Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sicherheitsglas - beliebig geformt

15.10.2012
Einschlagsicher zu sein, ist der große Vorteil von Sicherheitsglas. Allerdings erschwert dies auch den Zuschnitt der Glasscheiben: Mit dem gängigen Verfahren sind nur gerade Schnitte möglich. Eine neue Methode erlaubt nun beliebige Schnittführungen. Auf der Messe Glasstec vom 23. bis 26. Oktober in Düsseldorf stellen die Forscher eine wellenförmig geschnittene Sicherheitsglasplatte vor (Halle 15, Stand E25).

Prallt ein Gegenstand in die Glasfassade eines Hochhauses, darf das Glas nicht zersplittern und herunterfallen, denn es könnte Passanten verletzen. Zudem müssen die Fensterscheiben halten, wenn von innen eine Person gegen sie stürzt.


Modellschnitt: Ein neues Verfahren ermöglicht es, Sicherheitsglas in beliebigen Formen zu trennen.
© Hegla

Architekten und Bauherren dürfen daher für die Fassaden von Hochhäusern nur Verbundsicherheitsglas verwenden. Ebenso bei Frontscheiben von Autos: Das Sicherheitsglas verhindert, dass sich die Insassen bei einem Unfall an zersplitterndem Glas verletzen. Schaufenster aus Sicherheitsglas sollen die Waren zuverlässig vor Dieben schützen. Das Prinzip dieser Fensterscheiben: Zwischen zwei Glasplatten befindet sich eine reißfeste Folie, welche die Gläser einschlagsicher macht. Entstehen Splitter, bleiben sie an der Folie kleben.

Produziert werden die Sicherheitsglasscheiben in 6 mal 3,20 Meter langen Tafeln, die nachträglich auf die jeweils benötigte Größe zurechtgeschnitten werden. Da die innenliegende Folie reißfest ist, lässt sich die Glasscheibe jedoch nicht einfach auseinanderschneiden. Zunächst werden daher die beiden außenliegenden Glasscheiben angeritzt und gebrochen. Anschließend wird die Bruchlinie über Infrarotstrahler erhitzt. Durch die Wärme wird die Folie weich und die Hälften werden mit Kraft auseinandergezogen bis ein Messer durch den Spalt geführt werden kann. Der Nachteil bei dieser Methode: Es sind nur gerade Schnitte möglich.

Ausgefallene Geometrien - auch bei Sicherheitsglas

Wollen Architekten ausgefallen geformte Fenster – etwa runde – ist es gängige Praxis, die beiden beiden Scheiben des Sicherheitsglases in Handarbeit anzuritzen und aufzutrennen. Der Spalt, der dabei entsteht, ist jedoch zu klein, um einem Messer Platz zu bieten, das auch die Folie durchtrennen könnte. Um den Spalt zu weiten und schlussendlich die gewünschte Form schneiden zu können, wird die Folie mit Hitze erweicht: Es wird Spiritus auf den Spalt aufgebracht und angezündet. Eine neue Methode soll diese gefährliche Prozedur künftig umgehen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg haben gemeinsam mit dem Anlagenhersteller für Flachglasverarbeitung Hegla ein neues Verfahren entwickelt. »Wir schneiden die innenliegende Folie, bevor wir das Glas ritzen und auseinanderbrechen«, erklärt Tobias Rist, Wissenschaftler am IWM.

»Dazu verwenden wir einen Laserstrahl, der beliebig über die Scheibe geführt werden kann. Wir können daher auch ungewöhnliche Geometrien schneiden.« Der Laserstrahl durchdringt das Glas und gibt seine Energie hauptsächlich in der Folie ab. Diese wird so weit erhitzt, dass sie schmilzt und verdampft. Dadurch wird ein Kanal erzeugt und die Folie örtlich aufgetrennt. Ist die Folie »geschnitten«, wird das Glas parallel zum entstandenen Folienkanal angeritzt und gebrochen. »Das Verfahren lässt sich gut automatisieren und im industriellen Maßstab einsetzen«, sagt Rist.

Auf der Messe Glasstec vom 23. bis 26. Oktober in Düsseldorf zeigen die Wissenschaftler Sicherheitsglas, das eine wellenförmige Trennlinie hat (Halle 15, Stand E25). Das Laserverfahren ist einsatzbereit. Die Firma Hegla integriert es in eine neue VSG-Modellschneidanlage und optimiert es industrietauglich. Für das Verfahren zum Ritzen von Konturen wurde bereits ein deutsches und europäisches Patent an Hegla erteilt. In einem weiteren Schritt arbeiten die Forscher nun daran, das Verfahren noch schneller zu machen und somit die Taktrate zu erhöhen.

Tobias Rist | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2012/oktober/sicherheitsglas-beliebig-geformt.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht E-Mobility: Mit Roboter und Laser optimal gefügte Batteriezellen für Elektro-Rennwagen
12.04.2019 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Fraunhofer IDMT zeigt System zur Hörbarmachung virtueller Produkte auf der hub.berlin
10.04.2019 | Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Explosion on Jupiter-sized star 10 times more powerful than ever seen on our sun

A stellar flare 10 times more powerful than anything seen on our sun has burst from an ultracool star almost the same size as Jupiter

  • Coolest and smallest star to produce a superflare found
  • Star is a tenth of the radius of our Sun
  • Researchers led by University of Warwick could only see...

Im Focus: Neues „Baustein-Konzept“ für die additive Fertigung

Volkswagenstiftung fördert Wissenschaftler aus dem IPF Dresden bei der Erkundung eines innovativen neuen Ansatzes im 3D-Druck

Im Rahmen Ihrer Initiative „Experiment! - Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“
fördert die VolkswagenStiftung ein Projekt, das von Herrn Dr. Julian...

Im Focus: Vergangenheit trifft Zukunft

autartec®-Haus am Fuß der F60 fertiggestellt

Der Hafen des Bergheider Sees beherbergt seinen ersten Bewohner. Das schwimmende autartec®-Haus – entstanden im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung...

Im Focus: Hybrid-Neuronen-Netzwerke mit 3D-Lithografie möglich

Netzwerken aus wenigen Neuronenzellen können gezielt künstliche dreidimensionale Strukturen vorgegeben werden. Sie werden dafür elektronisch verschaltet. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, Fehler in neuralen Netzwerken besser zu verstehen und technische Anwendungen mit lebenden Zellen gezielter zu steuern. Dies stellt ein Team aus Forschenden aus Greifswald und Hamburg in einer Publikation in der Fachzeitschrift „Advanced Biosystems“ vor.

Eine der zentralen Fragen der Lebenswissenschaften ist, die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen. Komplexe Abläufe im Gehirn ermöglichen uns, schnell Muster...

Im Focus: Was geschieht im Körper von ALS-Patienten?

Wissenschaftler der TU Dresden finden Wege, um das Absterben von Nervenzellen zu verringern und erforschen Therapieansätze zur Behandlung von ALS

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Nicht selten verläuft ALS nach der Diagnose innerhalb...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Irdischer Schutz für außerirdisches Metall

18.04.2019 | Verfahrenstechnologie

Erster astrophysikalischer Nachweis des Heliumhydrid-Ions

18.04.2019 | Physik Astronomie

Radioteleskop LOFAR blickt tief in den Blitz

18.04.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics