Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Künstliche Bauchspeicheldrüse bewährt sich im Spital

26.06.2018

Patienten mit Typ-2-Diabetes profitieren bei einem Spitalaufenthalt von einer künstlichen Bauchspeicheldrüse. Die von einem Algorithmus gesteuerte Insulinabgabe führte im Vergleich zur herkömmlichen Insulintherapie zu einer deutlich besseren Blutzuckereinstellung, wie eine Studie aus Bern und Cambridge zeigt.

Rund ein Fünftel der hospitalisierten Patientinnen und Patienten leiden an einer diabetischen Stoffwechsellage, eine durch die Zuckerkrankheit gekennzeichnete Stoffwechselsituation mit dauerhaft erhöhtem Blutzuckerspiegel.


Schematische Zeichnung der Bestandteile der künstlichen Bauchspeicheldrüse.

modifiziert aus Hovorka R, Nat Rev Endocrinol 2011


Schweizer Studienärztin Dr. med. Lia Bally (Mitte) präsentiert das «Closed-loop»-System mit den Studienassistentinnen Svenja Heger (links) und Eveline Andereggen (rechts).

Inselspital, Universitätsspital Bern

Die Einstellung des Blutzuckers im Spital ist eine grosse Herausforderung: akute Krankheit, Änderungen in der Ernährung, Einnahme von Medikamenten und medizinische Behandlungen führen zu raschen Änderungen des Insulinbedarfs und zu Schwankungen des Blutzuckers. Eine stabile Blutzuckereinstellung ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für eine optimale Genesung und Vermeidung von Komplikationen.

In Zusammenarbeit mit der Universität Cambridge, Vereinigtes Königreich, und im Rahmen des neu gegründeten Diabetes Center Berne erforschte die Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus zusammen mit anderen Kliniken des Inselspitals Bern, inwiefern die künstliche Bauchspeicheldrüse – fachsprachlich das künstliche Pankreas genannt – das Diabetesmanagement im Spital verbessern kann.

Der Schweizer Studienleiter Prof. Dr. med. Christoph Stettler und die Schweizer Studienärztin Dr. med. Lia Bally betonen das Potenzial neuster Diabetestechnologie für die Spitalversorgung von Menschen mit Diabetes: «Das künstliche Pankreas hat sich in unserer Studie bewährt», so Lia Bally.

«Im Vergleich zur herkömmlichen Therapie wiesen Patientinnen und Patienten fast viermal öfter einen idealen Blutzuckerwert auf. Werte oberhalb des Zielbereichs wurden um ein Viertel reduziert und der Blutzuckerverlauf zeigte signifikant weniger Schwankungen. Der grosse Vorteil des künstlichen Pankreas liegt in der prompten Reaktion auf einen veränderten Insulinbedarf.»

Praktikabel, wirksam und sicher

Insgesamt wurden 136 stationäre Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes in Bern und Cambridge rekrutiert. Nach dem Zufallsprinzip erhielten die Studienteilnehmenden entweder die herkömmliche Therapie mit manuellem Nachmessen und Insulininjektionen oder die Blutzuckereinstellung erfolgte mit dem künstlichen Pankreas.

Das künstliche Pankreas besteht aus einem kontinuierlichen Glukosesensor, einer Insulinpumpe und einem Kontrollalgorithmus, der die Insulinabgabe je nach Blutzuckerwert bedarfsgerecht reguliert (dieser geschlossene Regelkreis wird auch als «Closed-Loop» bezeichnet). Das System kann innert 15 Minuten installiert werden und übernimmt die Blutzuckereinstellung autonom.

Das künstliche Pankreas erwies sich als wirksam, praktikabel und sicher im Spital einsetzbar: Die Blutzuckereinstellung der hospitalisierten Patientinnen und Patienten verbesserte sich im Vergleich zur herkömmlichen Insulintherapie signifikant, mit vergleichbaren Insulinmengen und ohne Auftreten vermehrter Unterzuckerungen. 98 Prozent der Patientinnen und Patienten waren mit der Blutzuckerregulation über das künstliche Pankreas zufrieden und 100 Prozent würden das neue System anderen mit Typ-2-Diabetes im Spital weiterempfehlen.

Die Studienergebnisse wurden von Lia Bally persönlich am Montag, 25. Juni 2018, am weltweit grössten Diabetes Kongress in Orlando, Vereinigte Staaten, präsentiert und zeitgleich im «New England Journal of Medicine» veröffentlicht. Folgestudien werden die Auswirkung der verbesserten Blutzuckerkontrolle durch das künstliche Pankreas auf den Genesungsverlauf der Patientinnen und Patienten untersuchen.

Kontakt:
Dr. med. Lia Bally, Ärztin und Forscherin an der Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus sowie Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin, Inselspital, Universitätsspital Bern, und Diabetes Center Berne (DCB), Lia.Bally@insel.ch.

Prof. Dr. med. Christoph Stettler, Klinikdirektor und Chefarzt, Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus, Inselspital, Universitätsspital Bern, und Diabetes Center Berne (DCB), Christoph.Stettler@insel.ch.

Kontakt via Kommunikation Insel Gruppe AG, kommunikation@insel.ch, +41 31 632 79 25.

Weitere Informationen:

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1805233?af=R&rss=currentIssue

Monika Kugemann | Universitätsspital Bern
Weitere Informationen:
http://www.insel.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Mit Gold Krankheiten aufspüren
14.11.2018 | Universität Hamburg

nachricht Stear by Ear: Ohren steuern Handprothese
09.11.2018 | Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Automatisierte Klebfilmablage und Stringerintegration für den Flugzeugbau

14.11.2018 | Materialwissenschaften

Wie Algen und Kohlefasern die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre nachhaltig senken könnten

14.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Was das Meer zur Klimaregulierung beiträgt: Neue Erkenntnisse helfen bei der Berechnung

14.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics