stefan Dreizler von der Universität Göttingen. Teegardens Stern ist der kleinste Stern, bei dem bisher das Gewicht eines Planeten direkt gemessen werden konnte.

„Dieser Fund ist ein großer Erfolg des Carmenes-Projekts, das speziell für die Suche nach Planeten um die leichtesten Sterne geplant wurde“, so Prof. Dr. Ansgar Reiners von der Universität Göttingen, einer der wissenschaftlichen Leiter des Projekts.

Planetensysteme um ähnliche Sterne sind zwar bekannt, wurden aber bisher immer mit der Transitmethode nachgewiesen. Dafür müssen die Planeten für uns sichtbar vor dem Stern vorbeiziehen und ihn für einen Moment verdunkeln, was nur bei einem sehr geringen Bruchteil aller Planetensysteme passiert.

Bei den neuen Planeten wurden solche Transits bisher nicht gefunden. Dafür befindet sich das System aber an einer besonderen Stelle am Himmel: Von Teegardens Stern aus kann man die Planeten des Sonnensystems vor der Sonne vorbeiziehen sehen.

„Ein Bewohner der neuen Planeten hätte demnach die Möglichkeit, die Erde mit der Transitmethode zu betrachten“, so Reiners. Im Projekt Carmenes suchen deutsche und spanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit 2016 nach Planeten um Sterne in der Sonnenumgebung. Die nun entdeckten Planeten sind der zehnte und elfte des Teams.

Carmenes ist ein Projekt der Universitäten Göttingen, Hamburg und Heidelberg, des Max-Planck-Instituts für Astronomie Heidelberg, der Thüringer Landessternwarte, der spanischen Institute Consejo Superior de Investigaciones Científicas in Barcelona, Granada und Madrid, der Universität Madrid, des Instituto de Astrofísica de Canarias und des Calar-Alto-Observatoriums. Weitere Informationen sind unter https://carmenes.caha.es zu finden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Georg-August-Universität Göttingen
Institut für Astrophysik:

Dr. Mathias Zechmeister
Telefon (0551) 39-9988
E-Mail: zechmeister@astro.physik.uni-goettingen.de
Internet: http://www.astro.physik.uni-goettingen.de/~zechmeister/

Prof. Dr. Ansgar Reiners
Telefon (0551) 39-13825
E-Mail: ansgar.reiners@phys.uni-goettingen.de
Internet: http://www.uni-goettingen.de/de/homepage/574854.html

Prof. Dr. Stefan Dreizler
Telefon (0551) 39-5041
E-Mail: dreizler@astro.physik.uni-goettingen.de
Internet: http://www.uni-goettingen.de/de/216891.html

Originalpublikation:

Mathias Zechmeister et al. The CARMENES search for exoplanets around M dwarfs – Two temperate Earth-mass planet candidates around Teegarden’s Star. Astronomy & Astrophysics 2019. DOI: http://10.1051/0004-6361/201935460.

Weitere Informationen:

https://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?id=5494

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Beschleunigerphysik: Alternatives Material für supraleitende Hochfrequenzkavitäten getestet
15.07.2019 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

nachricht Experimenteller Mini-Beschleuniger erreicht Rekordenergie
11.07.2019 | Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Beschleunigerphysik: Alternatives Material für supraleitende Hochfrequenzkavitäten getestet

Supraleitende Hochfrequenzkavitäten können Elektronenpakete in modernen Synchrotronquellen und Freien Elektronenlasern mit extrem hoher Energie ausstatten. Zurzeit bestehen sie aus reinem Niob. Eine internationale Kooperation hat nun untersucht, welche Vorteile eine Beschichtung mit Niob-Zinn im Vergleich zu reinem Niob bietet.

Zurzeit ist Niob das Material der Wahl, um supraleitende Hochfrequenzkavitäten zu bauen. So werden sie für Projekte wie bERLinPro und BESSY-VSR eingesetzt,...

Im Focus: Künstliche Intelligenz löst Rätsel der Physik der Kondensierten Materie: Was ist die perfekte Quantentheorie?

Für einige Phänomene der Quanten-Vielteilchenphysik gibt es mehrere Theorien. Doch welche Theorie beschreibt ein quantenphysikalisches Phänomen am besten? Ein Team von Forschern der Technischen Universität München (TUM) und der amerikanischen Harvard University nutzt nun erfolgreich künstliche neuronale Netzwerke für die Bildanalyse von Quantensystemen.

Hund oder Katze? Die Unterscheidung ist ein Paradebeispiel für maschinelles Lernen: Künstliche neuronale Netzwerke können darauf trainiert werden Bilder zu...

Im Focus: Artificial neural network resolves puzzles from condensed matter physics: Which is the perfect quantum theory?

For some phenomena in quantum many-body physics several competing theories exist. But which of them describes a quantum phenomenon best? A team of researchers from the Technical University of Munich (TUM) and Harvard University in the United States has now successfully deployed artificial neural networks for image analysis of quantum systems.

Is that a dog or a cat? Such a classification is a prime example of machine learning: artificial neural networks can be trained to analyze images by looking...

Im Focus: Was die Kraftwerke der Zelle in Form hält

Ein Team aus Deutschland und der Schweiz um Professor Oliver Daumke vom MDC hat untersucht, wie ein Protein der Dynamin-Familie die innere Membran der Mitochondrien verformt. Die Ergebnisse, die auch Einblicke in erbliche Erkrankungen des Sehnervs liefern, sind im Journal „Nature“ veröffentlicht.

Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen. Hier wird Energie in Form chemischer Verbindungen wie ATP gewonnen. Um dieser Aufgabe optimal nachgehen zu...

Im Focus: Knobeln auf dem Quanten-Schachbrett

Physiker der Universität Innsbruck schlagen ein neues Modell vor, mit dem die Überlegenheit von Quantencomputern gegenüber klassischen Supercomputern bei der Lösung von Optimierungsaufgaben gezeigt werden könnte. Sie demonstrieren in einer aktuellen Arbeit, dass schon wenige Quantenteilchen genügen würden, um das mathematisch schwierige Damenproblem im Schach auch für größere Schachbretter zu lösen.

Das Damenproblem ist eine schachmathematische Aufgabe, die schon den großen Mathematiker Carl Friedrich Gauß beschäftigt hat, für die er aber erstaunlicher...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auswandern auf Terra-2?

15.07.2019 | Veranstaltungen

Hallo Herz! Wie kommuniziert welches Organ mit dem Herzen?

12.07.2019 | Veranstaltungen

Schwarze Löcher und unser Navi im Kopf: Wissenschaftsshow im Telekom Dome in Bonn

11.07.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Auswandern auf Terra-2?

15.07.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Beschleunigerphysik: Alternatives Material für supraleitende Hochfrequenzkavitäten getestet

15.07.2019 | Physik Astronomie

Verfahren zum Patent angemeldet: Katalysator-Herstellung in einem Schritt

15.07.2019 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics