Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erster Gesamtentwurf einer künstlichen Augenlinse

27.06.2012
Über die Brechkraftanpassung der Linse (Akkomodation) kann das menschliche Auge auf unterschiedlich weit entfernte Objekte fokussieren, diese Fähigkeit lässt altersbedingt jedoch nach.

Für ihre Forschungen zu einem künstlichen Akkomodationssystem erhält Dr. Liane Rheinschmitt vom Institut für Angewandte Informatik (IAI) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) den mit 10.000 Euro dotierten Bertha Benz-Preis. Mit der Auszeichnung würdigt die Daimler und Benz Stiftung einmal im Jahr eine herausragende Promotion einer jungen deutschen Ingenieurin.

Ihre Dissertation „Erstmaliger Gesamtentwurf und Realisierung der Systemintegration für das Künstliche Akkommodationssystem" erarbeitete Liane Rheinschmitt im Team von Professor Georg Bretthauer, Mitglied der kollogialen Leitung des IAI am KIT-Campus Nord und Leiter des Instituts für Angewandte Informatik/Automatisierungstechnik am KIT-Campus Süd. „Die Arbeit von Frau Rheinschmitt stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg der Realisierung eines Künstlichen Akkommodationssystems dar, das es Menschen mit Alterssichtigkeit oder nach einer Katarakt-Operation ermöglicht, ohne Brille sowohl in der Nähe als auch in der Ferne wieder scharf sehen zu können. Damit können auch ältere Menschen weiterhin voll am gesellschaftlichen Leben teilnehmen“, so Bretthauer.

„Die vorgelegte Arbeit weist Frau Rheinschmitt als Ingenieurin moderner und interdisziplinärer Prägung aus. Ihre Arbeit verbindet grundlegende Fachkenntnisse der Mikrostrukturtechnik und eröffnet ein weites Feld zukunftsweisender medizinischer Einsatzmöglichkeiten", sagte Professor Eike Böhm, Leiter Qualität Mercedes Benz PKW der Daimler AG, bei der Preisverleihung in Heidelberg.

Mit Hilfe der Akkommodation, der Brechkraftanpassung der Augenlinse, kann das menschliche Auge auf unterschiedlich weit entfernte Objekte fokussieren. Diese Fähigkeit lässt altersbedingt nach, ab etwa 45 bis 50 Jahren wird das Lesen ohne Hilfsmittel immer schwieriger. Von dieser Alterssichtigkeit sind weltweit rund eine Milliarde Menschen betroffen, hinzu kommt bei vielen die „Katarakt-Krankheit" (auch „Grauer Star"), bei der sich die Linse eintrübt und operativ entfernt werden muss. Allein in Deutschland werden jährlich rund 600.000 Katarakt-Operationen durchgeführt.

Die wissenschaftliche Arbeit von Liane Rheinschmitt legt den Grundstein, ein künstliches Akkommodationssytem auf kleinstem Raum zu realisieren. Dieses könnte bei einer Operation unmittelbar in das erkrankte Auge implantiert werden. Die neuartige mechatronische Linse kann die Fähigkeit des Auges zur Fokussierung auf verschiedene Blickdistanzen vollständig wiederherstellen – die gegenwärtig verwendeten unflexiblen künstlichen Linsen können dies nicht. Dies würde für die Betroffenen einen enormen Gewinn an Lebensqualität bedeuten.

Die Preisträgerin wurde in einem mehrstufigen Auswahlprozess ermittelt, ihre Entscheidung begründete die Jury wie folgt: „Die Dissertation besitzt ohne Zweifel gesellschaftliche Relevanz. Der Lebenslauf von Frau Rheinschmitt ist ungewöhnlich und weist ein auf verschiedene Stufen verteiltes beständiges Streben nach höherer akademischer Bildung auf. Ihr interdisziplinärer Werdegang kann auch als Beleg für die Breite ingenieurwissenschaftlicher Forschungsthemen dienen. Mit der Arbeit von Frau Rheinschmitt liegt eine hochklassige Preisnominierung vor." Liane Rheinschmitt wurde 1980 in Magdeburg geboren. Im Jahr 2000 begann sie ein Mechatronikstudium an der Berufsakademie in Karlsruhe, das sie drei Jahre später als Diplom-Ingenieurin BA abschloss. 2004 setzte sie ihren akademischen Werdegang mit einem Maschinenbaustudium an der damaligen Universität Karlsruhe (TH), heute KIT, fort und beendete es im Juli 2007. Ihre Diplomarbeit verfasste sie dabei als GEARE-Stipendiatin (Global Engineering Alliance for Research and Education) an der Purdue Universität in den USA (Indiana). Ihre Dissertation erarbeitete sie am KIT am Institut für Angewandte Informatik und legte sie 2011 der Fakultät für Maschinenbau vor.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Monika Landgraf | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Heilung für beschädigte Knochen aus dem Labor
03.12.2019 | Hochschule Rhein-Waal

nachricht Maschinelles Lernen für die Präzisionsmedizin: Schnelltest für die Asthma-Diagnose
02.12.2019 | Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Die Geminiden, die Mitte Dezember zu sehen sind, sind der "zuverlässigste" der großen Sternschnuppen-Ströme mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde. Leider stört in diesem Jahr der Mond zur besten Beobachtungszeit.

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember immer für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. In diesem Jahr sind die...

Im Focus: Electronic map reveals 'rules of the road' in superconductor

Band structure map exposes iron selenide's enigmatic electronic signature

Using a clever technique that causes unruly crystals of iron selenide to snap into alignment, Rice University physicists have drawn a detailed map that reveals...

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vulkan „F“ ist der Ursprung der schwimmenden Steine

09.12.2019 | Geowissenschaften

Magnetschwebetrennung in der Drogenfahndung - Analyse illegaler Substanzen in Pulver durch magnetische Levitation

09.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Luftverschmutzung: IASS legt erstes Emissionsinventar für Nepal vor

09.12.2019 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics