Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Huygens enthüllt lebensfeindliche Welt auf Titan

07.12.2005


Panorama auf Titan aus einer Höhe von acht Kilometern. Der Kreis zeigt den Bereich, in dem die Raumsonde "Huygens" gelandet ist. Der farbige Bereich gibt wieder, in welcher Farbe ein Beobachter auf Titan dessen Oberfläche sehen würde. Die orange Färbung kommt von der Absorption des kurzwelligen blauen und grünen Sonnenlichts in der Atmosphäre von Titan. Bild: MPS/ University of Arizona/ESA/NASA


Oberfläche von Titan nach der Landung. Das Bild ist aus einer Höhe von etwa 40 Zentimetern aufgenommen. Die größten "Steine" haben ungefähr 15 Zentimeter Durchmesser. Bild: MPS/ University of Arizona/ESA/NASA


Internationales Forscherteam berichtet über erdähnliche Oberfläche auf dem Saturnmond Titan


Die Bedingungen auf dem Saturnmond Titan mit seiner dichten Atmosphäre ähneln jenen, die in der Frühzeit des Sonnensystems auf der Erde geherrscht haben. Bilder und Spektren der Titan-Oberfläche, die ein internationales Wissenschaftlerteam, darunter auch Forscher des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS), mit der Raumsonde "Huygens" aufgenommen haben, zeigen eine ausgetrocknete Flusslandschaft. Die Auswertung der Daten zeigt nun, dass Methan auf dem Titan sowohl im festen und flüssigen als auch im gasförmigen Zustand existiert und für die Atmosphäre und Oberfläche eine ähnliche Rolle spielt wie das Wasser auf der Erde. Hingegen fungiert Wassereis auf Titan ähnlich wie die Gesteine auf der Erde: Es bildet einen Hauptbestandteil der Mondoberfläche. Vermutlich überwiegend aus Wassereis bestehende "Steine" zeigen Spuren von Erosion und dem Transport durch eine Flüssigkeit (Nature, Advanced Online Publication, 30. November 2005).

Titan, mit einem Durchmesser von etwa 5.150 Kilometer der größte Mond des Saturn, hat eine dichte und weitgehend undurchsichtige Atmosphäre. Daher war er bis vor kurzem eines der wenigen Objekte im Sonnensystem, dessen Oberfläche noch nicht erforscht wurde. Im Jahr 1997 startete die Cassini/Huygens-Mission zum Saturnsystem. Das NASA-Raumfahrzeug Cassini erreichte im Jahr 2004 eine Umlaufbahn um den Saturn und erforscht seitdem den Ringplaneten und seine Monde. Die Sonde Huygens der europäischen Raumfahrtorganisation ESA wurde Ende 2004 von Cassini abgetrennt und landete am 14. Januar 2005 nach einem zweieinhalbstündigen Sinkflug durch die Atmosphäre erfolgreich auf Titan.


Unter den wissenschaftlichen Instrumenten auf Huygens war auch der Descent Imager/Spectral Radiometer (DISR), eine Kombination von insgesamt 14 Kameras, Spektrometern für sichtbares und infrarotes Licht und Photometern. Vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung stammt der CCD-Detektor für dieses Gerät, der das Signal aller Kameras und Spektrometer im sichtbaren Wellenlängenbereich empfängt.

Während des Sinkflugs und auch noch nach der Landung von Huygens untersuchte DISR die Atmosphäre und die Oberfläche Titans. Diese ähnelt auf den ersten Blick einer Landschaft auf der Erde: Man sieht Flussläufe, die aus einem höher gelegenen Gebiet in ein tiefes, flaches Terrain führen, begrenzt durch eine Art Küstenlinie (s. Abb. 1). Spektrale Untersuchungen legen ebenfalls nahe, dass Material von den höher gelegenen Gebieten in einen "See" transportiert wurde.

Huygens landete in dem niedrig gelegenen, flachen Bereich. Die nach der Landung aufgenommenen Bilder (s. Abb. 2) zeigen, dass sich in dem "See" zur Zeit keine Flüssigkeit befindet. Man sieht allerdings "Steine", deren abgerundete Form und Größenverteilung darauf schließen lässt, dass sie möglicherweise in einer Flüssigkeit transportiert worden sind. Bei den extrem niedrigen Temperaturen auf Titan - etwa -180 Grad Celsius an der Oberfläche - kann die Flüssigkeit allerdings kein Wasser sein. Man vermutet vielmehr, dass diese aus Methan und/oder anderen Kohlenwasserstoffen und die "Steine" selbst aus Wassereis bestehen.

Die Untersuchungen der Atmosphäre von Titan konzentrierten sich auf dessen Dunstschicht. Vor der Landung von Huygens nahm man an, dass der Dunst sich nur oberhalb von 50 Kilometer in der Atmosphäre befindet und der darunter liegende Bereich klar ist. Die Messungen von DISR zeigten nun, dass die Dunstschicht bis zur Oberfläche des Mondes reicht. Die Analyse der Spektren zeigt, dass die Dunstpartikel aus Aggregaten von einigen Hundert sehr kleinen, etwa 50 Nanometer messenden Teilchen bestehen.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Michael Küppers
Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau
Tel.: 05556 979-463
Fax: 05556 979-240
E-Mail: kueppers@linmpi.mpg.de

Dr. Bernd Wirsing | MPG
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: DISR Huygens Sonnensystemforschung Titan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Ein Turbolader für den Superrechner JUWELS
15.11.2019 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Lichtimpulse mit wenigen optischen Zyklen durchbrechen die 300 W-Barriere
14.11.2019 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neu entwickeltes Glas ist biegsam

Eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat ein Glasmaterial entwickelt, das sich bei Raumtemperatur bruchfrei verformen lässt. Das berichtet das Team aktuell in "Science". Das extrem harte und zugleich leichte Material verspricht ein großes Anwendungspotential – von Smartphone-Displays bis hin zum Maschinenbau.

Gläser sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen Welt. Dabei handelt es sich im Alltag meist um sauerstoffhaltige Gläser, wie sie etwa für Fenster und...

Im Focus: Images from NJIT's big bear solar observatory peel away layers of a stellar mystery

An international team of scientists, including three researchers from New Jersey Institute of Technology (NJIT), has shed new light on one of the central mysteries of solar physics: how energy from the Sun is transferred to the star's upper atmosphere, heating it to 1 million degrees Fahrenheit and higher in some regions, temperatures that are vastly hotter than the Sun's surface.

With new images from NJIT's Big Bear Solar Observatory (BBSO), the researchers have revealed in groundbreaking, granular detail what appears to be a likely...

Im Focus: Veränderungen der Chiralität von Molekülen in Echtzeit beobachten

Chirale Moleküle – Verbindungen, die als Bild und Spiegelbild vorkommen – spielen eine wichtige Rolle in biologischen Prozessen und in der chemischen Synthese. Chemikern der ETH Zürich ist es nun erstmals gelungen, mit Hilfe von Ultrakurzzeit-Laserpulsen Änderungen der Chiralität während einer chemischen Reaktion in Echtzeit zu beobachten.

Manche Moleküle können in zwei spiegelbildlichen Formen existieren, ähnlich wie unsere Hände. Obwohl solche sogenannten Enantiomere fast identische...

Im Focus: Durchbruch in der Malariaforschung

Eine internationale Forschungsgruppe um den Zellbiologen Volker Heussler von der Universität Bern hat hunderte genetische Schwachstellen des Malaria-Parasiten Plasmodium identifiziert. Diese sind in der Medikamenten- und Impfstoffentwicklung dringend erforderlich, um die Krankheit dereinst ausrotten zu können.

Trotz grosser Anstrengungen in Medizin und Wissenschaft, sterben weltweit immer noch mehr als 400'000 Menschen an Malaria. Die Infektionskrankheit wird durch...

Im Focus: Bauplan eines bakteriellen Kraftwerks entschlüsselt

Wissenschaftler der Universität Würzburg und der Universität Freiburg gelang es die komplexe molekulare Struktur des bakteriellen Enzyms Cytochrom-bd-Oxidase zu entschlüsseln. Da Menschen diesen Typ der Oxidase nicht besitzen, könnte dieses Enzym ein interessantes Ziel für neuartige Antibiotika sein.

Sowohl Menschen als auch viele andere Lebewesen brauchen Sauerstoff zum Überleben. Bei der Umsetzung von Nährstoffen in Energie wird der Sauerstoff zu Wasser...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Antibiotika aus dem Meer

18.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Lebende Brücken: Mit alten indischen Bautechniken moderne Städte klimafreundlich gestalten

18.11.2019 | Architektur Bauwesen

„Moonwalk“ für die Wissenschaft zeigt Verzerrungen im räumlichen Gedächtnis

18.11.2019 | Studien Analysen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics