Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltrekord: Korrektur extremer Fehlsichtigkeit von 40 Dioptrien Zylinderwert

04.05.2017

Implantation einer speziell gestalteten und weltweit einzigartigen Intraokularlinse

In der Universitätsmedizin Mainz haben Spezialisten die weltweit stärkste Linse zur Korrektur eines extremen Sehfehlers implantiert: Der Patient erhielt eine speziell für ihn angefertigte Linse mit einer Zylinderkorrektur von 40 Dioptrien.


Einzigartige Linse zur Korrektur von 40 Dioptrien Zylinderwert

Universitätsmedizin Mainz

In der Universitätsmedizin Mainz haben Spezialisten die weltweit stärkste Linse zur Korrektur eines extremen Sehfehlers implantiert. Operationen am Auge, bei denen eine getrübte natürliche Linse durch eine künstliche Intraokularlinse ersetzt wird, sind mittlerweile eine Routineleistung.

Wenn jedoch einem Patienten eine speziell für ihn angefertigte Linse mit einer Zylinderkorrektur von 40 Dioptrien implantiert wird – so geschehen in der Universitätsmedizin Mainz – dann ist das etwas weltweit Einzigartiges. Der Leiter des dortigen Spezialbereichs Refraktive Chirurgie, Privatdozent Dr. med. Urs Voßmerbäumer, hat diese außergewöhnliche Operation jüngst erfolgreich durchgeführt.

Der operierte 76-jährige Patient war hochgradig sehbehindert, da er unter einem weit fortgeschrittenen Grauen Star litt und zudem eine extreme Hornhautverkrümmung aufwies. Nur einen Monat nach der OP betrug seine Sehstärke auf dem operierten Auge bereits rund 35 Prozent des üblichen Sehvermögens.

Die Berechnung dieses personalisierten Medizinprodukts sowie dessen Implantation waren enorme Herausforderungen und stellen herausragende medizinische Leistungen dar.

Bis zu welchem Grad einer Fehlsichtigkeit lassen sich noch operative Korrekturen vornehmen? Muss sich ein stark fehlsichtiger Mensch mit seiner verminderten Lebensqualität abfinden? Nein, nicht in jedem Fall. Für Patienten, deren Sehfähigkeit beispielsweise nach einer Verletzung stark eingeschränkt ist, oder die trotz einer Hornhauttransplantation wegen einer ausgeprägten Hornhautverkrümmung kaum noch sehen können oder die extrem kurzsichtig sind, gibt es in der Universitätsmedizin Mainz eine neuartige Therapieoption: die Implantation hochpersonalisierter Linsen, die weit außerhalb des Üblichen liegen.

Privatdozent Dr. med. Urs Voßmerbäumer, Leiter des Spezialbereichs Refraktive Chirurgie an der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, hat es sich zum Ziel gesetzt, auch extrem fehlsichtige Augen wieder am Sehvorgang teilhaben zu lassen. Jüngst hat er eine bislang weltweit einzigartige Operation durchgeführt: Mittels der Implantation einer speziell angefertigten Intraokularlinse hat er eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) von 40 Dioptrien korrigiert. Üblicherweise liegt die Grenze für serienmäßig gefertigte Linsen bei 12 Dioptrien.

Die Korrektur einer solch extremen Sehbehinderung stellte in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung dar: Zum einen in der Berechnung und der Produktion der zu implantierenden Linse. Dafür bedurfte es insbesondere einer extrem genauen Vermessung des Auges und der Hornhautverkrümmung. Im zweiten Schritt stellte die spezielle Konstruktion der außergewöhnlich anspruchsvollen Intraokularlinse besondere Anforderungen an die Ingenieure der Erlanger Herstellerfirma. Zum anderen forderte die Implantation des personalisierten Medizinprodukts dem Operateur Voßmerbäumer Höchstleistungen ab.

Die implantierte, hochleistungsfähige Linse basiert zwar auf dem standardisierten Modell einer Hornhautverkrümmung ausgleichenden, sogenannten torischen Linse, sie ist jedoch wesentlich dicker. Dieser Faktor ist insofern relevant, da die ca. 13 mm lange und im Durchmesser 6 mm große Linse gefaltet in das Auge eingebracht wurde. Für diesen Arbeitsschritt stand PD Dr. Voßmerbäumer nur ein ca. 2,8 mm breiter Schnittkanal offen. Zudem waren bei dem operierten Patienten die Sichtverhältnisse in das Auge hinein sehr schwierig – auch weil der Patient unter einem sehr weit fortgeschrittenen Grauen Star, einem sogenannten Katarakt litt und früher eine Hornhauttransplantation erhalten hatte.

„Extreme Fehlsichtigkeit ist kein Schicksal mehr. Denn für die refraktive Chirurgie muss heutzutage die Ausprägung einer Fehlsichtigkeit keine Beschränkung mehr sein. Auch bei extremen Sehfehlern bieten wir unseren Patienten die Möglichkeit, eine operative, refraktive Behandlung durchzuführen und so zu einem guten Sehvermögen zu gelangen“, so PD Dr. Urs Voßmerbäumer. „In den vergangenen Jahren habe ich bereits mehrere Extremkorrekturen vorgenommen, aber die Implantation der weltweit stärksten Linse von 40 Dioptrien Zylinderwert war wirklich etwas ganz Besonderes“, betont er. „Es freut mich ungemein, dass wir mit dieser Operation haben zeigen können, dass auch extreme Verfeinerungen sinnvoll möglich sind. Für den Patienten bedeutet der durch den Eingriff erzielte enorme Anstieg seiner sensorischen Fähigkeiten einen ganz wesentlichen Zuwachs an Lebensqualität. Als Arzt dazu beitragen zu können, empfinde ich als sehr beglückend.“

Um sich auf die rund 30-minütige Operation vorzubereiten, hat Voßmerbäumer den Eingriff im Vorfeld sehr genau geplant und ist die Schnittführung gedanklich immer wieder durchgegangen. Zudem hat er die Falteigenschaften der Linse mehrfach geprüft, denn nur gefaltet passt sie durch den feinen Kanal des Injektorsystems, mittels dessen sie ins Auge eingebracht wird und wo sie sich dann wieder aufklappt. Damit ihre optische Wirkung voll zur Geltung kommen konnte, war es darüber hinaus wichtig, im Vorfeld der OP die richtige Achse für die Platzierung zu bestimmen und die Linse während des Eingriffs extrem präzise zu positionieren.

„Unsere Abteilung Refraktive Chirurgie zählt zu den am längsten etablierten akademischen Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Sie widmet sich ganz der Optimierung des Sehens. Die erfolgreiche Implantation der speziell angefertigten Linse ist ein Paradebeispiel für personalisierte Spitzenmedizin“, so der Direktor der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Norbert Pfeiffer.

Bildunterschrift: Einzigartige Linse zur Korrektur von 40 Dioptrien Zylinderwert
Quelle: Universitätsmedizin Mainz

Kontakt
Univ.-Prof. Dr. Norbert Pfeiffer,
Direktor der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz,
Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz,
Tel: +49 6131 177085, Fax: +49 6131 176620,
E-Mail: norbert.pfeiffer@unimedizin-mainz.de

Priv.-Doz. Dr. Urs Voßmerbäumer, M.Sc., FEBO, DIU
Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz,
Langenbeckstr.1, 55131 Mainz
Telefon: 06131 17-5445, E-Mail: urs.vossmerbaeumer@unimedizin-mainz.de
Internet: http://www.unimedizin-mainz.de/augenlaser-zentrum/uebersicht.html

Pressekontakt
Barbara Reinke, Unternehmenskommunikation der Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7428, Fax 06131 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor.

Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Barbara Reinke M.A. | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Immer mehr Patienten profitieren von Innovationen in der Gefäßmedizin
08.06.2018 | Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.

nachricht Doppelschichtstents in der Halsschlagader schützen vor Schlaganfall
07.06.2018 | Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics