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Voyager 2 verlässt das Sonnensystem

13.12.2007
Raumsonden zeigen: Die Heliosphäre ist nicht sphärisch

Die Raumsonde Voyager 2 hat die Heliosphäre, das Sonnensystem im engeren Sinne, verlassen. Der Durchflug des sogenannten "Termination Shock" hat in Kombination mit Daten der Sonde Voyager 1 die Erkenntnis gebracht, dass die Heliosphäre asymmetrisch ist.

Das haben US-Wissenschafter auf der Herbsttagung der American Geophysical Union bekannt gegeben. "Dieser Bereich war bisher nur indirekt zu erschließen. Jetzt haben wir erstmals Messgeräte vor Ort", erklärt Werner W. Weiss vom Institut für Astronomie der Universität Wien gegenüber pressetext das große wissenschaftliche Interesse.

"Unsere Sonne gibt Energie nicht nur als elektromagnetische Strahlung ab, sondern auch in Form eines Partikel-Stroms, dem Sonnenwind", erläutert Weiss. Jener Bereich des Weltraums, der von diesem Sonnenwind dominiert wird, ist die Heliosphäre. Am Rand dieses Bereichs trifft der Sonnenwind auf das Interstellare Medium - nach irdischen Maßstäben ein Hochvakuum. Trotzdem bleib das nicht ohne Auswirkungen, so Weiss: "Es kommt zu einer Schockfront, da der Sonnenwind abgebremst wird." Genau diese Front ist der "Termination Shock", den Voyager 2 den US-Forschern zufolge am 30. August 2007, 30 Jahre nach dem Start der Sonde, durchquert hat.

Damit hat erstmals ein Raumfahrzeug direkte Messungen dieses Bereichs geliefert. Dabei hat sich gezeigt, dass die Front sich leicht ausdehnt und wieder kontrahiert, weshalb Voyager 2 den Termination Shock insgesamt fünf Mal durchquert hat. Eben diesen hatte Voyager 1 zwar schon im Dezember 2004 durchflogen, doch waren damals Geräte ausgefallen. Da die Sonden sehr unterschiedliche Flugbahnen haben, konnten die beiden Durchflüge ein interessantes Ergebnis liefern: Die Heliosphäre ist nicht sphärisch. Voyager 2 hat den Termination Shock in einer Entfernung von rund 1,5 Mrd. Kilometer näher an der Sonne erreicht als die Schwester-Sonde. Die amerikanischen Forscher vermuten, dass das an einem lokal stärkeren interstellaren Magnetfeld liegen könnte.

"Es ist doch faszinierend, dass ein von Menschenhand gefertigtes Gerät das Sonnensystem verlässt und Daten liefert", betont Weiss, dass nicht nur die Ergebnisse sondern deren Gewinnung an sich beachtenswert sind. "Dafür waren die Voyager-Sonden gar nicht geplant", so Weiss. Sie mussten nach Erfüllung ihrer ursprünglichen Aufgabe - der Erforschung des äußeren Planetensystems - erst entsprechend umprogrammiert werden. Dass das möglich war, zeuge von der hohen Qualität der Geräte und dem Einfallsreichtum der Wissenschaftler. Derzeit durchqueren die Voyager-Sonden eine Übergangsregion, in der das Interstellare Medium noch durch Sonnenwind und die Eigenbewegung der Sonne im Raum beeinflusst wird. Bisherige Messergebnisse überraschten die Forscher: Der Bereich scheint kühler als erwartet. Als mögliche Erklärung wird gehandelt, dass das Auftreffen des Sonnenwindes das Interstellare Medium nicht nur aufheizt, sondern einzelne Teilchen extrem beschleunigt - ähnlich einem Teilchenbeschleuniger.

Die Erfolgsgeschichte der Voyager-Sonden könnte sich indes noch fortsetzen. In rund zehn Jahren werden sie den US-Forschern zufolge den echten interstellaren Raum erreichen. Schätzungen zufolge könnte die Stromversorgung der Sonden auch dann noch eine Datenübermittlung erlauben. Weiss gibt zu bedenken: "Bei einer doppelt so großen Entfernung kann nur ein Viertel der Sendeleistung von Voyager auf der Erde empfangen werden." Das Datensignal dann noch verwertbar zu empfangen, wäre eine weitere sensationelle Leistung des Voyager-Projekts.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.astro.univie.ac.at

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