Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Filterschutz fürs Gehirn: Weniger Schlaganfälle bei Herzklappenersatz-OP

17.08.2017

Tritt während einer OP am Herzen ein Schlaganfall auf, bedeutet das für den Patienten häufig Invalidität oder gar den Tod. Mediziner der Klinik für Innere Medizin II um Professor Dr. Wolfgang Rottbauer konnten nun in einer Studie nachweisen, dass ein während eines perkutanen Aortenklappenersatzes (TAVI; Transkatheter-Aortenklappen-Implantation) zusätzlich verwendetes Doppelfiltersystem drastisch das Risiko senkt, dass der Patient während oder nach dem Eingriff einen Schlaganfall erleidet.

Bei Menschen im hohen Lebensalter ist eine Verengung der Aortenklappe, eine so genannte Aortenstenose, der häufigste Herzklappenfehler. Der Austausch der defekten Klappe ist oft die einzige Möglichkeit, den Patienten zu helfen und Symptome wie Atemnot zu beheben. Eine schwerwiegende Komplikation, die bei diesem Eingriff auftreten kann, ist ein Schlaganfall.


Das Doppelfiltersystem verhindert, dass kleinste Partikel ins Gehirn geschwemmt werden und dort Schlaganfälle verursachen

Copyright: Claret Medical


Prof. Dr. Wolfgang Rottbauer

Foto: Universitätsklinikum Ulm

Die Ursache hierfür sind häufig kleinste Partikel, die oft bei der Beseitigung der Klappenverengung bei Einsetzen der neuen Herzklappe aus der Gefäßwand gelöst werden, ins Gehirn gelangen und dort zur Durchblutungsstörung führen.

Um herauszufinden, ob spezielle Filtersysteme, die bei einem perkutanen Aortenklappenersatz vorübergehend in die Halsschlagadern platziert werden, das Eindringen der Partikel und damit auch Schlaganfälle verhindern können, hat Professor Dr. Jochen Wöhrle, Leiter des Herzklappenprogramms an der Klinik für Innere Medizin II, in einer Studie mit 560 Patienten untersucht.

„Mit der Studie konnten wir eindeutig zeigen, dass das Doppelfiltersystem wesentlich dazu beiträgt, das Gehirn des Patienten vor einem Eindringen der Partikel zu schützen. Das relative Risiko vor oder innerhalb von sieben Tagen nach der OP einen Schlaganfall zu erleiden, konnte mithilfe der eingesetzten Filter um 71 Prozent gesenkt werden“, fasst Professor Dr. Wolfgang Rottbauer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II, die Ergebnisse zusammen.

An der Klinik kommt seit 2016 das Doppelfiltersystem „Sentinel Cerebral Protection System“ der Firma Claret Medical zum Einsatz. Der größere der beiden Filter wird hier vor Beginn des eigentlichen Eingriffes im ersten großen arteriellen Gefäßast der Aorta (Truncus braciocephalicus) platziert, der kleinere in der linken Halsschlagader (Arteria carotis communis).

Die Studienergebnisse werden demnächst in der hochrenommierten Fachzeitschrift Journal of the American College of Cardiology: Cardiovascular Interventions (JACC) unter der Erstautorenschaft von Dr. Julia Seeger, Assistenzärztin an der Klinik für Innere Medizin II, veröffentlicht. Zudem waren die Ergebnisse ausschlaggebend dafür, dass das Doppelfiltersystem von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA in den USA zugelassen wurde.

Zum Hintergrund
Während die Herzklappe früher in einer offenen Operation, also einer Operation, bei dem der Brustkorb des Patienten geöffnet wird, ersetzt wurde, nutzen Mediziner seit einigen Jahren eine minimal-invasivere Technik. Bei dieser Methode, dem kathetergestützten perkutanen Aortenklappenersatz (TAVI; Transkatheter-Aortenklappen-Implantation), wird die neue Herzklappe mithilfe eines Katheters, der durch die Leistenarterie geführt wird, an ihren Einsatzort gebracht und dort entfaltet.
Die Klinik für Innere Medizin II mit den Schwerpunkten Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, internistische Intensivmedizin und Sport- und Rehabilitationsmedizin des Universitätsklinikums Ulm zählt laut Analysen der deutschen Qualitätssicherung in der Kardiologie zu den besten fünf Prozent aller deutschen kardiologischen Kliniken. Seit 2007 sind an der Klinik mehr als 2000 Herzklappen mit der TAVI-Technik eingesetzt worden. Im vorletzten Jahr ist sie als erstes TAVI-Zentrum in Baden-Württemberg nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zertifiziert worden. Seit 2016 wird am Universitätsklinikum Ulm das Doppelfiltersystem zum Schutz vor Schlaganfällen bei allen anatomisch geeigneten TAVI-Prozeduren in den Hybrid-Herzkatheterlaboren angewendet.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Jochen Wöhrle, Leiter des Herzklappenprogramms an der Klinik für Innere Medizin II, jochen.woehrle@uniklinik-ulm.de, Tel.: 0731 / 500 – 45028

Weitere Informationen:

http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/kliniken/innere-medizin/klinik-fuer-innere-... Homepage der Klinik für Innere Medizin II - Kardiologie

Marieke Ehlen | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Radar statt Stethoskop?
07.08.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Prostatakrebs kann per Ultraschall mit künstlicher Intelligenz besonders effektiv erkannt werden
27.07.2018 | Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dialog an Deck, Science Slam und Pong-Battle

21.08.2018 | Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Linsen im Fokus

21.08.2018 | Seminare Workshops

Dialog an Deck, Science Slam und Pong-Battle

21.08.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Woher Muskeln wissen, wie spät es ist

21.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics