Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie aus Staubkörnern Planeten werden

30.05.2008
Dr. Mario Trieloff vom Mineralogischen Institut der Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität koordiniert zusammen mit Professor Klaus Mezger von der Universität Münster ein kürzlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft genehmigtes Schwerpunktprogramm zur Entstehung terrestrischer Planeten - Kleinste Gesteinskügelchen in Meteoriten geben Aufschluss über die ursprüngliche Zusammensetzung unseres Sonnensystems

"Wie aus feinsten Staubpartikeln große Planeten werden, ist wahrlich keine triviale Angelegenheit", betont Privat-Dozent Dr. Mario Trieloff vom Mineralogischen Institut der Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität. Schließlich hat die Entdeckung extrasolarer Planeten das Interesse an der Entstehung fester, erdähnlicher Planeten wieder geweckt.

"Wenn wir deren Entstehung verstanden haben, können wir auch sagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass in anderen Planetensystemen terrestrische Planeten vorkommen", erläutert der Mineraloge Trieloff. Deshalb hatte der Heidelberger Wissenschaftler zusammen mit Kollegen anderer Universitäten ein Schwerpunktprogramm zu dieser Thematik bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beantragt. Das Programm mit dem Titel "The first 10 Million Years of the Solar System -- a Planetary Materials Approach" wurde dieser Tage genehmigt und wird von Mario Trieloff zusammen mit Professor Klaus Mezger von der Universität Münster koordiniert.

Ein idealer Zeitpunkt für den Start des Schwerpunktprogrammes, denn um etwas über die Frühphase der Planetenentwicklung zu erfahren, ist es notwendig, extraterrestrisches Material in Form von Meteoriten oder Asteroiden zu untersuchen. Gerade derartiges Material wurde in den vergangenen zehn Jahren besonders häufig in entlegeneren Gebieten der Erde gefunden, wie etwa in der Antarktis oder in Wüstengebieten. "Dadurch steht vermehrt Material von selteneren Meteoritenarten zur Verfügung", erläutert Mario Trieloff.

... mehr zu:
»Meteorit »Planet »Sonnensystem

Hinzu kommt Probenmaterial aus der Stardust-Mission der NASA, die zum Ziel hatte, Partikel aus der Gashülle des Kometen Wild 2 sowie von interstellarem Staub einzufangen und zur Erde zu bringen. Seit Januar 2006 ist dieses den Wissenschaftlern zugängig, auch Forschern von einigen deutschen Universitäten, die an der Stardust-Mission beteiligt waren. Gleichzeitig sind die Analysemethoden im letzten Jahrzehnt immer besser geworden und so genügen schon winzigste Probenmengen, um beispielsweise Altersdatierungen der Meteoriten mit Hilfe massenspektrometrischer Untersuchungen vorzunehmen.

Besonders die verbesserten Analyseverfahren sind notwendig, um herauszufinden, wie aus einer Staubscheibe, welche die Sonne vor etwa 4,6 Milliarden Jahren umgab, schließlich große Planeten entstanden. Hierfür konzentrieren sich die Forscher beispielsweise auf die Untersuchung so genannter Chondrite (von griechisch chondros: Korn), Meteorite mit kleinen Gesteinskügelchen, deren Zusammensetzung der des ursprünglichen Sonnensystems entspricht. Chondrite enthalten die ersten Millimeter bis Zentimeter großen Festkörper, die sich in unserem Sonnensystem aus mikrometerfeinen Staubteilchen gebildet haben.

Für die Wissenschaftler aus Bayreuth, Berlin, Frankfurt, Heidelberg, Mainz, Münster und weiteren nationalen Standorten stehen für die kommenden drei Jahre zunächst einmal 2,2 Millionen Euro pro Jahr für Projekte zur Verfügung, die sie in den kommenden Monaten noch beantragen müssen. Mario Trieloff rechnet damit, dass ungefähr 40 Projektanträge eingehen werden, von denen die DFG etwa zwei Drittel positiv bescheiden wird. Dabei ist es ebenfalls ein Ziel, die verstreuten Arbeitsgruppen im Bereich der Planetologie in Deutschland besser zu vernetzen.

Es werden aber nicht nur Forschungsvorhaben in dem Schwerpunktprogramm finanziert. Ein weiteres Ziel ist die Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Hierfür sind neben gemeinsamen Treffen der Arbeitsgruppen auch Trainingsprogramme und Sommerschulen für Doktoranden und Postdoktoranden fest eingeplant.

Stefan Zeeh

Rückfragen bitte an:
PD Dr. Mario Trieloff
Mineralogisches Institut
Im Neuenheimer Feld 236
69120 Heidelberg
Tel. 06221 546022
trieloff@min.uni-heidelberg.de
allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
Irene Thewalt
Tel. 06221 542310, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Meteorit Planet Sonnensystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Komet C/2020 F3 (NEOWISE) mit bloßem Auge am Abendhimmel sichtbar
13.07.2020 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht Kosmische Katastrophe bestätigt Einsteins Relativitätstheorie
10.07.2020 | Max-Planck-Institut für Physik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Electron cryo-microscopy: Using inexpensive technology to produce high-resolution images

Biochemists at Martin Luther University Halle-Wittenberg (MLU) have used a standard electron cryo-microscope to achieve surprisingly good images that are on par with those taken by far more sophisticated equipment. They have succeeded in determining the structure of ferritin almost at the atomic level. Their results were published in the journal "PLOS ONE".

Electron cryo-microscopy has become increasingly important in recent years, especially in shedding light on protein structures. The developers of the new...

Im Focus: Neue Schlankheitstipps für Computerchips

Lange Zeit hat man in der Elektronik etwas Wichtiges vernachlässigt: Wenn man elektronische Bauteile immer kleiner machen will, braucht man dafür auch die passenden Isolator-Materialien.

Immer kleiner und immer kompakter – das ist die Richtung, in die sich Computerchips getrieben von der Industrie entwickeln. Daher gelten sogenannte...

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Ansatz für Gentherapie gegen Herzschwäche

13.07.2020 | Studien Analysen

Komet C/2020 F3 (NEOWISE) mit bloßem Auge am Abendhimmel sichtbar

13.07.2020 | Physik Astronomie

Verbesserte Prüfverfahren für sichere Batteriesysteme

13.07.2020 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics