Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dunkle Teilchenbeschleuniger im Zentrum der Milchstraße

29.03.2005


Dreidimensionale Darstellung der Galaktischen Ebene im Gammastrahlungslicht, auf der deutlich wird, dass die neuentdeckten Quellen sich entlang der Galaktischen Ebene gruppieren. Die unterschiedliche Höhe der Peaks zeigen die unterschiedlichen Stärken der neuen Quellen der hochenergetischen Gammastrahlung. Bild: HESS-Kollaboration


H.E.S.S.-Teleskope entdecken unbekannte und bisher unsichtbare Quellen hochenergetischer Gammastrahlung

... mehr zu:
»Gammastrahl »Milchstraße »Teleskop

Gleich acht neue Quellen hochenergetischer Gammastrahlung hat ein Team internationaler Wissenschaftler mit dem im Khomas Hochland in Namibia arbeitenden H.E.S.S-Teleskopsystem gefunden. Hochenergetische Gammastrahlung ist eine Form elektromagnetischer Strahlung aus dem Kosmos - ein für menschliche Augen nicht sichtbares Licht mit einer Energie, die tausend Milliarden mal größer ist als die Energie des sichtbaren Lichts. Mit der Entdeckung des H.E.S.S.-Forscherteams hat sich die Anzahl der bisher bekannten Quellen nahezu verdoppelt. Die überraschenden Forschungsergebnisse werden in der neuen Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht (Science, 25. März 2005).

Die Atmosphäre unserer Erde wird ständig von einem Strom hochenergetischer nuklearer Teilchen aus dem Weltraum getroffen - der kosmischen Strahlung. Kosmische Strahlung gilt allgemein als Triebfeder für die Entwicklung des Weltalls und als einer der Motoren der Evolution, denn durch sie wird durch genetische Veränderungen in Pflanzen und Tieren die Entwicklung des Lebens auf der Erde vorangetrieben. Entdeckt wurde die kosmische Strahlung bereits 1912 von Viktor Hess, der für diese Entdeckung 1936 den Nobelpreis für Physik erhielt. Doch die Ursprünge der Strahlung aus dem All bleiben bisher verborgen. Die Suche nach den Quellen der kosmischen Strahlung beschäftigt Wissenschaftler nun seit fast hundert Jahren. Ein Hinweis auf mögliche Quellen ist der Nachweis hochenergetischer Gammastrahlung. Dort wo sie auftritt, vermutet man auch Quellen der kosmischen Strahlung.


Das High Energy Stereoscopic System (H.E.S.S.), ein Ensemble von vier Teleskopen, gebaut speziell für den Nachweis der hochenergetischen Gammastrahlung, steht im Khomas Hochland von Namibia. Von dort haben die Wissenschaftler einen nahezu idealen Blick auf den zentralen Bereich der Milchstraße. Das erst im Dezember 2003 in Betrieb genommene H.E.S.S.-Teleskopsystem ist deutlich empfindlicher als alle bisherigen Teleskope dieses Typs und ermöglicht erstmals, nicht nur punktuell nach Quellen hochenergetischer Gammastrahlung zu suchen sondern den gesamten Bereich der zentralen Milchstraße zu betrachten.

Schon die ersten derartigen Beobachtungen brachten ungeahnte Erfolge [1]. Bisher waren etwa zwölf Quellobjekte hochenergetischer Strahlung bekannt. Den H.E.S.S.-Forschern ist es nun gelungen, eine neue Population von acht Quellen dieser Strahlung zu finden. "Wir hatten gehofft, mit einem Instrument wie H.E.S.S. neue Quellen zu entdecken. Dass wir aber sofort einen solchen Erfolg haben würden, übertrifft unsere kühnsten Erwartungen", so Stefan Funk vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg.

Die Entdeckung des internationalen Forscherteams ist nicht nur aufgrund der Zahl neuer Quellen beachtlich. Einige der gefundenen Objekte haben die Größe von mehreren Lichtjahren - zum Vergleich, die Entfernung von der Erde bis zu unserem nächsten stellaren Nachbarn "Alpha Centauri" beträgt vier Lichtjahre. Vor allem aber erstaunt es die Wissenschaftler, dass es zu einigen der neu entdeckten Quellen kein Gegenstück in anderen Bereichen des elektromagnetischen Spektrums gibt. Diese Quellen lassen sich offenbar nur im Bereich hochenergetischer Gammastrahlung, nicht aber im sichtbaren Licht als Radio- oder Röntgenquellen nachweisen.

"Hier stehen wir vor einem großen Rätsel: Wir haben es mit einer vollkommen neuen Art von galaktischen Quellen zu tun und haben keine Ahnung, wie die nachgewiesene Gammastrahlung in diesen Objekten erzeugt wird", sagt Stefan Funk. Damit ist dem H.E.S.S.-Projekt bereits die zweite wichtige Entdeckung in wenigen Monaten gelungen. Schon während der Anlaufphase des Experiments konnte das internationale Wissenschaftlerteam erstmals ein hochaufgelöstes Bild einer Gammastrahlungsquelle, eines Supernova-Überrests, erzeugen. Das Fachmagazin "Nature" (432, 75, 2004) berichtete. [2]

Die neuen Entdeckungen sind ein großer Erfolg für die noch junge Forschung in der Gammastrahlen-Astronomie. Sie eröffnen eine neue Sichtweise auf den Kosmos und erlauben tiefe Einblicke in die Ursprünge der kosmischen Strahlung.

Das H.E.S.S.-Projekt wird in internationaler Zusammenarbeit mit starker europäischer und vor allem deutscher Beteiligung betrieben. Derzeit forschen rund hundert Physiker aus acht Ländern und neunzehn Instituten gemeinsam unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Kernphysik in Heidelberg. Zudem sind vier deutsche Universitäten - Berlin, Bochum, Hamburg und Heidelberg - sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Frankreich, England, Irland, Namibia, Armenien und Südafrika am H.E.S.S.-Experiment beteiligt.

Während der letzten Jahre has die H.E.S.S.-Kollaboration ein System von vier Teleskopen im Khomas Hochland in Namibia aufgebaut, um hochenergetische Gammastrahlung von "Beschleunigern" der kosmischen Strahlung studieren zu können. Diese Cherenkov-Teleskope detektieren das Licht, das beim Auftreffen hochenergetischer kosmischer Strahlung auf die Erdatmosphäre entsteht und dort absorbiert wird. Die H.E.S.S.-Teleskope verfügen jeweils über eine Spiegelfläche von 107 Quadratmetern und sind mit 960 hochsensitiven und extrem schnellen Photo-Detektor-Kameras ausgerüstet. Diese Kameras sind in den Brennebenen der Teleskope angebracht. Der Aufbau des Systems begann 2001, das vierte Teleskop wurde im Dezember 2003 in Betrieb genommen. Das H.E.S.S.-System ist deutlich empfindlicher als alle zuvor gebauten Cherenkov-Teleskope [3].
Verwandte Links:

[1] MPG-Presseinformation "Kosmischer Teilchenbeschleuniger entdeckt" vom 3. November 2004

[2] MPG-Presseinformation "Supernova nahe dem Zentrum unserer Milchstraße" vom 15. September 2004

[3] MPG-Presseinformation "Auf der Suche nach den Quellen mysteriöser Teilchen aus dem All" vom 23. September 2004

[4] H.E.S.S.-Projekt Website

Max-Planck-Gesellschaft
zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hofgartenstraße 8
80539 München

Postfach 10 10 62
80084 München

Telefon: +49 (0)89 2108 - 1276
Telefax: +49 (0)89 2108 - 1207

Dr. Andreas Trepte | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de
http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2005/pressemitteilung20050322/index.html

Weitere Berichte zu: Gammastrahl Milchstraße Teleskop

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Unser Gehirn behält das Unerwartete im Blick
17.08.2018 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt
16.08.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics