Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studenten entwickeln einen Mikrochip zum Zählen von Zellen

26.07.2013
Bachelor Timo Noll aus Gladbeck und Master Marvin Kaminski aus Gelsenkirchen lassen die Zellen dazu wie Perlen auf einer Schnur nacheinander zur Analyse antreten. Was nach Dressur klingt, ist ein Beispiel für den Stand der mikrotechnischen Forschung in der Abteilung „Physikalische Technik“ der Westfälischen Hochschule.

Als Alexander Fleming 1928 mit dem Penizillin das erste bekannte Antibiotikum fand, war das zwar ein Zufall, aber auch eine große Leistung des Mediziners und späteren Nobelpreisträgers. Doch ohne Medizintechniker, die hinter ihm standen und das erforderliche Gerät für die Kultivierung der Zellkulturen und deren Untersuchung bereit stellten, wäre das nicht möglich gewesen.


Wie die Perlen auf einer Schnur wollen die Studenten Timo Noll (M.) und Marvin Kaminski (r.) lebende Zellen antreten lassen, um sie zu zählen und zu analysieren. Ihr Projekt in der Entwicklung neuer medizintechnischer Analysegeräte soll später vor allem der Zelltherapie dienen. Betreut werden sie von Prof. Dr. Michael Schlüter (l.). Foto: WH/BL, Abdruck honorarfrei

Seither hat die Medizintechnik eine rasante Entwicklung genommen. An der Westfälischen Hochschule ist sie als „Mikrotechnik und Medizintechnik“ eine Studienrichtung, in der sich die angehenden Wissenschafts-Bachelor und –Master mit Miniatursystemen im Mikrometerbereich beschäftigen. Zwei von ihnen sind Timo Noll (23) aus Gladbeck und Marvin Kaminski (24) aus Gelsenkirchen.

Gemeinsam und aufeinander aufbauend entwickeln sie zurzeit einen Mikrochip zur Zelluntersuchung. Eingesetzt werden kann ihr Chip später sowohl in der Forschung als auch zur Zelltherapie. Wissenschaftlich heißt das „Durchflusszytometrie“. Da sie an einer praxisorientierten Fachhochschule studieren, setzt ihr Projekt dabei auf die Zusammenarbeit mit einer Firma, die die Ergebnisse später in die Wirklichkeit umsetzt und auf den Markt bringen will. In diesem Fall ist der Partner die Firma „Miltenyi Biotec“ in Bergisch Gladbach, ein Unternehmen, das mit mehr als 1.300 Mitarbeitern in 22 Ländern Produkte zur Zellsortierung und –untersuchung sowie zur Zelltherapie entwickelt und vertreibt.

In seiner Abschlussarbeit für den Bachelor-Grad sitzt Timo Noll an der Fräsmaschine. Allerdings im Mikrometerbereich. Er lässt computergestützt feinste Kanäle fräsen, die zwischen 0,1 und 0,3 Millimeter breit und tief sind, jeder Kanal wenige Zentimeter lang. Darin werden Zellen über Transportflüssigkeiten so durch die Kanäle geschickt, dass sie sich mittig im Kanal bewegen. Auf diese Weise lassen sich die Zellen einzeln untersuchen. Anschließend nimmt sich Marvin Kaminski den Zell-Strom vor:

Er sorgt dafür, dass die Zellen in den Kanälen auf einem Chip einzeln einen Laserstrahl passieren. Je nach Größe, Gestalt und Anfärbung zeigen unterschiedliche Zellen im Laserlicht ein spezifisches Verhalten und können so bestimmt werden. Einmal erkannt, werden die gewünschten Zellen dann aus dem Hauptkanal aussortiert.

Wie bei allen wissenschaftlichen Neuentwicklungen wird es von der Forschung bis zur Nutzung noch weitere Zeit benötigen. „Als Fachhochschule sind wir jedoch äußerst interessiert daran, diese ‚Time-to-market-Frist‘ möglichst kurz zu halten“, so Prof. Dr. Michael Schlüter, der die Arbeiten der beiden Studenten betreut. „Um Entwicklungszeiten zu verkürzen und die Synergie zwischen verschiedenen Fachrichtungen unserer Hochschule zu nutzen, hat die Westfälische Hochschule gerade erst das Westfälische Institut für Gesundheit gegründet. Darin sind auch die Spezialisten von Mikrotechnik und Medizintechnik vertreten.“

Dr. Barbara Laaser | idw
Weitere Informationen:
http://www.w-hs.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Vital Signs Monitor
21.09.2018 | ALSKAR DESIGN BV

nachricht Relevante Stellen in Augenoperationsvideos maschinell erkennen
18.09.2018 | Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics