Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Röntgenfluoreszenz- und Funkenemissions-Spektrometrie

01.06.2009
16. Anwendertreffen an der FH Münster

Zwei Tage lang hatten die Teilnehmer des 16. Anwendertreffens Gelegenheit, viel über instrumentelle Neuentwicklungen, Lösungen aktueller Fragen und den Einsatz der genannten Methoden in den Laboratorien verschiedenster Bereiche der Industrie und der Angewandten Forschung zu erfahren.

Auch wenn die Teilnehmerzahl mit etwa 140 gegenüber den vorhergegangenen Tagungen etwas geringer war - die derzeitige Wirtschaftskrise lässt grüßen - so war doch das 16. Anwendertreffen Röntgenfluoreszenz- und Funkenemissionsspektrometrie wieder ein voller Erfolg.

Der Deutsche Arbeitskreis für Angewandte Spektroskopie veranstaltete diese Fachtagung gemeinsam mit dem Fachbereich Chemieingenieurwesen der FH Münster, den Universitäten Hamburg und Duisburg-Essen sowie dem Institute for Analytical Sciences (ISAS), Dortmund, und der ThyssenKrupp Steel AG, Duisburg, auf dem Steinfurter Campus der Fachhochschule Münster. Erneut hatten die Organisatoren Dr. Jörg Flock von ThyssenKrupp Steel AG und Dr. Arndt von Bohlen, ISAS, sowie Prof. Dr. Anton Janßen und sein Nachfolger Prof. Dr. Martin Kreyenschmidt vom Fachbereich Chemieingenieurwesen ein vielseitiges und interessantes Programm von 23 Vorträgen zusammengestellt.
"Stifte kauen ungesund!"
Einen breiten Raum nahmen Informationen über die technische Weiterentwicklung und den Leistungsstand der mobilen Röntgenfluoreszenz-Spektrometer ein. Diese von verschiedenen Herstellern angebotenen Geräte eignen sich inzwischen sehr gut zum Screening der Schwermetallgehalte von Spielzeug und Gebrauchsgegenständen, verschiedensten Reststoffen und Bereichen der Metallanalysen. In so manchen Fällen erreichen sie fast die Leistungsfähigkeit von stationären Geräten. Und M. Ortlieb stellte die Notwendigkeit der Regulierung von Gefahrstoffen in Alltagsgegenständen heraus, wie sie für die Herstellung und Verarbeitung von elektrischen und elektronischen Geräten und Bauteilen (RoHS-Richtlinie) und für Spielzeug (EU-Richtlinie) bereits existieren: "Stifte kauen ist ungesund!" In diesem Zusammenhang wies er auch darauf hin, dass die zur Qualitätssicherung verwendete CE-Kennzeichnung ("Conformité Européenne") leicht verwechselt werden könne mit dem CE-Zeichen für "China Export", das sich nur durch einen anderen Buchstaben-Abstand und einem längeren Mittelstrich im E davon unterscheide.

K. Behrens gab anhand realer Beispiele wertvolle Hinweise für die Strategie bei der Auswahl des optimalen Gerätes für bestimmte Applikationen unter besonderer Berücksichtigung des ständig zunehmenden Kostendruckes. Zudem hat es eine Weiterentwicklung der RFA-Techniken für ortsaufgelöste Untersuchungen gegeben. So stellte M. Procop eine Partikelidentifizierung unter dem Rasterelektronenmikroskop mit Hilfe der µ-RFA unter Nutzung einer kompakten Mikrofocus-Röntgenquelle vor - als wertvolle Ergänzung der Möglichkeiten eines solchen Gerätes.P. Hoffmann charakterisierte Möglichkeiten und Grenzen der zerstörungsfreien Untersuchung von Nanoschichten mit Hilfe verschiedener RFA-Methoden, wobei bestimmte Effekte zeigten, dass einige Fundamentalparameter für die Auswertungen zu korrigieren waren. Referent M. Brücher zeigte die Leistungsfähigkeit der Anregung mittels stehender Röntgenstrahlungs-Wellen zur Charakterisierung von Elementverteilungen an Grenzflächen im Vergleich zur klassischen RFA auf. Zudem diskutierte A. Jonkers verschiedene Ansätze von Analysen mittels vorkalibrierter Software - häufig als semiquantitativ bezeichnet - unter Nutzung von Fundamentalparametern und machte deutlich, dass jede zusätzliche Information über den Probentyp zu einer Verbesserung des Ergebnisses führt, insbesondere durch Erfassung des wahren Probenvolumens und Anpassung der Kalibrierung "an bestimmte Probentypen".

Analysenmethoden für Kunststoffe
C. Mans stellte Homogenitätsstudien an schwermetalldotierten Kunststoffen vor und zeigte dabei auf, dass die Herstellung solcher Referenzproben einen erheblichen kunststofftechnischen Aufwand erfordere, inzwischen aber gelungen sei, so dass derzeit die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) entsprechende ABS-Materialien bezüglich des Elementgehaltes zertifiziere.

Erste Ergebnisse mit einem interessanten Vergleich verschiedenster instrumenteller Kunststoff-Analysenmethoden stellte M. Ostermann vor.

Besondere Aufmerksamkeiten brachten Anwendungsbeispiele aus der Archäometrie. So berichtete A. von Bohlen, wie über die Bestimmung von Elementmustern mittels RFA als Begleitung zu archäologischen Ausgrabungen wertvolle Informationen über die achthundertjährige Geschichte der Burg in Dortmund-Hörde erhalten werden konnten. Und S. Greiff zeigte die besondere Leistungsfähigkeit der Mikro-RFA für eine ortsaufgelöste, zerstörungsarme Analytik im Zusammenwirken mit Restaurierungsarbeiten im Römisch-germanischen Zentralmuseum in Mainz auf. Insbesondere Provenienzbestimmungen und Nachweise von Fälschungen wurden damit ermöglicht. Gegen die oft beschworenen Zerstörungsfreiheit der RFA stellte A. von Bohlen Beispiele von Untersuchungen an Papier, Holz und Oberflächenlack mittels µPIXE und WDXRF nach Synchrotron-Anregung vor, bei denen erhebliche Schäden durch die Untersuchungen entstanden waren.

ICP-MS und Elektrophorese
Was die Emissionsspektrometrie anbelangt, so wurde deutlich gemacht, dass die induktiv gekoppelte Massenspektrometrie (ICP-MS) sich inzwischen zu einer nachweisstarken, multielementfähigen Methode entwickelt hat, die mit unterschiedlichsten Probeneintragssystemen gekoppelt werden kann und längst nicht mehr nur in der Material- und Umweltanalytik eingesetzt wird. So kombinierte I. Feldmann die Gelelektrophorese mit der Laserablations-ICP-MS und konnte interessante Ergebnisse in der Proteinforschung gewinnen, denn zahlreiche Proteine sind in der Lage, Metalle an sich zu binden und zu transportieren. Und E. Pappert zeigte die Möglichkeiten der Mikrochemischen Analyse von oxidischen Materialien mittels LA-ICP-MS auf, machte aber auch die Problematik der Kalibrierung deutlich.

Zum Schuss der Veranstaltung wurde zum nächsten, dem 17. Anwendertreffen "Röntgenfluoreszenz- und Funkenemissionsspektrometrie" eingeladen, das am 08. und 09. März 2010 in Dortmund stattfinden wird. Anmeldungen von Vorträgen bis zum 30. November 2009 sind erbeten an Alex von Bohlen, Institut für Spektrochemie und angewandte Spektroskopie Dortmund, E-Mail: vonbohlen@isas.de. Anton Janßen

| LABO
Weitere Informationen:
http://www.labo.de/xist4c/web/Roentgenfluoreszenz--und-Funkenemissions-Spektrometrie_id_510__dId_431600_.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Schonend, schnell und präzise: Innovative Herz-Bildgebung in Freiburg
18.07.2018 | Universitätsklinikum Freiburg

nachricht Grünen Star effektiv therapieren: Wächter über den Augeninnendruck
02.07.2018 | Fraunhofer Institute for Microelectronic Circuits and Systems IMS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics