Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn der Roboter den Notdienst anruft

05.10.2012
Mobiles Notfallassistenzsystem des Fraunhofer IPA gibt älteren und gebrechlichen Menschen mehr Lebensqualität
Ein älterer Mensch stürzt. Die Sensorbox in seiner Wohnung erkennt die Notsituation und schickt den mobilen Assistenzroboter zu ihm; der erfasst die Lage des Verunglückten, ermöglicht ihm über seinen integrierten Bildschirm die Kommunikation mit dem Notdienst, versucht ihm, wenn möglich, aufzuhelfen oder versorgt den Verletzten während der Wartezeit auf die Helfer mit einem Glas Wasser.

Keine Zukunftsmusik – das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA präsentiert auf der REHACARE 2012 in Düsseldorf mit praktischen Demonstrationen eine Lösung für die mobile Notfallassistenz, die die Serviceroboter-Plattform »Care-O-bot 3« mit stationären Umgebungssensoren verbindet. Das Anwendungsszenario, das im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten und von Projekt trägern im DLR und VDI betreuten Projekte »Tech4P« und »sense@home« entwickelt wurde, bietet Personen, die noch zu Hause leben können, aber in bestimmten Situationen auf externe Hilfe angewiesen sind, mehr Sicherheit und macht den Einsatz von Pflege- und Notfalldienstleistern schneller und effektiver.

Länger selbstständig zu Hause leben können, ohne die Furcht vor Hilflosigkeit bei Stürzen oder anderen Notsituationen – dieses Anliegen älterer und gebrechlicher Menschen nimmt in einer alternden Gesellschaft stetig an Bedeutung zu. »Unsere Lösung bringt die drei Hauptfaktoren unter einen Hut: das technisch Machbare, die wirtschaftlichen Anforderungen der Pflegedienstleister und die Bedürfnisse und Wünsche der zu betreuenden Personen an ein Assistenzsystem, das sie auch akzeptieren können«, erläutert Ulrich Reiser, Gruppenleiter in der Abteilung Roboter und Assistenzsysteme am Fraunhofer IPA.

»Das System fügt sich leicht und unauffällig in jede Wohnumgebung ein«, sagt der Diplom-Ingenieur. Da es modular aufgebaut ist, lässt sich auch der Sicherungsbereich flexibel an die jeweiligen Erfordernisse anpassen. Fest eingebaute Sensorboxen erkennen hierbei automatisch, ob eine Notsituation vorliegt, worauf individuell festgelegte Maßnahmen eingeleitet werden. Zur genaueren Analyse kann ein mobiler Assistenzroboter zu dem Verunglückten geschickt werden; dieser kann Daten sammeln, die von den stationären Sensoren nicht erfasst werden können, erkennt anhand typischer Konturen und Parameter die Position der Person, manövriert seinen Touchscreen in deren Reichweite und stellt eine direkte Kommunikation mit dem Notdienst her. Mit seinem Roboterarm kann er zudem einer gestürzten Person beim Aufstehen helfen. Der Pflegedienstleister wiederum kann mit Hilfe des mobilen Roboters direkt mit der betreuten Person kommunizieren, oder er kann sich aus nächster Nähe ein Bild von der Lage machen und den Fall anhand der vom Roboter übermittelten Daten beurteilen. Bei Bedarf kann der Dienstleister den Roboter auch fernsteuern, um eine noch bessere Übersicht zu gewinnen. Ist ein Einsatz notwendig, unterstützt der Roboter die verunglückte Person bis zum Eintreffen der Hilfskräfte, indem er beispielsweise ein Glas Wasser holt oder die Angehörigen informiert.

Die Vorteile des mobilen Notfallassistenzsystems liegen für Ulrich Reiser auf der Hand: Für den Pflegedienstleister wird das Risiko von Fehlalarmen minimiert, und er kann auf Grundlage der übermittelten Daten schneller und gezielter reagieren; die betreute Person gewinnt ein Plus an Sicherheit und kann so länger und risikoloser auch alleine selbstständig zu Hause leben. »Es geht nicht darum, menschliche Kontakte durch Maschinen zu ersetzen, sondern mit zusätzlicher Unterstützung durch technische Hilfsmittel älteren und gebrechlichen Personen eine höhere Lebensqualität zu vermitteln«, fasst Ulrich Reiser die Ziele der Fraunhofer-Forscher zusammen.

Weiterer Ansprechpartner
Dipl.-Ing. Ulrich Reiser
Telefon +49 711 970-1330
ulrich.reiser@ipa.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und
Automatisierung IPA

Jörg Walz | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ipa.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Fraunhofer SCAI und Uni Bonn zeigen innovative Anwendungen und Software für das High Performance Computing
14.06.2019 | Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen SCAI

nachricht Robotergestütztes Sensorsystem zur Qualitätssicherung hybrider Bauteile
13.06.2019 | Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: MPSD-Team entdeckt lichtinduzierte Ferroelektrizität in Strontiumtitanat

Mit Licht lassen sich Materialeigenschaften nicht nur messen, sondern auch verändern. Besonders interessant sind dabei Fälle, in denen eine fundamentale Eigenschaft eines Materials verändert werden kann, wie z.B. die Fähigkeit, Strom zu leiten oder Informationen in einem magnetischen Zustand zu speichern. Ein Team um Andrea Cavalleri vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie in Hamburg, hat nun Lichtimpulse aus dem Terahertz-Frequenzspektrum benutzt, um ein nicht-ferroelektrisches Material in ein ferroelektrisches umzuwandeln.

Ferroelektrizität ist ein Zustand, in dem die Atome im Kristallgitter eine bestimmte Richtung "aufzeigen" und dadurch eine makroskopische elektrische...

Im Focus: MPSD team discovers light-induced ferroelectricity in strontium titanate

Light can be used not only to measure materials’ properties, but also to change them. Especially interesting are those cases in which the function of a material can be modified, such as its ability to conduct electricity or to store information in its magnetic state. A team led by Andrea Cavalleri from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg used terahertz frequency light pulses to transform a non-ferroelectric material into a ferroelectric one.

Ferroelectricity is a state in which the constituent lattice “looks” in one specific direction, forming a macroscopic electrical polarisation. The ability to...

Im Focus: Konzert der magnetischen Momente

Forscher aus Deutschland, den Niederlanden und Südkorea haben in einer internationalen Zusammenarbeit einen neuartigen Weg entdeckt, wie die Elektronenspins in einem Material miteinander agieren. In ihrer Publikation in der Fachzeitschrift Nature Materials berichten die Forscher über eine bisher unbekannte, chirale Kopplung, die über vergleichsweise lange Distanzen aktiv ist. Damit können sich die Spins in zwei unterschiedlichen magnetischen Lagen, die durch nicht-magnetische Materialien voneinander getrennt sind, gegenseitig beeinflussen, selbst wenn sie nicht unmittelbar benachbart sind.

Magnetische Festkörper sind die Grundlage der modernen Informationstechnologie. Beispielsweise sind diese Materialien allgegenwärtig in Speichermedien wie...

Im Focus: Schwerefeldbestimmung der Erde so genau wie noch nie

Forschende der TU Graz berechneten aus 1,16 Milliarden Satellitendaten das bislang genaueste Schwerefeldmodell der Erde. Es liefert wertvolles Wissen für die Klimaforschung.

Die Erdanziehungskraft schwankt von Ort zu Ort. Dieses Phänomen nutzen Geodäsie-Fachleute, um geodynamische und klimatologische Prozesse zu beobachten....

Im Focus: Determining the Earth’s gravity field more accurately than ever before

Researchers at TU Graz calculate the most accurate gravity field determination of the Earth using 1.16 billion satellite measurements. This yields valuable knowledge for climate research.

The Earth’s gravity fluctuates from place to place. Geodesists use this phenomenon to observe geodynamic and climatological processes. Using...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Doc Data – warum Daten Leben retten können

14.06.2019 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - August 2019

13.06.2019 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Materialmikroskopie

13.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

German Innovation Award für Rittal VX25 Schaltschranksystem

14.06.2019 | Förderungen Preise

Fraunhofer SCAI und Uni Bonn zeigen innovative Anwendungen und Software für das High Performance Computing

14.06.2019 | Messenachrichten

Autonomes Premiumtaxi sofort oder warten auf den selbstfahrenden Minibus?

14.06.2019 | Interdisziplinäre Forschung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics