Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der elektrische Wasserreiniger

19.04.2013
Materialwissenschaftler der Universität Jena vom 23.-26. April auf der Wasser-Messe in Berlin

Spätestens seit der Katastrophe in Fukushima weiß wohl jeder: Wesentliches Element eines Kernkraftwerkes ist ein funktionierender Kühlkreislauf. Für die Entkeimung von industriellen Wässern – wie die in einem Kraftwerk – eignen sich verschiedene Verfahren.

Eine neue und zugleich besonders umweltfreundliche und wirtschaftliche Methode ist die elektrolytische Entkeimung: Durch elektrische Spannung bilden sich im Wasser eine Vielzahl an Chlorverbindungen, die Bakterien, Pilzen und anderen Keimen den Garaus machen.

Materialwissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena beschäftigen sich bereits seit einigen Jahren mit dem neuartigen Verfahren. Gemeinsam mit der OFS Online Fluid Sensoric GmbH aus Ronneburg haben sie es nun zu einem gebrauchsfertigen Industrieprodukt weiterentwickelt. Das elektrolytische Entkeimungsmodul präsentieren sie vom 23.-26. April 2013 auf der internationalen Fachmesse für Wasser und Abwasser „Wasser Berlin International“.

Herzstück der elektrolytischen Entkeimung ist das Material der Elektrode, das nicht nur leitfähig, sondern auch korrosionsbeständig sein muss. „Denn sonst löst sich die Elektrode nach und nach auf“, erklärt PD Dr. Jörg Bossert vom Lehrstuhl für Materialwissenschaft. Er und seine Kollegen haben bereits vor einigen Jahren eine spezielle und inzwischen patentierte Keramik entwickelt, die beide Bedingungen erfüllt. Doch wie so oft steckt der Teufel im Detail – oder besser gesagt in den spezifischen unterschiedlichen Anforderungen an diese Keramik: „Genau diesen Anforderungen gerecht werden und reproduzierbare Materialeigenschaften sichern zu können, war die größte Herausforderung bei der erfolgreichen Entwicklung“, erklärt Bossert. Gemeinsam mit Projektmitarbeiter Dr. Ranko Adjiski und viel Fingerspitzengefühl bei der Fertigung der Elektroden konnte er nun auch dieses Problem lösen.

Während sich die Materialforscher um die Beschaffenheit der Elektroden kümmerten, entwickelte die OFS GmbH eine spezielle Anordnung und Betriebsweise, um mit geringsten Chloridkonzentrationen in wässrigen Flüssigkeiten ein effektives Verfahren zur Wasserentkeimung in kompakter Modulform zu realisieren. Die Vorteile des innovativen elektrolytischen Entkeimungsmoduls sind zahlreich: Es arbeitet mit einem geringen Energieeinsatz und ist besonders effizient: „Von ursprünglich insgesamt 128, auf mehreren Platten angebrachten Elektroden benötigen wir jetzt nur noch wenige Stabelektroden“, veranschaulicht Winfried Schellbach, Geschäftsführer der OFS GmbH. Darüber hinaus kommt das System völlig ohne Zusatzstoffe aus, wie den bisher in der Industrie üblichen Bioziden. „Das natürlicherweise im Wasser vorkommende Salz genügt, damit sich ausreichend Chlorspezies entwickeln“, betont Schellbach.
Die Depotwirkung der Chlorspezies sorgt zudem für eine nachhaltige Entkeimung des Wassers: „Die Chlorspezies schwimmen sozusagen im Wasser mit und entfalten ihre desinfizierende Wirkung auch außerhalb des Entkeimungsmoduls“, erläutert Jörg Bossert. Bei der Behandlung von Wässern beispielsweise mit UV-Licht verschwinde hingegen der entkeimende Effekt sobald die Einstrahlung aufhöre, so der Jenaer Materialwissenschaftler.

Das von Jörg Bossert geleitete Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Das Hauptaugenmerk liegt nun auf dem Technologietransfer der entwickelten Methode. Auf der Messe „Wasser Berlin“ wollen Jörg Bossert und sein Industriepartner, die OFS GmbH, weitere potenzielle Anwender für den kommerziellen Einsatz der elektrolytischen Entkeimung finden. Die Jenaer Forscher sind am Gemeinschaftsstand der Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen „Forschung für die Zukunft“ in Halle 1.2 (Stand 410) zu finden.

Kontakt:
PD Dr. Jörg Bossert
Institut für Materialwissenschaft und Werkstofftechnologie der Universität Jena
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 947733
E-Mail: p5jobo[at]uni-jena.de

Claudia Hilbert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht ZUKUNFT PERSONAL EUROPE: WORK:OLUTION - SUCCEED IN PERMANT BETA
16.07.2018 | GFOS mbH

nachricht Roboter zeichnet Skizzen von Messebesuchern
22.06.2018 | Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen SCAI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics