Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Treibhauseffekt auf der Venus

09.11.2005


Kölner Forscher mit Radiowellenexperiment unterwegs zum Planeten Venus



Heute startete um 4:33 mitteleuropäischer Zeit die europäische Raumsonde VenusExpress vom Raumflughafen Baikonur in Kasachstan. Ziel der Mission ist die Erforschung des Nachbarplaneten Venus, den die Raumsonde ab April 2006 umrunden wird. Mit an Bord wird sich das Radiowellenexperiment "VenusExpress-Radio Science" (VeRa) befinden, an dem Kölner Forscher des Instituts für Geophysik und Meteorologie der Universität Köln maßgeblich beteiligt sind. VeRa wird die Atmosphäre des Planeten Venus mit Radiowellen sondieren, sowie leichte Abweichungen im Gravitationsfeld aufspüren und die Oberfläche des Planeten mit Hilfe von Radiowellen abtasten.

... mehr zu:
»Luft- und Raumfahrt »Planet »VeRa


Dr. Martin Pätzold vom Instiut für Gephysik der Universität zu Köln fungiert als Co-Hauptexperimentator. Hauptexperimentator des Experimentes ist Professor Dr. B. Häusler von der Universität der Bundeswehr München. Für die Kölner Forscher ist dies bereits die dritte federführende Teilnahme an einem internationalen Weltraumprojekt. Dr. Pätzold ist ebenfalls Hauptexperimentator mit einem Radiowellenexperiment an den interplanetaren Missionen Rosetta und MarsExpress. Unterstützt werden die deutschen Forscher von Kollegen der Universität Bonn, des Königlichen Observatoriums Brüssel (Belgien), des Pyrenäen-Observatoriums Toulouse (Frankreich), der Universität Stanford (USA) und des Luft- und Raumfahrtinstituts in Sagamihara (Japan).

VenusExpress stand von Anfang an unter großem Zeitdruck: Zum einen gab es ein recht enges Zeitfenster für den Start, der bei einer möglichst günstigen Konstellation Venus-Erde erfolgen sollte, so dass die Reise dorthin mit möglichst wenig Treibstoff bewältigt werden soll. Aber vor allem mussten die engen Kostenvorgaben der ESA eingehalten werden. Die Raumsonde VenusExpress wurde erst 2002 von der europäischen Weltraumagentur ESA als bester Missionsvorschlag ausgewählt. Noch im selben Jahr wurde das Projekt begannen. Nach anfänglichen Finanzierungsschwierigkeiten wurden im Jahr 2003 dann die eigentlichen Arbeiten in Angriff genommen. Beim der Bau der Raumsonde konnte auf die Erfahrungen des MarsExpress-Projektes zurückgegriffen werden. Mit dem Start 2005 ist VenusExpress im internationalen Rahmen mit Sicherheit eines der bislang am schnellsten in die Tat umgesetzten Weltraumprojekte.

Ziele der Mission sind unter anderem:

  • Die Untersuchung der Ursachen des gigantischen "Treibhauseffektes" auf der Venus, der den Planeten derart aufheizt, dass am Boden Temperaturen von bis zu 500° Celsius herrschen.
  • Die Erforschung der Dynamik der oberen Atmosphäre, in der Windgeschwindigkeiten von bis zu 360 km/h gemessen wurden.
  • Suche nach Hinweisen für aktiven Vulkanismus

Einige Forscher nehmen zudem an, dass Vulkankegeln in großen Höhen von einer dünnen Schicht des Halbleitermaterials Tellur bedeckt sind. Der Planet Venus ist in Größe und Zusammensetzung unter allen Planeten in unserem Sonnensystem der Erde am ähnlichsten. Die Erforschung unseres Schwesterplaneten dient also letzten Endes dem Verständnis über die weitere Entwicklung unseres eigenen Planeten.

Das Experiment VeRa nutzt Radiowellen zur Erforschung der Atmosphäre, des Schwerefeldes und der Oberfläche des Planeten Venus. Wenn die Radiowellen die Venusatmosphäre durchqueren oder sie von der Oberfläche reflektiert werden, dann verändern sich die Wellen auf ganz charakteristische Art und Weise und erlauben es den Forschern so, Rückschlüsse auf die Eigenschaften der Atmosphäre bzw. des Venusbodens zu ziehen. Die Signale werden dabei von den großen Bodenstationen der europäischen Weltraumagentur ESA und der amerikanischen Weltraumbehörde NASA in Australien (Spiegeldurchmesser 34, bzw. 70 m) aufgezeichnet.

Um die Frequenz der von VeRa ausgesandten Wellen möglichst genau einzustellen, wird ein so genannter "Ultrastabiler Quarz-Oszillator (USO) eingesetzt. Der USO wurde vom mittelständischen Unternehmen TIMETECH in Stuttgart im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Raumfahrttechnik an der Universität der Bundeswehr München für den Einsatz in der VenusExpress-Mission hergestellt. Die Integration in die Raumsonde erfolgte in Turin bei der Firma Alenia Spazio und in Toulouse bei EADS-Astrium.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Martin Pätzold unter der Telefonnummer 0221/470-3385 bzw. 0221/470-2552 oder unter der Email-Adresse paetzold@geo.uni-koeln.de zur Verfügung.

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de/pi/.

Weitere Berichte zu: Luft- und Raumfahrt Planet VeRa

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht
21.09.2018 | Forschungszentrum Jülich

nachricht NOEMA: Halbzeit für das im Bau befindliche Superteleskop
20.09.2018 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ein neues Mittel gegen Zöliakie

24.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

Entscheidung über Attraktivität fällt in Millisekunden

24.09.2018 | Studien Analysen

Künstliche Intelligenz im Fokus – Schulungsangebot zum maschinellen Lernen für Industrie und Forschung startet

24.09.2018 | Seminare Workshops

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics