Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Plattenspieler-Prinzip - Dortmunder Chemiker macht Unsichtbares sichtbar und chemisch analysierbar

20.03.2006


Für seine Arbeiten zur "Tip-enhanced Raman Spectroscopy", kurz TERS genannt, erhält Dr. Volker Deckert vom ISAS - Institute for Analytical Sciences den Bunsen-Kirchhoff-Preis 2006 des Deutschen Arbeitskreises für Angewandte Spektroskopie. Deckert kombinierte ein sogenanntes Raman-Spektrometer mit einer winzigen, mit Silber bedampften Glasspitze. Die von ihm entwickelte Methode funktioniert ähnlich wie ein Plattenspieler; doch statt Vinyl-Scheiben hörbar, macht sie eigentlich unsichtbare Dinge wie Zellen oder Proteine sichtbar. Und nicht nur das: Die "Spitzen"-Kombination kann gleichzeitig auch noch analysieren, aus welchen chemischen Verbindungen diese kleinsten Bausteine des Lebens bestehen.


Nur mit dem Mikroskop zu erkennen: 24.000-fach vergrößerte Abbildung der Silberspitze. ISAS



Mit Raman-Spektrometern lässt sich die chemische Zusammensetzung der unterschiedlichsten Materialien analysieren: Laserlicht wird auf Medikamente, Kristalle oder auch Sprengstoff gestrahlt und hinterher wieder "eingefangen". Da verschiedene Moleküle das Licht unterschiedlich streuen, lässt sich anhand der gemessenen Spektren sagen, ob zum Beispiel ein bestimmter Wirkstoff in einer Tablette enthalten ist oder nicht. In der Medizin und Biologie ist diese Methode bereits seit langem bekannt, ebenso in der Umwelttechnik und Mineralogie. Klassisch funktioniert sie jedoch nur bei relativ großen Objekten und ohne die Möglichkeit zur genauen Lokalisierung der einzelnen Moleküle. Gleich beide Einschränkungen hat Deckert mit seiner Kombination aus Spektrometer, Rasterkraft-Mikroskop und Silberspitze überwunden; auch bei mikroskopisch kleinsten Proben kann er sowohl das "Was" als auch das "Wo" bestimmen. "Das eigentlich Neue ist die Silberspitze, sie verstärkt und konzentriert das Lichtsignal und erlaubt damit eine viel höhere Auflösung", erläutert Deckert. Wie die Nadel eines Plattenspielers fährt die winzige Spitze über Zellen und Proteine, analysiert und lokalisiert dabei mit Hilfe von Spektrometer und Mikroskop gleichzeitig. "Die TERS erlaubt Untersuchungen im Nano-Bereich, die mit normalen Lichtmikroskopen nicht machbar sind," so Deckert, "interessant ist das zum Beispiel für die Zellbiologie oder Halbleitertechnik."



Mit dem Bunsen-Kirchhoff-Preis wird Deckert für die Entwicklung der TERS ausgezeichnet, im Moment forscht er jedoch schon an einer möglichen Anwendung: der DNA-Analyse. Ist der Dortmunder Wissenschaftler erfolgreich, lässt sich der genetische Code in Zukunft möglicherweise ganz direkt, ohne die bisher notwendigen und zeitraubenden Vorarbeiten, nach dem "Plattenspieler-Prinzip" auslesen.

Hintergrundinformation:

Der DASp - Deutscher Arbeitskreis für Angewandte Spektroskopie vergibt seit 1990 den "Bunsen-Kirchhoff-Preis für analytische Spektrokopie", um herausragende spektroskopische Leistungen vor allem jüngerer Wissenschaftler aus Universitäten, Forschungsinstitutionen oder der Industrie im In- und Ausland auszuzeichnen. Der Preis wird durch 2500 Euro von der Firma Perkin-Elmer unterstützt. Die offizielle Preisverleihung wird während im Rahmen der Analytica Conference am 26. April 2006 stattfinden.

Uta Deinet | idw
Weitere Informationen:
http://www.ansci.de
http://www.dasp.info

Weitere Berichte zu: Plattenspieler-Prinzip Spektrometer Spektroskopie TERS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Ein neuer Blick auf „seltsame Metalle“
17.01.2020 | Technische Universität Wien

nachricht Fraunhofer IAF errichtet ein Applikationslabor für Quantensensorik
16.01.2020 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Miniatur-Doppelverglasung: Wärmeisolierendes und gleichzeitig wärmeleitendes Material entwickelt

Styropor oder Kupfer – beide Materialien weisen stark unterschiedliche Eigenschaften auf, was ihre Fähigkeit betrifft, Wärme zu leiten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz und der Universität Bayreuth haben nun gemeinsam ein neuartiges, extrem dünnes und transparentes Material entwickelt und charakterisiert, welches richtungsabhängig unterschiedliche Wärmeleiteigenschaften aufweist. Während es in einer Richtung extrem gut Wärme leiten kann, zeigt es in der anderen Richtung gute Wärmeisolation.

Wärmeisolation und Wärmeleitung spielen in unserem Alltag eine entscheidende Rolle – angefangen von Computerprozessoren, bei denen es wichtig ist, Wärme...

Im Focus: Miniature double glazing: Material developed which is heat-insulating and heat-conducting at the same time

Styrofoam or copper - both materials have very different properties with regard to their ability to conduct heat. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz and the University of Bayreuth have now jointly developed and characterized a novel, extremely thin and transparent material that has different thermal conduction properties depending on the direction. While it can conduct heat extremely well in one direction, it shows good thermal insulation in the other direction.

Thermal insulation and thermal conduction play a crucial role in our everyday lives - from computer processors, where it is important to dissipate heat as...

Im Focus: Fraunhofer IAF errichtet ein Applikationslabor für Quantensensorik

Um den Transfer von Forschungsentwicklungen aus dem Bereich der Quantensensorik in industrielle Anwendungen voranzubringen, entsteht am Fraunhofer IAF ein Applikationslabor. Damit sollen interessierte Unternehmen und insbesondere regionale KMU sowie Start-ups die Möglichkeit erhalten, das Innovationspotenzial von Quantensensoren für ihre spezifischen Anforderungen zu evaluieren. Sowohl das Land Baden-Württemberg als auch die Fraunhofer-Gesellschaft fördern das auf vier Jahre angelegte Vorhaben mit jeweils einer Million Euro.

Das Applikationslabor wird im Rahmen des Fraunhofer-Leitprojekts »QMag«, kurz für Quantenmagnetometrie, errichtet. In dem Projekt entwickeln Forschende von...

Im Focus: Fraunhofer IAF establishes an application laboratory for quantum sensors

In order to advance the transfer of research developments from the field of quantum sensor technology into industrial applications, an application laboratory is being established at Fraunhofer IAF. This will enable interested companies and especially regional SMEs and start-ups to evaluate the innovation potential of quantum sensors for their specific requirements. Both the state of Baden-Württemberg and the Fraunhofer-Gesellschaft are supporting the four-year project with one million euros each.

The application laboratory is being set up as part of the Fraunhofer lighthouse project »QMag«, short for quantum magnetometry. In this project, researchers...

Im Focus: Wie Zellen ihr Skelett bilden

Wissenschaftler erforschen die Entstehung sogenannter Mikrotubuli

Zellen benötigen für viele wichtige Prozesse wie Zellteilung und zelluläre Transportvorgänge strukturgebende Filamente, sogenannte Mikrotubuli.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Tagung Kraftwerk Batterie - Advanced Battery Power Conference am 24-25. März 2020 in Münster/Germany

16.01.2020 | Veranstaltungen

Leben auf dem Mars: Woher kommt das Methan?

16.01.2020 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2020

16.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Chemiker lassen Bor-Atome wandern

17.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Infektiöse Proteine bei Alzheimer

17.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Miniatur-Doppelverglasung: Wärmeisolierendes und gleichzeitig wärmeleitendes Material entwickelt

17.01.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics