Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aurora über dem Mars

17.02.2006


In einem magnetischen Trichter werden positive Ionen vom Mars weg beschleunigt, während Elektronen auf die Atmosphäre des Planeten prallen und dort Aurora-Phänomene verursachen. Bild: Rickard Lundin / IRF


Das rechte Bild zeigt die Nachseite des Mars während eines Sonnensturms, wie man sie im sichtbaren Licht durch ein sehr empfindliches Teleskop beobachten würde. Entlang der Krustenfelder über der Südhalbkugel bildet sich Aurora-Leuchten. Über der Tagseite (links) verhindert die Ionosphäre des Planeten die Bildung einer Aurora. Bild: Mats Holmstroem / IRF


Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung weisen am Roten Planeten beschleunigte Ionen nach

... mehr zu:
»ASPERA-3 »Magnetfeld »Mars

Auch der Mars ist magnetisch und zeigt über seiner Südhalbkugel "Polarlichter". Nun haben Wissenschaftler mit dem Teilchenspektrometer ASPERA-3 an Bord des europäischen Satelliten Mars Express die Plasmaphysik dieser Aurora näher untersucht. Dabei fanden sie geladene Teilchen - vermutlich Sauerstoffionen -, die aus der Atmosphäre des Planeten in den freien Weltraum geschleudert werden. Die Beobachtung könnte dabei helfen zu klären, wie der Mars seine Atmosphäre verloren hat. Am Bau des Instruments ASPERA-3 war das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau wesentlich beteiligt. Das schwedischen Institut für Weltraumphysik in Kiruna hat das Experiment geleitet (Science, 17. Februar 2006).

Seit etwa zehn Jahren wissen die Forscher, dass über der Südhalbkugel des Mars starke Magnetfelder existieren, offenbar Relikte eines ursprünglichen Magnetfelds in der Planetenkruste. Diese Felder weisen eine sehr heterogene Struktur mit lokalen magnetischen Trichtern auf. Geophysiker vermuteten daher, dass an diesen Trichtern - wie an den Polkappen der Erde - Aurora-Phänomene auftreten müssten. Tatsächlich beobachtete das Spektrometer SPICAM auf der Sonde Mars Express im Frühjahr 2005 erstmals UV-Strahlung von der Nachtseite des Mars.


Das Spektrometer ASPERA-3 befindet sich ebenfalls an Bord des europäischen Satelliten und misst Energie und Richtung von geladenen und ungeladenen Atomen und Molekülen im marsnahen Weltraum. Daher setzten es die Wissenschaftler zur Erforschung der planetaren Aurora ein. Ihre Messungen ergaben, dass dort wie bei der Erde Elektronen in magnetischen Trichtern zum Mars hin beschleunigt werden, während gleichzeitig schwere Ionen aus seiner Atmosphäre ins All schießen (Abb.1). Vermutlich handelt es sich dabei um Sauerstoffionen, die häufigste Ionenart in der Marsatmosphäre oberhalb von etwa 200 Kilometer Höhe.

Die Forscher registrierten die beschleunigten Ionen besonders über Regionen, in denen das Krustenfeld des Planeten seine Polarität ändert. Daraus leiteten sie ab, wie die Nachtseite des Mars in einem empfindlichen Teleskop aussähe (Abb. 2). Allerdings ist das Licht der Mars-Aurora zu schwach, um von der Erde aus wahrgenommen zu werden.

Wie hat der Mars seine ursprünglich dichte Atmosphäre verloren? So lautet eines der größten Rätsel der Planetenforschung. Die beschriebenen Messungen könnten zur Klärung dieser Frage beitragen. Jedenfalls deuten die Erosionsspuren an der Oberfläche des Mars darauf hin, dass es dort in den ersten 500 Millionen Jahren nach seiner Entstehung große Wassermengen und eine entsprechend dichte Atmosphäre gab. Vermutlich beendete der Einschlag eines anderen Himmelskörpers diese Periode. Dabei ging offenbar die Atmosphäre verloren und das innere Magnetfeld des Planeten erlosch.

Seit einigen Jahren diskutieren die Wissenschaftler, ob der ständige Strom energiereicher Teilchen von der Sonne (Sonnenwind) die Atmosphäre im Lauf der vergangenen drei Milliarden Jahre abgetragen hat. Mit dem ASPERA-3-Experiment auf Mars Express wollen die Forscher untersuchen, wie effizient diese Abtragung ist. Der jetzt nachgewiesene Verlust von Sauerstoffionen in magnetischen Trichtern spielt dabei eine wichtige Rolle.

Originalveröffentlichung:

R. Lundin, D. Winningham, S. Barabash, R. Frahm, M. Holmstrom, J.-A. Sauvaud, A. Fedorov, K. Asamura, A. J. Coates, Y. Soobiah, K. C. Hsieh, M. Grande, H. Koskinen, E. Kallio, J. Kozyra, J. Woch, M. Fränz, D. Brain, J. Luhmann, S. McKenna-Lawler, R. S. Orsini, P. Brandt, P. Wurz
Plasma Acceleration Above Martian Magnetic Anomalies
Science, vol. 311, issue 5763, 17 February 2006

Dr. Andreas Trepte | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: ASPERA-3 Magnetfeld Mars

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Klassisches Doppelspalt-Experiment in neuem Licht
21.01.2019 | Universität zu Köln

nachricht Neue Erkenntnisse über magnetische Quanteneffekte in Festkörpern
21.01.2019 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zweigesichtige Stammzellen produzieren Holz und Bast

Heidelberger Forscher untersuchen einen der wichtigsten Wachstumsprozesse auf der Erde

Für einen der wichtigsten Wachstumsprozesse auf der Erde – die Holzbildung – sind sogenannte zweigesichtige Stammzellen verantwortlich: Sie bilden nicht nur...

Im Focus: Bifacial Stem Cells Produce Wood and Bast

Heidelberg researchers study one of the most important growth processes on Earth

So-called bifacial stem cells are responsible for one of the most critical growth processes on Earth – the formation of wood.

Im Focus: Energizing the immune system to eat cancer

Abramson Cancer Center study identifies method of priming macrophages to boost anti-tumor response

Immune cells called macrophages are supposed to serve and protect, but cancer has found ways to put them to sleep. Now researchers at the Abramson Cancer...

Im Focus: Klassisches Doppelspalt-Experiment in neuem Licht

Internationale Forschergruppe entwickelt neue Röntgenspektroskopie-Methode basierend auf dem klassischen Doppelspalt-Experiment, um neue Erkenntnisse über die physikalischen Eigenschaften von Festkörpern zu gewinnen.

Einem internationalen Forscherteam unter Führung von Physikern des Sonderforschungsbereichs 1238 der Universität zu Köln ist es gelungen, eine neue Variante...

Im Focus: Ten-year anniversary of the Neumayer Station III

The scientific and political community alike stress the importance of German Antarctic research

Joint Press Release from the BMBF and AWI

The Antarctic is a frigid continent south of the Antarctic Circle, where researchers are the only inhabitants. Despite the hostile conditions, here the Alfred...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Führende Röntgen- und Nanoforscher treffen sich in Hamburg

22.01.2019 | Veranstaltungen

Smarte Sensorik für Mobilität und Produktion 4.0 am 07. Februar 2019 in Oldenburg

18.01.2019 | Veranstaltungen

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Zweigesichtige Stammzellen produzieren Holz und Bast

22.01.2019 | Biowissenschaften Chemie

Wie tickt die rote Königin?

22.01.2019 | Biowissenschaften Chemie

Digitaler Denker: Argument-Suchmaschine hilft bei der Meinungsbildung

22.01.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics