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Das Weltall im Labor nachgebaut

01.08.2000


Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat zum 1. Juli an den Universitäten in Chemnitz und Jena eine neue Forschergruppe eingerichtet. Sie soll in Laborexperimenten und mit theoretischen Modellen erforschen, wie unter den extremen Bedingungen, die im Weltall herrschen, neue Moleküle gebildet und zerstört werden und welche Rolle die Staubteilchen dabei spielen. Die Forschungsergebnisse sollen helfen, die Beobachtungen von Hochleistungsteleskopen besser deuten zu können. Der Sprecher der Gruppe, in der insgesamt dreizehn hochkarätige Wissenschaftler mitarbeiten, ist der Chemnitzer Physiker Prof. Dieter Gerlich. Insgesamt sind zehn Forschungsprojekte geplant, die die DFG mit zusammen einer Million Mark pro Jahr fördert. Solche Forschergruppen richtet die DFG ein, um die enge Zusammenarbeit herausragender Wissenschaftler auch über nationale Grenzen hinweg über einen längeren Zeitraum zu fördern.

Die neue DFG-Forschergruppe trägt den Namen "Laborastrophysik: Struktur, Dynamik und Eigenschaften von Molekülen und Staubteilchen im Weltraum". Sie ermöglicht es den Wissenschaftlern, über mehrere Jahre auch mit Gastwissenschaftlern zusammenzuarbeiten und sich einem besonderen Forschungsgebiet zu widmen. Acht der Forscher arbeiten am Institut für Physik der Chemnitzer Uni, vier am Astrophysikalischen Institut und der Sternwarte der Uni Jena und einer am Institut für Theoretische Physik der Uni Paderborn. Das Forschungsprogramm ist vorerst auf drei Jahre angelegt. Etwa ein Drittel der Fördersumme ist für die Anschaffung neuer Geräte und für den Betrieb der komplizierten Laborausrüstung gedacht. An den beteiligten Professuren werden außerdem eine volle und elf halbe Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter neu eingerichtet. Auch die Ausbildung der Studenten wird von der Forschergruppe profitieren.

Um an die Fördermittel zu kommen, musste zunächst ein Antrag bei der DFG gestellt werden - er umfasste rund 300 Seiten. "Wir haben das gleich in Englisch gemacht", so Prof. Gerlich, "das ist nun mal die internationale Wissenschaftssprache. Außerdem gibt es in Deutschland nicht so viele Gutachter, die mit unserem Arbeitsgebiet näher vertraut sind. Ausländische Gutachter waren uns ohnehin wichtig. Das positive Urteil dieser Gutachter zeigt uns außerdem, wie sehr die Chemnitzer Physikforschung mittlerweile in der Welt anerkannt ist."

Für ihre Versuche sind die Labors der Chemnitzer und Jenaer Wissenschaftler erstklassig ausgestattet. Für ihre Forschung entwickelten Sie eigens neue Ionen- und Teilchenfallen. In diesen Fallen lassen sich sogar einzelne Molekühle einfangen und nachweisen. Auf diese Weise kann man den interstellaren Staub nachbilden und seine Eigenschaften bestimmen. Da viele dieser Geräte nach dem Baukastenprinzip aufgebaut sind, lassen sie sich leicht kombinieren oder mit zusätzlichen Geräten koppeln. Mehrere Lasersysteme, Vakuumanlagen und Hochleistungsrechner gehören ebenfalls zur Ausstattung.

(Autor: Hubert J. Gieß)

Weitere Informationen: Technische Universität Chemnitz, Fakultät für Naturwissenschaften, Institut für Physik, Reichenhainer Str. 70, 09107 Chemnitz, Prof. Dr. Dieter Gerlich, Telefon (03 71) 5 31-31 35, Fax (03 71) 5 31-31 03, E-Mail: gerlich@physik.tu-chemnitz.de

Wichtiger Hinweis für die Medien: Ein Foto zum Text erhalten Sie über Zentralbild GmbH, Tel. 030/2852-1511 (Fotograf: dpa/Wolfgang Thieme, Funkbild-Nummer CHE-01-01.08.2000 (Basisdienst) und CHE-40-01.08.2000 (Ost)).

Dipl.-Ing. Mario Steinebach |

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