Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom erstmals in Deutschland mit Laserfasern behandelt

04.05.2018

Ein Operationsteam um Prof. Manfred Wirth, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, wendete erstmals in Deutschland das sogenannte „Tookad“-Verfahren außerhalb von klinischen Studien an. Diese fokale Therapie, bei der lediglich die vom Krebs betroffene Seite der Prostata therapiert wird, nutzt den fotosensitiven Wirkstoff Padeliporfin („Tookad“). Im Rahmen einer Operation werden Laserfasern in die Seite der Prostata eingebracht, die vom Tumor befallen ist. Der Laser regt das „Tookad“-Medikament an, wodurch es zur Gefäßzerstörung sowie einer verminderten Blutzufuhr kommt, was das betroffene Gewebe absterben lässt.

Bisher hatten Patienten mit einem Prostatakarzinom geringen Risikos in Deutschland lediglich drei Therapieoptionen: Eine Bestrahlung des Tumors, eine Entfernung der Prostata oder aber eine aktive Überwachung ohne therapeutische Eingriffe. Am gestrigen Donnerstag (3. Mai 2018) ist nun eine vierte, minimalinvasive Möglichkeit hinzugekommen.


Beim „Tookad“-Verfahren werden Laserfasern zur Aktvierung des fotosensitiven Wirkstoffs Padeliporfin genutzt.

Foto: Uniklinikum Dresden / Thomas Albrecht


Eingriff mit dem „Tookad“-Verfahren in einem der OP-Säle der Klinik für Urologie des Dresdner Uniklinikums.

Foto: Uniklinikum Dresden / Thomas Albrecht

„Das ‚Tookad‘-Verfahren ist ein Meilenstein der Urologie: Erstmals können Patienten in Deutschland mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom auch risikoarm behandelt werden“, betont Prof. Manfred Wirth die Bedeutung der neuen Operationstechnik.

„Gravierende Eingriffe wie die Bestrahlung des Tumors oder eine radikale Prostatektomie, also die Entfernung der Prostata, sind für Prostatakarzinome mit geringem Risiko nur im Ausnahmefall zu empfehlen, da sie erhebliche Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Impotenz hervorrufen können. Das bisherige Standardverfahren der aktiven Überwachung des Tumors durch regelmäßige ärztliche Kontrollen ohne therapeutischen Eingriff stellt für viele Patienten jedoch eine fortwährende psychische Belastung dar“, erklärt der erfahrene Tumorexperte.

Minimalinvasive Prostatakarzinom-Behandlung

Im Rahmen einer multizentrischen Studie, an der sich auch das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus beteiligte, wurde die Wirksamkeit des 2016 am renommierten israelischen Weizmann-Institut für Wissenschaften entwickelten „Tookad-Verfahrens“ bestätigt. Die Klinik für Urologie des Dresdner Universitätsklinikums ist deutschlandweit die erste Klinik, die dieses Verfahren jetzt in der Regelversorgung anwendet.

Im Rahmen des „Tookad-Verfahrens“ setzen die Ärzte auf den fotosensitiven Wirkstoff Padeliporfin, der im „Tookad“-Medikament enthalten ist. Weil Lichtquellen mit einer bestimmten Wellenlänge den Wirkstoff anregen, muss der Patient während der rund eineinhalbstündigen Operation komplett verhüllt werden. Durch Laserfasern, die die Chirurgen minimalinvasiv über den Dammbereich in die Prostata einbringen und so das Medikament aktivieren, kommt es zur Zerstörung von Gefäßen und zum Absterben des mit dem Tumor befallenen Gewebes.

Aufgrund der schonenden Therapie ist es den Patienten bereits am dritten Tag nach der Operation möglich, das Krankenhaus zu verlassen. Um auszuschließen, dass auch die nicht behandelte Hälfte der Prostata betroffen ist, ermitteln die Mediziner neun bis zwölf Monate nach der Operation im Rahmen einer Biopsie den Gesundheitszustand des verbliebenen Prostatagewebes.

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes und dessen zweithäufigste durch Krebs hervorgerufene Todesursache. Jährlich erkranken deutschlandweit rund 57.000 Männer neu an Prostatakrebs. „Anders als Patienten, bei denen die gesamte Prostata entfernt werden musste, tritt beim ‚Tookad‘-Verfahren keine Inkontinenz auf.

Auch Einschränkungen bei der Potenz sind sehr selten“, erklärt Prof. Manfred Wirth. „Doch bisher kann nur ein geringer Anteil aller Prostatakarzinom-Patienten – nämlich solche mit einem geringen Risiko – von der neuen Therapie profitieren. Deshalb gilt es nun, im Rahmen weiterer Studien die Anwendungsfelder der neuen Operationstechnik gegebenenfalls auszuweiten, damit perspektivisch auch Patienten, die an Prostatakarzinomen mit höherem Risiko erkrankt sind, von der neuen Methode profitieren können.“

Kontakt für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Urologie
Direktor: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Manfred Wirth
Telefon: 0351 / 458 24 47
E-Mail: manfred.wirth@uniklinikum-dresden.de

Weitere Informationen:

http://www.uniklinikum-dresden.de/uro

Holger Ostermeyer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Im Focus: How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

How do some neutron stars become the strongest magnets in the Universe? A German-British team of astrophysicists has found a possible answer to the question of how these so-called magnetars form. Researchers from Heidelberg, Garching, and Oxford used large computer simulations to demonstrate how the merger of two stars creates strong magnetic fields. If such stars explode in supernovae, magnetars could result.

How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

Im Focus: Wenn die Erde flüssig wäre

Eine heisse, geschmolzene Erde wäre etwa 5% grösser als ihr festes Gegenstück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung von Forschenden der Universität Bern. Der Unterschied zwischen geschmolzenen und festen Gesteinsplaneten ist wichtig bei die Suche nach erdähnlichen Welten jenseits unseres Sonnensystems und für das Verständnis unserer eigenen Erde.

Gesteinsplaneten so gross wie die Erde sind für kosmische Massstäbe klein. Deshalb ist es ungemein schwierig, sie mit Teleskopen zu entdecken und zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Bildung.Regional.Digital: Tagung bietet Rüstzeug für den digitalen Unterricht von heute und morgen

10.10.2019 | Veranstaltungen

Zukunft Bau Kongress 2019 „JETZT! Bauen im Wandel“

10.10.2019 | Veranstaltungen

Aktuelle Trends an den Finanzmärkten im Schnelldurchlauf

09.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IZM setzt das E-Auto auf die Überholspur

11.10.2019 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt auf der COMPAMED 2019: Keine Digitalisierung in der Medizintechnik ohne Mikrotechnologien

11.10.2019 | Messenachrichten

Kryptografie für das Auto der Zukunft

11.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics