Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Beobachtungen im Inneren eines pulsierenden Sterns

16.05.2002


Astronomen schließen weltweit fünfzehn Teleskope zu einem "Gesamtteleskop" zusammen

In den kommenden Wochen wird ein internationales Team von Astronomen, dem auch Dr. Stefan Dreizler und Sonja Landenberger-Schuh vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen angehören, mit mehr als fünfzehn Teleskopen Beobachtungen auf der ganzen Welt durchführen. Mit dem Datenmaterial von über einhundert Nächten wollen die Forscher Aufschluss über die innere Struktur eines einzelnen Sternes gewinnen. Die Projektleitung liegt bei Prof. Ulrich Heber von der Universität Erlangen-Nürnberg.

Im Sternbild "Schlange" befindet sich der veränderliche Stern V338 Ser, der mit mehreren Perioden im Bereich von etwa 10 Minuten pulsiert. Dabei handelt es sich um einen sehr alten, ausgebrannten Stern, der seine äußeren Schichten verloren zu haben scheint. Die Astronomen wollen nun erforschen, wie alt der Stern genau ist und wie viel von seiner Hülle verschwunden ist. Normalerweise ist es nicht möglich, in das Innere eines Sterns hineinzuschauen. Doch die Oberflächen einiger Sterne, wie zum Beispiel auch der Sonne, schwingen auf- und abwärts. Diese Pulsationen können durch Messmethoden, wie sie auch in der Seismologie verwendet werden, mehr über den Aufbau des Sterns verraten. In der Seismologie werden Wellen gemessen, die von Erdbeben oder bewusst ausgelösten Explosionen durch die Erdkruste geschickt werden. Sie geben Aufschluss über die jeweiligen Dichten in unterschiedlichen Schichten. Astronomen nehmen die natürlich vorkommenden Pulsationen zu Hilfe, um an Sternen ganz ähnliche Studien durchzuführen. Die Geschwindigkeit der Oberflächenbewegungen erlaubt Rückschlüsse auf die Dichtestruktur im Inneren, und jede Schwingung für sich "misst" dabei eine andere Tiefe aus.

Das "Multi-Site Spectroscopic Telescope" ist ein internationales Projekt unter der Leitung von Prof. Ulrich Heber von der Dr.-Remeis-Sternwarte Bamberg der Universität Erlangen-Nürnberg. Dr. Stefan Dreizler von der Universität Tübingen, Dr. Simon Jeffery vom Armagh Observatory in Nordirland und Simon O’Toole von der University of Sydney in Australien betreuen jeweils eines von drei untergeordneten Projekten, in denen durch unterschiedliche Beobachtungen derselbe Stern untersucht wird. Die fünfzehn Teleskope mit einem Durchmesser von einem bis vier Metern, die von den Astronomen zusammengeschlossen wurden, sind rund um den Globus auf über sieben Länder verteilt, darunter Australien, China, Südafrika, Italien, Spanien, Chile und die USA. Die rund 25 beteiligten Astronomen werden messen, wie viel Licht der Stern insgesamt ausstrahlt und mit welcher Geschwindigkeit sich seine Oberfläche hin -und herbewegt. Dabei werden sie zusätzlich von Kollegen unterstützt, die das "Whole Earth Telescope" betreiben - einen ähnlichen internationalen Zusammenschluss von Teleskopen, bei dem jedoch ausschließlich Lichtänderungen ausgewertet werden, um seismologische Analysen schnell veränderlicher Sterne durchzuführen.

Der Grund für ein solch groß angelegtes Projekt ist, dass sehr viel Teleskopzeit notwendig ist, um die äußerst schwachen Signale zu messen und aufzulösen. Unterbrechungen im Tagesrhythmus und die störende Sonne können die Interpretation dieser Signale unmöglich machen. Verwendet man jedoch mehrere, über den ganzen Erdball verteilte Teleskope, so geht der Stern für dieses "Gesamtteleskop" nie unter. Dieses Prinzip ist schon mehrmals erfolgreich in Projekten mit ähnlichen Anforderungen angewandt worden. Das "Multi-Site Spectroscopic Telescope" bringt jedoch zum ersten Mal für einen anderen Stern als der Sonne Beobachtungen der Lichtvariationen und gleichzeitig der Variationen im Spektrum zusammen, aus denen die Informationen über die Bewegungen der Sternoberfläche abgeleitet werden. Simon Jeffery erklärt: "Dieses Projekt gibt uns die bisher beste Gelegenheit, die Schwingungen zuzuordnen und einen Stern dieser Art asteroseismologisch zu untersuchen. Es wird zusätzlich zur Entwicklung einer Reihe neuer Techniken zur Erforschung des inneren Aufbaus auch vieler anderer Sterne führen."

Die ersten Teleskope haben am Dienstag, dem 14. Mai 2002, angefangen, Daten aufzunehmen. Die Beobachtungen werden bis zum 24. Juni weiterlaufen.


Weitere Informationen:

Dr Stefan Dreizler
Institut für Astronomie und Astrophysik, Abt. Astronomie
Waldhäuser Str. 64
72076 Tübingen
Tel. 0 70 71/2 97 86 12
Fax 0 70 71/29 34 58
E-Mail: dreizler@astro.uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://astro.uni-tuebingen.de/~dreizler

Weitere Berichte zu: Astronom Beobachtung Spectroscopic

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Unser Gehirn behält das Unerwartete im Blick
17.08.2018 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt
16.08.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics